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Kommentar zu Altskleidersammlungen: Mode braucht neuen Stil

Kommentar zu Altskleidersammlungen : Mode braucht neuen Stil

Die Wegwerfmentalität bei Kleidungsstücken führt zu Problemen. Das muss sich ändern. Auch der Staat ist gefragt, kommentiert Hanna Gersmann.

Hilfe, ich habe nichts anzuziehen. Den Satz kennt jeder. Dabei sind die meisten Kleiderschränke proppenvoll. Doch es shoppt sich heute so schnell wie nie zuvor, die Hose für 6,99 Euro, das T-Shirt für unter zwei Euro. Modeketten wie Primark, KIK oder Zara werfen alle zwei Wochen neue Ware auf den Markt, reden Kunden ein, sie müssten ihre Garderobe dauernd erneuern. Da ließ sich bisher denken, ist doch kein Problem: Erst landet das selten getragene Teil in der hinteren Ecke des Schranks, aber irgendwann dann in der Altkleidersammlung und dient einem guten Zweck. Nur: Die Realität ist so schön nicht.

Die Ex- und Hopp-Mentalität bringt das Sammelsystem in eine finanzielle Krise. Anders als etwa für die Hausmülltonne zahlt der Verbraucher für die Altkleidersammlung nichts. Dabei ist das Sortieren und Wiederverwerten der abgelegten Sachen nicht umsonst. Das rechnete sich bislang nur, weil sich die Hälfte der Klamotten secondhand verkaufen ließ und damit gutes Geld gemacht werden konnte. Doch mittlerweile sind so viele Fummel schlechter Qualität auf dem Markt, dass sie sich nicht länger tragen und nicht einmal mehr zu Putzlappen verarbeiten lassen.

Die Branche, die zu den größten Umweltsündern gehört, muss ihren Stil ändern – oder dazu gebracht werden. Denkbar wäre eine Recycling-Abgabe, die für die schlecht recycelbare Kunstfaser höher ist als für den Baumwollstoff. Oder Modeketten, die aussteigen aus dem „Kaufen-Einmaltragen-Wegschmeißen-System“, bekommen steuerliche Vergünstigungen. Damit die nächste Mode eins wird: zeitlos schön tragbar.