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Das Rheinland verliert: München ist Deutschlands Börsen-Hauptstadt

Das Rheinland verliert : München ist Deutschlands Börsen-Hauptstadt

In keiner anderen Stadt in Deutschland ist so viel Börsenwert versammelt wie in München. NRW kommt insgesamt deutlich schlechter weg als die süddeutschen Länder.

Deutschlands Börsen-Hauptstadt 2019 heißt München. Ganz sicher. Oder Walldorf? Oder gar Bremen? Kommt drauf an. Darauf, woran man den Begriff Hauptstadt festmacht. Auf jeden Fall nicht Frankfurt, auch nicht Düsseldorf oder Bonn.

Der Reihe nach. Nimmt man den addierten Börsenwert aller Unternehmen einer Metropole, kommt an der bayerischen Landeshauptstadt niemand vorbei. Die fünf Dax-Unternehmen Siemens, Allianz, BMW, Münchener Rück und MTU Aero Engines kommen zusammengerechnet auf eine Marktkapitalisierung von 284 Milliarden Euro. Nimmt man Infineon und Wirecard aus dem Landkreis München dazu, steigt die Zahl auf 330 Milliarden Euro. NRW, das zweite Schwergewicht im Dax, kommt aktuell auf etwa 295 Milliarden Euro, obwohl das bevölkerungsreichste Bundesland im wichtigsten Aktien-Index zwei Unternehmen mehr hat als München.

Und auch SAP kommt da natürlich nicht mit, obwohl der Software-Konzern aus dem baden-württembergischen Walldorf bei einem Marktwert von 153 Milliarden Euro mit großem Abstand das wertvollste deutsche Unternehmen ist. Aber eben allein auf weiter Flur im beschaulichen Walldorf. Andererseits bringt der Konzern mit einem Kursanstieg von knapp zwei Fünfteln im vergangenen Jahr Baden-Württemberg nach vorn, weil das Vorzeigeunternehmen allein 60 Prozent des gesamten Börsenwertes im Ländle ausmacht. Dass das international bei Weitem nicht für einen Spitzenplatz reicht, ist ein anderes Thema.

Soweit die Statistik. Also beinahe. Der Vollständigkeit halber muss man noch darauf hinweisen, dass bei der Beurteilung, wie viel Wert eine Region an der Börse hat, eigentlich nur vier Bundesländer einer ernsthaften Betrachtung unterzogen werden müssen: Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Die Reihenfolge ist nicht willkürlich gewählt, sie entspricht der Performance der Länder in der Statistik der Deka.

Warum kommt Nordrhein-Westfalen dabei deutlich schlechter weg als die süddeutschen Länder? „Das unterdurchschnittliche Abschneiden des Bundeslandes erklärt sich hauptsächlich durch die unterdurchschnittliche Wertentwicklung von Titeln mit hoher Marktkapitalisierung“, sagt Deka-Experte Joachim Schallmayer. Im Detail: Die Deutsche Telekom, Henkel und Eon haben trotz leichter Kursgewinne in einem starken Börsenjahr die Performance von NRW verdorben, und das konnten die Deutsche Post und einige Werte aus der zweiten Reihe (beispielsweise Lanxess, Hella, Ströer) nicht wettmachen. Die Telekom war mit einem Plus von fünf Prozent weit unter Durchschnitt, Henkel kam nach drei Gewinnwarnungen binnen eines Jahres und einer Achterbahn-Fahrt am Aktienmarkt auch nicht auf große Sprünge. Und Eon stürzte im Sommer ab, als die Anleger verinnerlichten, dass RWE aus der Zerschlagung und Verteilung von Innogy als der große Profiteur hervorgehen würde.

„Dagegen profitiert Bayern davon, dass die Unternehmen stärker auf verschiedene Branchen verteilt sind und damit das Risiko breiter gestreut ist“, erklärt Schallmayer. Industrie, Versicherungen, Konsumgüter, Technologie, Pharma – die Bayern haben die ganze Palette.