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Zweifel an Metros Konkurrenzfähigkeit: Vorstandschef Olaf Koch hinterlässt einige Baustellen

Zweifel an Metros Konkurrenzfähigkeit : Vorstandschef Olaf Koch hinterlässt einige Baustellen

Der Aufsichtsrat des Metro-Konzerns stimmt dem überraschenden Rückzug von Vorstandschef Olaf Koch zu. Der hat zwar auch einige Erfolge zu verbuchen, aber die Aktionäre freuen sich nicht.

Der Aufsichtsrat des Metro-Konzerns hat der Aufhebung des Vertrages des amtierenden Vorstandschefs Olaf Koch zum Jahresende zugestimmt. Koch hatte am Freitag bekannt gegeben, auf eigenen Wunsch das Unternehmen verlassen zu wollen. Der Abgang mag verwundern.

Denn noch vor wenigen Monaten beteuerte Koch, mit allen seinen Maßnahmen in dem Unternehmen auf gutem Kurs zu sein. „Wir haben im vergangenen Jahr die Dynamik im Wachstum im Großhandel deutlich beschleunigen können“, sagte Koch im Februar auf der Hauptversammlung des Konzerns. „Wir sind bei der Digitalisierung enorm vorangekommen. Und es ist uns gelungen, mit Metro Markets eine Plattform aufzubauen, die ihresgleichen sucht. Alles in allem sind das Faktoren, die deutlich machen, dass unser Weg zum Großhandel deutliche Fortschritte erzielt.“

Richtung Großhändler

Seit 2012 führt Koch den Metro-Konzern als Vorstandschef – unter seiner Ägide vor allem in eine Richtung: Zu einem reinen Großhändler. Im Zuge dieser Umstrukturierungen hatte Koch die Warenhauskette Kaufhof aus dem Konzern gelöst und verkauft; die Elektronikketten Mediamarkt-Saturn ausgegliedert und mit der Holding Ceconomy an die Börse gebracht. Zuletzt schließlich hatte er die Real-Supermärkte an eine russische Investorengruppe verkauft und sich vom Unternehmensteil in China getrennt. „Kochs Hauptverdienst ist, dass er die Metro wieder ganz konsequent auf den Großhandel ausgerichtet hat“, sagt Stefan Riße vom Vermögensverwalter Acatis.

Metro konzentriert sich nun also wieder auf Unternehmenskunden aus dem Lebensmitteleinzelhandel – wie beispielsweise Bäckereien, Metzgereien oder andere Lebensmittelhändler. Zum anderen auf die Gastronomie, also Restaurant- und Hotelbetreiber.

Es fehlt an einer Lieferstrategie

Allerdings glaubt Riße, dass die Metro trotz der vielen Sanierungsschritte gerade hier noch einiges aufzuholen habe. „Was Koch nicht konsequent und schnell genug umgesetzt hat, ist eine wirkliche Lieferstrategie. Die Metro ist nach wie vor viel zu abhängig davon, dass die Leute in die Märkte fahren. Andere Großhändler sind da bereits viel weiter.“

Die Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit der Metro lassen sich am Aktienkurs ablesen. Denn während sich die Papiere der meisten anderen Unternehmen wieder deutlich von ihrem Corona-Tief im März erholt haben, hat sich der Kurs der Metro-Aktien eher seitwärts bewegt.

Richtungsstreit zwischen Großaktionären

Dazu mag auch éin Richtungsstreit zwischen Großaktionären beigetragen haben. Denn einer von drei Großinvestoren der Metro – die Holding EPGC des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky – wollte den Düsseldorfer Handelsriesen im vergangenen Jahr schlucken. Dagegen stellten sich aber die anderen beiden Großaktionäre, Beisheim und Meridian. „Insgesamt haben die Aktionäre mit der Metro kein gutes Geschäft gemacht. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, man hätte das Angebot angenommen. Dann gäbe es nur noch einen, der das Sagen dort hat – und den Konzern konsequent ausrichtet: auf Digitalisierung im Großhandel“, sagte Riße. Auf den Nachfolger von Olaf Koch wartet nun also die Aufgabe, den Großhandelsspezialisten so auszurichten und zu modernisieren, dass er gegen andere Großhändler in Zukunft bestehen kann.