Spenden an Weihnachten So fällt Ihre Spende nicht in die Hände von Betrügern

Service | Düsseldorf · In der Weihnachtszeit wollen viele Menschen Gutes tun. Wie unterscheidet man seriöse Sammler von Betrügern – und was ist erlaubt? So viel ist klar: Zeitdruck und mitleiderregende Bilder sind nicht vertrauenerweckend.

 Wer nicht sicher ist, ob es sich bei den Spendensammlern um Betrüger handelt, kann einen Blick in den Jahresbericht werfen.

Wer nicht sicher ist, ob es sich bei den Spendensammlern um Betrüger handelt, kann einen Blick in den Jahresbericht werfen.

Foto: dpa-tmn/Caroline SeidSeidel-Dißmannel

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland laut dem Deutschen Spendenrat private Geldspenden in Höhe von 5,67 Milliarden Euro gesammelt. Drei von vier Spenden waren für humanitäre Hilfen gedacht, rund sieben Prozent für den Tierschutz, etwa drei Prozent für Umwelt- und Naturschutz. Doch was ist beim Spenden zu beachten, damit das Geld auch wirklich ankommt, wo es ankommen soll?

Was ist erlaubt? Haus- und Straßensammlungen sind in NRW laut dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) erlaubnisfrei. Eine förmliche Genehmigung braucht es nur dann, wenn ein fester Informationsstand aufgebaut wird. „Das Werben auf der Straße und an der Haustür hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des DZI. Bei den Werbenden handelt es sich laut Wilke in der Regel um bezahlte Angestellte einer Werbeagentur; ehrenamtliche Mitarbeiter eines Hilfswerks sind es laut Wilke dagegen eher selten. „Wichtig ist vor allem, dass Angesprochene ein Werbegespräch an der Haustür oder auf der Straße sofort abbrechen, wenn sie sich unangemessen unter Druck gesetzt fühlen“, sagt Wilke. Generell rät die Verbraucherzentrale NRW bei Spendenaufrufen auf der Straße dazu, lieber erst mal abzuwinken und sich in Ruhe über die jeweilige Organisation zu informieren.

Wie erkennt man seriöse Organisationen? Wer nicht sicher ist, ob es sich um Betrüger handelt, kann einen Blick in den Jahresbericht werfen. „Wer seriös agiert, offenbart in seinem Geschäftsbericht, wofür das Geld aus Spenden oder Mitgliedsbeiträgen ausgegeben wird“, so die Verbraucherzentrale NRW. Laut dem DZI ist es vertretbar, wenn ein Hilfswerk bis zu 30 Prozent der Gesamtausgaben für Verwaltung und Werbung ausgibt – mehr sollte es nicht sein. Ein Alarmsignal für unseriöse Organisationen sei die Art der Werbung: „Emotionsgeladene Texte und mitleiderregende Fotos sind Kennzeichen unseriöser Werbung“, so die Verbraucherzentrale NRW. Wichtiger seien Daten und Fakten.

Welche Spendensiegel gibt es? Siegel können bei der Orientierung helfen. Aktuell sind in Deutschland 230 Organisationen mit dem DZI-Spendensiegel gekennzeichnet. Geprüft werden jährlich Hilfswerke, die seit mindestens zwei Jahren aktiv sind und mehr als 25.000 Euro Gesamteinnahmen pro Jahr haben. „Kleinere Organisationen können dies oft nicht leisten. Wenn ein Verein in der DZI-Liste fehlt, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass er unseriös ist. Trägt ein Spendenaufruf den DZI-Sternenkranz, ist hingegen garantiert, dass die Organisation eindeutig und sachlich wirbt, sparsam wirtschaftet und nachprüfbar ausweist, wie das Geld der Spender verwendet wird“, so die Verbraucherzentrale. Ein weiteres Spendenzertifikat vergibt der Deutsche Spendenrat an seine Mitglieder. Diese werden alle drei Jahre geprüft.

Seriöser Spendenaufruf per E-Mail oder Phishing-Betrug? Vorsicht ist bei Spendenaufrufen geboten, die per E-Mail ins Postfach flattern. „Cybercrime hat viele Facetten, und eine davon ist mit Sicherheit der Aufruf zu fingierten Spendenaktionen“, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. Solche Nachrichten würden gern nach Katastrophen oder vor Weihnachten verschickt. Laut Burkhard Wilke kommen Spam-Mails im Zusammenhang mit Spendenbitten „eher selten“ vor. Immer wieder gebe es jedoch Spendenaufrufe zugunsten einzelner Personen, die angeblich dringend Hilfe benötigen. „Hier ist es für Außenstehende sehr schwer zu beurteilen, ob es um jemanden geht, der tatsächlich Hilfe benötigt, oder ob es ein Betrugsversuch ist“, so der DZI-Geschäftsführer.

Wie seriös sind Crowdfunding-Plattformen? Vergleichbar mit einer Spende ist auch das sogenannte Crowdfunding. Auf Onlineportalen wie Gofundme, Betterplace.org oder Helpdirect können Privatpersonen und Organisationen einen Spendenaufruf starten. Auch hier gibt es laut Scherfling das Risiko, „an Kriminelle zu geraten“. Wilke kritisiert, dass manche Plattformen wie Gofundme gewinnorientierte Unternehmen sind. Bei privaten Spendenaufrufen rät er zudem generell zur Vorsicht. „Privaten Spendenaufrufen sollte man auf diesen Plattformen nach unserer Einschätzung nur dann trauen, wenn man die Person, die hinter dem Aufruf steckt, persönlich kennt und ihr vertraut“, so Wilke. Eine Untersuchung des DZI zusammen mit Stiftung Warentest zeigte, dass keine Plattform eine erkennbare qualitative Vorauswahl der Spendengesuche trifft.

Wo kann man wenig falsch machen? Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich beim Spenden für bekannte Organisationen wie Unicef, Kinderschutzbund, Caritas oder Plan International entscheiden. Da wissen die meisten Menschen, wofür ihr Geld genutzt wird.

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