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Kommentar zur Deutschen Post: Künstliche Empörung

Kommentar zur Deutschen Post : Künstliche Empörung

Dass Festanstellungen anhand eines Leistungsprinzips entschieden werden, ist völlig verständlich. Der Begriff "menschenverachtend" geht meilenweit an der Entfristungspolitik der Bonner Post vorbei, kommentiert GA-Redakteur Florian Ludwig.

Die Deutsche Post hat interne Regeln für die Entfristung von Mitarbeitern. Das ist kein Skandal, sondern völlig normal. Skandalös ist vielmehr, wenn Politiker sich immer wieder völlig im Ton vergreifen, um die große Wochenendschlagzeile für sich zu gewinnen. Die Beschreibung "menschenverachtend" jedenfalls geht meilenweit an der Entfristungspolitik der Bonner Post vorbei.

Die Rede ist von einem Unternehmen mit mehr als 500.000 Mitarbeitern. Bei einer solchen Größe würde umgehend Chaos ausbrechen, gäbe es nicht bestimmte Kriterien und Prinzipien in der Personalführung. Nun lässt sich ja darüber streiten, wie viele Fehltage gerade noch in Ordnung sind - und ab wann auch ein Arbeitgeber vom Phänomen des "Krankfeierns" ausgehen darf. Dass aber generell eine Art Leistungsprinzip gerade bei der Frage gilt, ob ein Wirtschaftsunternehmen einen Mitarbeiter langfristig an sich bindet, kann niemanden überraschen. Und was würde passieren, wenn der Post etwa das Fahrverhalten von Zustellern völlig gleichgültig wäre?

Die Empörung über solche Kriterien ist aber auch deshalb künstlich, weil gerade im Bereich der Post- und Logistikdienste seit einiger Zeit überhaupt kein Spielraum besteht, gute Mitarbeiter grundlos vor die Tür zu setzen. Der Arbeitskräftemangel wird vermutlich vermehrt dafür sorgen, dass auch Mitarbeiter beschäftigt werden, die sich ihrer Verantwortung nicht bewusst sind. Die passenden Skandalrufe der Öffentlichkeit dazu gibt es bereits heute.