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Niedriger Ölpreis: Aus diesem Grund spielt der Ölpreis verrückt

Preis im Keller : Aus diesem Grund spielt der Ölpreis verrückt

Am Montagabend ist der Preis für amerikanisches Rohöl an den Börsen weit in den negativen Bereich gerutscht. Abnehmer von Rohöl konnten da also den Rohstoff in Empfang nehmen und dazu eine Prämie kassieren. Woran das liegt, wie es weitergeht und was das für Verbraucher bedeutet.

Was ist an den Ölmärkten passiert?

Die Ölpreise waren bereits in den vergangenen Wochen wegen der Corona-Krise drastisch gefallen. Zudem gab es Uneinigkeit zwischen dem Opec-Kartell und anderen Ölförderstaaten. Nun sind zu Wochenbeginn bestimmte Verträge für die Lieferung von Öl fällig geworden. Nur sind die Läger voll – es gab also keine oder zu wenige physische Abnehmer.

■ Wie kommt der Preis zustande?

Ölpreise basieren vor allem auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Deswegen bleibt mit dem wirtschaftlichen Stillstand weltweit durch die Pandemie die Nachfrage aus und die Preise fallen sprichwörtlich ins Bodenlose. Denn Firmen bestellen weniger Öl, Fluggesellschaften lassen ihre Flotten am Boden und Verbraucher bleiben zu Hause und fahren weniger Auto.

Welche Ölverträge haben den Preisschock ausgelöst?

Es sind Termingeschäfte für den Monat Mai am 21. April ausgelaufen. Das heißt, wer an diesem Tag den Vertrag in der Hand hat, dem gehört die zugehörige Öl-Lieferung. Die fließt in vorhandene Ölspeicher – und für deren Nutzung muss man zahlen. Nun soll im Mai geliefert werden, aber die Ölspeicher sind schon voll. Der Preis für die verbliebenen Speicher steigt. Deswegen sind Anleger aus den Verträgen geflüchtet: Sie wollten sich nicht die Finger verbrennen. Die Papiere wurden wertlos und fielen sogar in den negativen Bereich.

■ Warum hat der Absturz nur das amerikanische WTI-Öl getroffen?

WTI-Öl hat die Eigenschaft, ziemlich eindimensional gespeichert zu werden. Denn die Pipelines enden in Oklahoma. Dort steht der weltgrößte Ölspeicher und dorthin wird geliefert. In der Speicherstadt Cushing aber sind die Lager schon gut gefüllt. Der verbliebene Speicher ist teuer zu bezahlen. Die europäische Nordseesorte Brent hat mehr Alternativen bei der Auslieferung.

■ Warum fährt man die Ölförderung nicht einfach herunter?

Grundsätzlich stehen Ölquellen mehr oder minder unter Druck. Einmal angestochen, fließt der Schmierstoff der Weltwirtschaft. Vor allem in der aus Umweltsicht umstrittenen Fracking-Technik in den USA ist ein Stopp der Produktion schwer zu bewerkstelligen. Auch deswegen werden zurzeit auch die Öltanker auf den Weltmeeren genutzt – sie dienen als schwimmende Ölspeicher.

■ Welche Konsequenzen hat das für Mineralölkonzerne?

Die geraten zunehmend in Schieflage, sollten die Preise weiter so niedrig bleiben. Das wiederum kann sich dann etwa in Form von Kreditausfällen und Arbeitslosigkeit bemerkbar machen. In den USA steht die gesamte Fracking-Branche mit den Tiefpreisen am Rande des Abgrunds. Denn hier rechnen Beobachter damit, dass die Unternehmen mindestens einen Preis von 50 Dollar pro Fass brauchen, um über die Runden zu kommen.

■ Warum kauft US-Präsident Donald Trump jetzt Öl?

Um sich in Szene zu setzen. Der US-Präsident hat angekündigt, 75 Millionen Barrel zu kaufen, um die Preise zu stützen. Nur liegt die weltweite Nachfrage pro Tag in ähnlicher Höhe. Trumps Aktion ist also allenfalls ein Tropfen Öl auf einem heißen Stein. Wirkungsvoller ist da schon die Einigung der Opec mit anderen Ölstaaten wie Russland, die Fördermenge täglich um zehn Millionen Barrel herunter zu fahren. Allerdings meinen die meisten Experten, dass das bei weitem nicht reicht, um den Nachfrageausfall auszugleichen. Ölförderstaaten wie Saudi-Arabien und Russland jedenfalls geraten zunehmend unter Druck, weil sie aus den Öleinnahmen zum Großteil ihre Staatshaushalte finanzieren.

■ Was bedeutet das alles für Benzin und Heizöl-Preise?

Leider gar nicht viel. Denn hierzulande liegt der Anteil der Steuern und Abgaben am Ölpreis bei weit über der Hälfte. Zudem ist zwar auch die europäische Ölsorte Brent zu Wochenbeginn weiter drastisch gefallen, liegt aber noch bei rund 21 Dollar pro Fass. Die Preise für Heizöl und an den Tankstellen könnten mit diesen Tiefständen aber verzögert noch ein bisschen zumindest fallen.