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Kommentar zur Bahn: Transparenz unerwünscht

Kommentar zur Bahn : Transparenz unerwünscht

Die Bahn gilt bei den meisten Verbrauchern als teures Verkehrsmittel. Verwunderlich ist es nicht. Flüge in weit entfernt Landstriche werden oft schon für den Gegenwert eine Taxifahrt angeboten, kommentiert GA-Autor Wolfgang Mulke.

Autofahrer vergleichen die Kosten für den Kraftstoff mit dem für Bahntickets. Die Wirklichkeit spiegeln so einfache Rechnungen jedoch nicht wider. Der Autofahrer unterschlägt gerne die Unterhalts- und Anschaffungskosten, die Fluggäste nehmen nicht wahr, dass sie bei einer kurzfristigen Buchung zu attraktiven Flugzeiten für Geschäftsleute schnell einige Hundert Euro für das Ticket bezahlen müssten. Von der unterschiedlichen Belastung von Bussen, Bahnen, Autos und Flugzeugen ganz zu schweigen. All dies mit bedacht, sind die wahrgenommenen Preisunterschiede längst nicht mehr so unerklärlich hoch.

Unschuldig ist die Bahn an ihrem diesbezüglich schlechtem Image nicht. Das Tarifsystem im Schienenverkehr ist seit Jahrzehnten undurchschaubar. Die Kunden können nicht nachvollziehen, wann und für welchen Zug es günstige Tickets gibt oder warum eine einfache Fahrt plötzlich einen dreistelligen Eurobetrag kosten soll.

Die Bahn nutzt ihre Preise auch als Steuerungsinstrument für die Auslastung der Züge. Je höher die Nachfrage, desto höher der durchschnittliche Preis. Zudem dient ein Tarifdschungel stets auch dem Ziel, den Umsatz zu erhöhen. Transparenz ist nicht erwünscht. Das nährt die Vermutung, dass der Dschungel mehr dem Unternehmen als seinen Kunden dient. Aus anderen Branchen, etwa dem Mobilfunk, ist diese Taktik ja bestens bekannt.