Handel im Wandel Metro plant Real-Verkauf in sechs Monaten

Düsseldorf · Metro-Chef Olaf Koch sieht genügend Interessenten für die Supermarktkette. Es gibt erste Spekulationen, dass Amazon an Real Interesse hat als logistische Basis für Amazon Fresh.

 Real ist fit für eine eigenständige Zukunft, glaubt jedenfalls das derzeitige Metro-Management.

Real ist fit für eine eigenständige Zukunft, glaubt jedenfalls das derzeitige Metro-Management.

Foto: dpa

Bis Mai des kommenden Jahres will die Führung des Handelskonzerns Metro den Verkauf der SB-Warenhauskette Real perfekt machen. Das sagte Metro-Chef Olaf Koch am Freitag in einer Telefonkonferenz. Sechs bis acht Monate könne es dauern, bis der Deal unter Dach und Fach sei. Man werde nun Berater und Banken beauftragen, kündigte der Metro-Chef an. Über mögliche Kaufkandidaten sagte er noch nichts. Es sei in der Vergangenheit aber bereits mehrfach Interesse an Real signalisiert worden.

Ein Verbleib bei der Metro wäre für beide Unternehmen nicht der richtige Schritt, so Koch. Für die Metro nicht, weil die sich auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren möchte, für Real nicht, weil die SB-Warenhauskette dann eben auch nicht mehr Kerngeschäft ist. Das bedeutet: Immer dann, wenn es ums Geld geht, beispielsweise um Investitionen in Wachstum, gäbe es für Real nur dann finanzielle Mittel, wenn etwas übrig wäre. „Die Metro will nicht mehr in Real investieren“, heißt es im Umfeld der Tochter.

Mit Neu-Aktionär nicht über Real gesprochen

Vermutlich will das auch Daniel Kretinsky nicht mehr. Der neue Metro-Aktionär wäre mit der von Real erzielten Ebitda-Marge von zwei Prozent (das ist das Verhältnis von Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zum Umsatz) auf Dauer nicht zufrieden. Koch sagte in der Telefonkonferenz zwar, es habe zum Thema Real keine Gespräche mit dem neuen Investor gegeben.

Der Verkauf ist also beschlossene Sache. Koch würde das Warenhausgeschäft am liebsten als Ganzes verkaufen. Das gilt dann auch für 65 Immobilien, die als Vermögenswert der Metro-Immobiliengesellschaft Metro Properties gehören. Daneben gibt es noch zahlreiche andere Eigentümer für die restlichen 220 Häuser. Ein kleiner Rest (angeblich eine Handvoll) entfällt auf die Gebrüder Viehof. Ihr 2010 gestorbener Vater Eugen Viehof hatte 1962 zusammen mit seinem Schwager den Selgros-Großhandel gegründet, aus dem später die Allkauf-Warenhäuser hervorgingen. 1998 verkaufte Eugen Viehof das Geschäft für umgerechnet 1,25 Milliarden Euro an die Metro, die aus Allkauf Real machte. Aber einige Immobilien sind den Viehofs geblieben, die unbestätigten Informationen zufolge dafür jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag an Miete kassieren.

"Real fit genug für Eigenständigkeit"

Koch glaubt auf jeden Fall, dass Real fit genug ist für eine eigenständige Zukunft. Die neue Entgeltstruktur sei dafür der letzte Baustein gewesen, so der Metro-Chef. Neue Entgeltstruktur heißt unter anderem: Neu eingestellte Mitarbeiter werden schlechter bezahlt als altgediente Kollegen (Koch: „Aber besser als bei manchen Wettbewerbern“), was zu einer Senkung der Personalkosten geführt hat. Eine Milliarde Euro hätten diese Aufwendungen vorher betragen, sagte Koch. Jetzt sind es angeblich noch etwa 750 Millionen Euro, weil bereits 2000 Beschäftigte zu den veränderten Konditionen bezahlt werden. Koch nannte außerdem zum wiederholten Mal das rasante Onlinewachstum, das Markthallen-Konzept, das aus Krefeld auf andere Standorte übertragen werde, und die Einkaufs- und Beschaffungskooperation mit anderen Unternehmen in der Gesellschaft RTG als Pfeiler für eine erfolgreiche Real-Zukunft.

Was einen möglichen Kaufpreis angeht: „Dank Real.de könnte das durchaus bis zu einer halben Milliarde Euro sein“, sagt der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. „Es gibt erste Spekulationen, dass Amazon an Real Interesse habe als logistische Basis für Amazon Fresh“, so Heinemann. Zudem sei Kaufland ein Kandidat für Teile des Unternehmens. Dazu kommen die im Familienbesitz befindliche Handelsgruppe Dohle aus Siegburg mit den Hit-Verbrauchermärkten und große Lebensmittelkonzerne, die sich aber aus kartellrechtlichen Gründen wohl nur Real-Stücke einverleiben könnten.