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Weihnachtsgeschäft: Die Deutschen bleiben spendabel

Konsum : Weihnachtsgeschäft: Die Deutschen bleiben spendabel

Die Konjunktur trübt sich ein, aber das wirkt sich bislang nicht auf den Konsum aus. Im Durchschnitt will jeder Verbraucher dieses Jahr 281 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben, das ist nur ein bisschen weniger als im Vorjahr.

Die Wirtschaft läuft nicht mehr ganz rund, aber dennoch wollen die Deutschen an Weihnachten kaum sparen. 281 Euro will jeder Bürger in Deutschland in diesem Jahr für Geschenke ausgeben, das ist nur ein Euro weniger als 2018. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Beratungsgesellschaft EY. Damit planen die Deutschen insgesamt 18,4 Milliarden Euro an Ausgaben für Geschenke.

Der Branchenverband HDE rechnet laut eigener Umfrage, die er vor wenigen Tagen veröffentlichte, sogar mit 20,5 Milliarden Euro, die die Verbraucher in diesem Jahr für Geschenke verwenden – sei es im Handel oder im Internet. Dieses Geld wollen sie, so die EY-Erhebung, vorwiegend im Fachhandel ausgeben, mit 92 Euro einen Euro mehr als 2018, während sie online mit 83 Euro für fünf Euro weniger einkaufen wollen als im vergangenen Jahr. Denn dort werden häufig Events, Veranstaltungen und Reisen gebucht, Geschenke, die offenbar dieses Jahr etwas weniger beliebt sind als in den Vorjahren.

Der Einzelhandel könne sich wieder auf ein starkes Weihnachtsgeschäft freuen, glaubt Thomas Harms von EY: „Die Wirtschaftsflaute ist für die meisten Verbraucher noch kaum spürbar, die Löhne sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, und angesichts niedriger Zinsen lohnt sich das Sparen nicht.“ Deshalb blieben die Deutschen vorläufig in Kauflaune: „Wenn nun auch noch das Wetter mitspielt, dürfte es ein frohes Fest für den Einzelhandel geben.“ Der Branchenverband HDE rechnet für den November und Dezember insgesamt mit einem Umsatz von zusammen 102 Milliarden Euro, damit wäre die Grenze von 100 Milliarden Euro erstmals geknackt.

An den Vorlieben hat sich indes wenig geändert: Auf dem ersten Rang stehen weiter Gutscheine und Geldgeschenke – die wollen 56 Prozent der Bürger unter den Weihnachtsbaum legen und dafür im Schnitt 69 Euro ausgeben. Der Trend zu Gutscheinen freut auch den Handel. Denn so sind die Geschäfte auch nach Weihnachten voll – und erfahrungsgemäß werden, so EY, viele Gutscheine gar nicht eingelöst, ein lukratives Geschäft also für die Händler. Kleidung wollen aber nur noch 32 statt wie im Vorjahr 36 Prozent der Verbraucher verschenken und dafür mit 20 Euro einen Euro weniger einplanen als 2018. Mit im Schnitt 16 Euro wollen die Deutschen aber für Lebensmittel und Süßwaren fünf Euro mehr als im Vorjahr ausgeben, vier von zehn Verbrauchern wollen Spielsachen verschenken und planen dafür ein Budget von 29 Euro ein. Im Vorjahr waren es im Schnitt noch 23 Euro.

Der stationäre Handel punktet gegenüber dem Onlinegeschäft gerade an Weihnachten: „Zu dieser Zeit steht für viele Menschen immer noch das Einkaufserlebnis und ein stimmungsvoller Rahmen im Vordergrund“, hat EY-Experte Harms beobachtet. Für 58 Prozent der Verbraucher sei das vorweihnachtliche Shopping-Erlebnis wichtig – mit steigender Tendenz. Dabei spielten Weihnachtsmärkte eine besondere Rolle. Nur 17 Prozent der Verbraucher kaufen nämlich vorzugsweise online.

In Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis wird das Weihnachstgeschäft wohl erst am letzten Freitag im November anlaufen – davon geht zumindest Jannis Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Bonn Rhein-Sieg Euskirchen, aus. Dann nämlich findet erneut der „Black Friday“ statt: „Das wird sich für den Vorweihnachtskauf noch lohnen. Das ist für Verbraucher ein sehr interessantes Angebot“, sagte Vassiliou auf Anfrage des GA. Bereits das vergangene Wochenende sei ein guter Vorbote für das kommende Weihnachtsgeschäft gewesen. „Der Handel war sehr stark, die großen Häuser waren sehr zufrieden“, so Vassiliou. Der verkaufsoffene Sonntag habe sich für die Händler gelohnt: „Das war ein gewisser Leuchtturm für den Herbst.“ Doch wie das Weihnachtsgeschäft als solches laufen werde, könne man noch nicht genau sagen, sagt er. Beliebte Geschenke seien weiterhin Elektro-Artikel, dicht gefolgt von Parfümeriewaren. Neben dem „Black Friday“ wird es im Dezember noch einen verkaufsoffenen Sonntag in Bonn geben. „Ich bin mir sicher, dass der Handel dort noch eine ziemliche Anstrengung machen wird“, sagte Vassiliou. An solchen Aktionstagen würden die Händler den Kunden auch vermitteln wollen, dass der Onlinehandel Nachteile habe. Die Weihnachtsatmosphäre können Kunden nur beim Offline-Shopping erleben. Außerdem fehle beim Onlinehandel die Beratung. „Es ist einfach ein anderes Gefühl“, so Vassiliou.