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Start-up Sono dank Crowdfunding-Aktion vorerst gerettet

Einmalige Crowdfunding-Aktion : Start-up Sono ist vorerst gerettet

50 Millionen Euro haben die Gründer des Start-ups Sono gesammelt, um ihr Projekt noch zu retten. Eine weltweit ziemlich einmalige Crowdfunding-Aktion. Im Herbst 2021 soll mit der Produktion in Schweden begonnen werden.

Die Botschaft ist kurz, aber sie hat es in sich. „Wir haben es geschafft“, hat das Münchner Elektrauto-Start-up Sono Motors in der Nacht auf Sonntag verkündet. Zwei Tage vor Ablauf einer letzten Frist am 20. Januar für eine ungewöhnliche Geldsammelaktion sind die benötigten 50 Millionen Euro zusammengekommen. Ohne diese Summe wäre das ambitionierte Vorhaben, ein mit Solarzellen bestücktes Elektroauto in Serie zu bauen, beendet gewesen. So etwas wie Geschichte geschrieben haben Sono-Gründer und Unterstützer, weil damit zum einen die weltweit größte Summe per Internet eingesammelt wurde, um die zumindest in letzter Zeit geworben wurde. Zum anderen ist wohl noch niemals auf diese Weise die Entwicklung eines Autos finanziert worden.

Zerstrittene Investoren

 Die Sono-Macher hatten sich zuvor in einer kritischen Phase des Unternehmens mit traditionellen Investoren zerstritten, weil die den visionären Kurs der beiden Gründer Jona Christians und Laurin Hahn nicht mitgehen wollten. Das Duo pocht darauf, den Sion unter strikt nachhaltigen Kriterien in Europa zu bauen und nur Zulieferer zuzulassen, die sich Nachhaltigkeitskriterien verpflichten. Die Geldgeber in spe hatten dagegen eine möglichst billige Produktion verlangt.

 Zwei Welten waren aufeinandergeprallt mit Renditeinteressen traditioneller Investoren auf der einen Seite und dem Öko-Ziel, ein selbst ladendes und zum Verleihen ausgelegtes Elektroauto zu bauen, das den Verkehr reduziert, auf der anderen Seite. Weil Hahn und Christians dabei auch vier Jahre nach Sono-Gründung recht kompromisslos geblieben sind, stand das Unternehmen Ende 2019 plötzlich ohne Investoren da.

Über 11 000 Vorbestellungen

50 Millionen Euro mussten schnell her, um Gerätschaft für die geplante Serienproduktion im schwedischen Trollhättan zu kaufen und Serien-Prototypen zu bauen. Als letzter und verzweifelt anmutender Weg blieb nur noch eine Crowdfunding-Kampagne im Internet. Möglichst viele der 11 600 Vorbesteller des Sion sollten dazu gebracht werden, ihr 25 500 Euro teures Elektroauto voll vorab zu bezahlen. Pa­rallel wurde in der Internet-Community um private Darlehen geworben. Die Kürze der Zeit und Höhe der Investitionssumme schienen das aber zu einem zum Scheitern verurteilten Vorhaben zu machen. Sion-Käufer sind aber nicht mit denen von VW & Co zu vergleichen, sondern eher mit denen des US-Elektropioniers Tesla. Was Unternehmen und Kunden verbindet ist in diesem Fall vor allem auch eine Idee.

 Dennoch wären die 50 Millionen Euro nicht erreicht worden, hätten zwei Sono-Altaktionäre nicht noch einmal zehn Millionen Euro nachgeschossen. Das haben die Beteiligungsfirma WiVenture und das Familien-Office ELFH Holding in den vergangenen Tagen getan. Gut 40 Millionen Euro haben Sion-Kunden beigesteuert, die so zu Sono-Investoren geworden sind. Dafür haben Hahn und Christians sich im Gegenzug verpflichtet, ihre Gewinnbezugsrechte komplett an einen Pool abzutreten, aus dem jetzige Unterstützer schöpfen können, sobald Sono profitabel wird. Bis dahin ist es trotz des jetzigen Finanzierungserfolgs noch ein langer Weg.

Serienfertigung in Trollhättan in ehemaligen Saab-Werken

 Denn um die Serienfertigung wie geplant im Herbst 2021 in den ehemaligen Saab-Werken von Trollhättan starten zu können, ist eine weitere Anschlussfinanzierung über 205 Millionen Euro nötig. Obwohl das noch einmal gut das Vierfache der jetzt erreichten Summe ist, zeigen sich Hahn und Christians zuversichtlich, auch diese Hürde zu nehmen. Mit Banken stehe man bereits in vielversprechenden Verhandlungen, um für diese Phase der Unternehmensfinanzierung rund 70 Millionen Euro an Krediten zu erhalten. Zudem hoffen die beiden Gründer und Sono-Chefs nun auf neue Investoren, die vom Erfolg der Crowdfunding-Kampagne angelockt werden.

 Vor allem kalkulieren die Jungunternehmer aber mit dem Verkauf sogenannter CO2-Zertifikate. Diese moderne Handelsware entsteht bei reinen Elektroautoherstellern wie Sono, weil seine Autos ausschließlich schadstofffrei unterwegs sind. Verkauft werden können Zertifikate an traditionelle Autobauer, die ihre Schadstoffgrenzwerte beim Flottenverbrauch überschreiten würden und dann hohe Strafzahlungen an die EU leisten müssten. Allein dadurch winkt Sono eine dreistellige Millionensumme.

 Dennoch bleibt der Sion ein Risiko-Projekt. Die Gelder der privaten Unterstützer werden nach dem Erreichen der 50 Millionen Euro-Schwelle nun abgebucht. Floppt das Vorhaben in einem späteren Stadium, droht Anlegern ein Totalverlust. Andererseits haben die Jungunternehmer nun bewiesen, dass ökologisch orientierte Überzeugungstäter im Internet nicht nur Demos organisieren, sondern auch einiges an Geld mobilisieren können.