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Kommentar zur Tarifeinigung bei der Bahn: Vernünftiger Abschluss

Kommentar zur Tarifeinigung bei der Bahn : Vernünftiger Abschluss

Die Bahn und ihre Mitarbeiter können sich nun auf ihre wesentliche Aufgabe konzentrieren: Für mehr Pünktlichkeit sorgen und Chaos in Zügen und an Bahnhöfen zu verhindern, findet unser Autor.

Dieser Tarifvertrag ist aus mehreren Gründen mit der kühlen Nadel der Vernunft gestrickt. Zuallererst: Eine weitere Eskalation hätte niemandem geholfen aber viel Schaden angerichtet. Und vermutlich keine substanziellen Veränderungen gebracht. Die Bahn und ihre Mitarbeiter können sich nun auf ihre wesentliche Aufgabe konzentrieren: Für mehr Pünktlichkeit sorgen und Chaos in Zügen und an Bahnhöfen zu verhindern. Die großen Aufgaben verlangen sogar noch mehr Konzentration: Investitionen an den richtigen Stellen und die Digitalisierung des Bahnbetriebes.

Nun könnte man einwenden: Gerade wenn man diese Investitionen stemmen will, ist ein Abschluss von gut sechs Prozent reichlich unbescheiden. Das ist er aus mindestens zwei Gründen nicht. Erstens gleichen solche Abschlüsse Jahre aus, in denen mit dem Argument einer schleppenden Konjunktur Gehälter wenig oder gar nicht gestiegen sind. In Folge von Inflation leert, sich die Lohntüte in diesen Zeiten schleichend. Wann, wenn nicht in konjunkturellen Hochzeiten, sollen Beschäftigte sonst vom allgemeinen Wirtschaftswachstum profitieren?

Zweitens aber fehlt es der Bahn in vielen Bereichen – und gerade bei den Lokführern – an Personal. Ohne attraktive Gehälter wird es schwer, diese Stellen zu besetzen. Deswegen ist ein weiterer vernünftiger Baustein des Tarifvertrages die Einigung auf eine Image-Kampagne für den Bahnberuf.

Und schließlich ist auch die vergleichsweise lange Laufzeit des Tarifvertrages aus Sicht von Bahnreisenden zu begrüßen: Für rund zweieinhalb Jahre müssen Bahnkunden keine Streiks mehr fürchten.