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Von Protesten dominiert: Siemens-Aktionärsversammlung von Protesten begleitet

Von Protesten dominiert : Siemens-Aktionärsversammlung von Protesten begleitet

Begleitet von Protesten hat Siemens am Mittwoch seine Aktionärsversammlung abgehalten. Vor der Olympiahalle in München protestierten Umweltgruppen gegen den Verkauf einer Signalanlage an ein umstrittenes Minenprojekt in Australien. Doch auch Großinvestoren übten harsche Kritik an Siemens und dessen Chef, Joe Kaeser.

Das Siemens-Management um Konzernchef Joe Kaeser hat sich am Mittwoch viel Kritik anhören müssen. Nicht nur versammelten sich bereits am Morgen rund 130 Demonstranten vor dem Aktionärstreffen in der Münchener Olympiahalle. Auch Aktionäre hielten sich nicht mit Kritik zurück. Kaeser reagierte teils gereizt – die Proteste und Angriffe von Umweltaktivisten nannte er „fast grotesk“.

Der Protest verschiedener Umweltgruppen richtet sich gegen den Vertrag für die Lieferung einer Signalanlage für ein Minenprojekt in Australien. Über eine Bahnstrecke soll Kohle aus dem riesigen Bergwerk zum Hafen verfrachtet werden. Der indische Adani-Konzern wiederum will damit seine Kraftwerke befeuern.

Joe Kaeser und Siemens stehen deswegen im Mittelpunkt der Kritik der Umweltschützer wie der Schülerbewegung „Fridays-for-Future“, dem Bund Naturschutz oder Greenpeace. „Wir haben die Tragweite nicht richtig eingeschätzt“, räumte Kaeser vor seinen Aktionären ein. „Würden wir heute nochmal einen Bau einer Kohlemine unterstützen? Nein“. Fraglich sei aber, ob man auch Firmen zur Rechenschaft ziehen könne, die ein umstrittenes Unternehmen mit unkritischen Gütern beliefere. Als Beispiel nannte er Gebäudetechnik, die helfe, an einem Verwaltungsgebäude CO2 einzusparen – etwa beim umstrittenen Bergbaukonzern Rio Tinto. „Kommt da wieder einer und seilt sich am Hauptgebäude von Siemens an und sagt: Das dürft ihr nicht?“ Kaeser spielte damit auf Greenpeace-Aktivisten an, die am Dienstag das Dach der Siemens-Zentrale in München besetzt hatten.

Kritiker jedenfalls haben weite Wege auf sich genommen, um dem Konzernvorstand in München an diesem Tag die Leviten zu lesen. „Ich erhebe mich und kämpfe für mein Volk“, sagte Murrawah Johnson. Als Vertreterin der indigenen Bevölkerung war sie aus Australien nach München zur Aktionärsversammlung gereist. Sie warf Kaeser vor, falsche Informationen zu verbreiten, indem er behaupte, die indigene Bevölkerung habe dem Adani-Projekt zugestimmt. Noch deutlicher wird die 17-jährige australische Schülerin Varsha Yajman. Die Aktivistin des australischen Fridays-for-Future-Pendants bezichtigte Kaeser der „Lüge“. Im Ton moderater, dafür in der Sache ebenfalls deutlich kritisch, haben sich Vertreter von Großaktionären in München an das Siemens-Management gewandt. Einige Investoren werfen Kaeser vor, durch seine Botschaften in der Öffentlichkeit den Streit selbst befeuert zu haben. Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe musste Redner auf der Versammlung mehrmals abwürgen, als deren Redezeit ablief. Zudem ermahnte er, die Fragerunde nicht als „politische Bühne“ zu nutzen, man könne Nachhaltigkeit der Welt nicht in der Hauptversammlung lösen. Manche Beobachter von Siemens glauben, dass durch den entstandenen Image-Schaden durch die Auseinandersetzungen rund um das Adani-Geschäft auch die geplante Abspaltung von Siemens Energy belastet werden könnte. Derzeit spürt der Bereich im ersten Quartal des Jahres Gegenwind. Das bereinigte operative Ergebnis von Siemens brach in den Monaten Oktober bis Dezember um rund 30 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro ein. Dabei zeigte das Energietechnik-Geschäft ebenso Schwächen wie die Industrie-Automatisierung. Die Flaute in der Autoindustrie und im Maschinenbau haben in den Siemens-Industriesparten vor allem die Geschäfte belastet.