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Spur führt zu Eckes-Nachfahrin: Justiz in Mexiko untersucht globalen Korruptionsskandal

Spur führt zu Eckes-Nachfahrin : Justiz in Mexiko untersucht globalen Korruptionsskandal

Landet Mexikos ehemaliger Präsident hinter Gittern? Die hiesige Justiz untersucht mit jahrelanger Verspätung einen globalen Korruptionsskandal mit Verbindungen bis nach Deutschland zu Marielle Eckes, einer Nachfahrin des Unternehmensgründers.

Mit jahrelanger Verspätung wird nun auch in Mexiko das internationale Korruptionsnetzwerk um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht juristisch untersucht. Die Ermittlungen der neuen, linksnationalistischen Regierung könnten Expräsident Enrique Peña Nieto hinter Gitter bringen. Zumindest dann, wenn sich die Aussagen des Kronzeugen Emilio Lozoya erhärten: Der sagte am Dienstag bei einer ersten Anhörung, Peña Nieto und dessen Finanzminister Luis Videgaray, beide von der heute oppositionellen Partei der Institutionellen Revolution (PRI) hätten ihm angeordnet, die Schmiergeldzahlungen des brasilianischen Konzerns anzunehmen. Das Geld, so die These der Staatsanwaltschaft, landete in Wahlkampfkassen der PRI und diente zum Stimmenkauf, um die notwendige qualifizierte Mehrheit im Kongress zur Verabschiedung der Energiereform zu bekommen. Odebrecht erhielt im Gegenzug dafür lukrative Aufträge vom staatlichen mexikanischen Erdölkonzern Pemex, dessen Direktor Lozoya damals war. Als Beweise nannte Lozoya der Staatsanwaltschaft zufolge vier Zeugen und legte Dokumente und Videomitschnitte vor.

Insgesamt sollen so 500 Millionen Pesos (knapp 19 Millionen Euro) veruntreut worden sein. Investigative Medien hatten schon vor Jahren Indizien für das Korruptionsschema publiziert, die Ermittlungen wurden jedoch immer wieder verschleppt. Der Fall schlägt Wellen bis nach Deutschland: Dort wurde Ende Juli eine Wohnung in München und ein Haus am Starnberger See von Lozoyas deutscher Ehefrau Marielle Eckes, einer Nachfahrin des Unternehmensgründers, durchsucht. Auch in der Schweiz soll das Paar Vermögen versteckt haben. In beiden Ländern laufen Ermittlungen wegen Geldwäsche.

Das Unternehmen nahm zu den Ermittlungen schriftlich Stellung: „Es ist zutreffend, dass Marielle Eckes eine Nachfahrin des Unternehmensgründers Peter Eckes (1804 bis 1873) ist. Bis Ende 2007 war Frau Marielle Eckes eine der Mitgesellschafter der Eckes AG. Wir möchten jedoch klarstellen, dass Marielle Eckes seit nunmehr über einem Jahrzehnt weder mittelbar nochunmittelbar an der Eckes-Granini Gruppe beteiligt ist. Ihr Ehemann Emilio Lozoya Austin war zu keinem Zeitpunkt an unserer Unternehmensgruppe beteiligt. Zudemwaren Marielle Eckes und Lozoya Austin nie für Eckes-Granini tätig. Da keinerlei Beziehungen zwischen der Eckes-Granini Gruppe und Marielle Eckes beziehungsweise ihrem Ehemann bestehen, liegen uns auch keine weiterführenden Informationen zur Person oder den erhobenen Vorwürfen vor.“

Nach dem Regierungswechsel im Dezember 2018 war Lozoya in Europa untergetaucht. Spanien hatte ihn vorigen Monat ausgeliefert. Dem vorhergegangen waren Verhandlungen zwischen der mexikanischen Staatsanwaltschaft und dem ehemaligen Mitarbeiter der Interamerikanischen Entwicklungsbank, der sein Wissen gegen eine grosszügige Kronzeugenregelung eintauschte. Nach seiner Ankunft wurde er nicht ins Gefängnis geschickt, sondern in ein Hospital verlegt und von dort in den Hausarrest, wo er dieser Tage Presseberichten zufolge eine rauschende Party feierte.

Die Reaktionen in Mexiko fielen unterschiedlich aus. Regierungsanhänger feierten die Ermittlungen als großen Schritt zur Aufklärung der systematischen Korruption der Vorgängerregierung. Unabhängige Beobachter befürchten einen Justiz-Zirkus. Eigentlich gehe es dem Präsidenten Andrés Manuel López Obrador um einen Vorwand, die Öffnung des Energiesektors rückgängig zu machen, vermutete die Energieexpertin Miriam Grunstein im Wirtschaftsblatt „Expansion“.

Der Fall Lozoya sei ein Ablenkungsmanöver von Rezession, steigender Gewaltkriminalität und dem schlechten Management der Pandemie, die in Mexiko bislang fast 54.000 Todesopfer kostete, vermutet der Anwalt und Politikberater Oswaldo Rios. Besonders mit Blick auf die Teilwahlen im kommenden Jahr brauche Lopez Obrador dringend ein zugkräftiges Wahlkampfthema. Seine Popularität liegt derzeit bei 58 Prozent, die seines zerstrittenen Wahlkampfbündnisses Morena jedoch deutlich niedriger.