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Wohnraum: Vonovia will Deutsche Wohnen aufkaufen

Bezahlbarer Wohnraum : Mieterbund kritisiert Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen

Die beiden größten deutschen Wohnimmobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen stehen vor einem Zusammenschluss. Doch die Skepsis beim Mieterbund ist groß.

Vonovia startet einen neuen Anlauf für die Übernahme von Deutsche Wohnen. Damit würde Europas größter Wohnungskonzern entstehen. Allein hierzulande befinden sich rund eine halbe Million Wohnungen im Besitz beider Konzerne. „Wir werden unsere Größe nutzen, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden“, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch am Dienstag. Um die Deutsche Wohnen zu schlucken lässt sich Vonovia diesen Vorsatz rund 18 Milliarden Euro kosten.

Liest man die Presseverlautbarung der beiden Börsenkonzerne, handelt es sich quasi um eine Sozialmaßnahme für bezahlbares Wohnen und Klimaschutz in einem. So werben beide Unternehmen etwa damit, der Politik „konkrete Lösungsansätze für den angespannten Mietmarkt in der Bundeshauptstadt“ anzubieten. Der „Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen“ sieht für Wohnungen in Berlin Mietpreiserhöhungen von höchstens einem Prozent in den kommenden drei Jahren vor. In den zwei darauf folgenden Jahren sollen höhere Mieten auf den Inflationsausgleich begrenzt sein. Gleichzeitig sollen Belastungen für Mieter und Mieterinnen durch energetische Wohnungsmodernisierungen gering ausfallen. Zudem wollen beide Konzerne rund 20 000 Wohnungen an die Stadt Berlin verkaufen.

Einsparungen in Höhe von 105 Millionen Euro

2015 hatte Vonovia bereits den zweiten Versuch gestartet, die Deutsche Wohnen zu übernehmen. Seinerzeit hatte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn seine Aktionäre noch vor dem „wertvernichtenden“ Zusammenschluss gewarnt. Inzwischen hat sich der Wind offenbar gedreht: „Das Marktumfeld ist für Vonovia und Deutsche Wohnen in den vergangenen Jahren immer ähnlicher geworden. Jetzt ist der richtige Moment, die erwiesene Leistungsfähigkeit und Stärken beider Unternehmen zu vereinen“, sagt Zahn nun. Wirtschaftlich versprechen sich beide Börsenkonzerne Einsparungen in Höhe von 105 Millionen Euro. Immerhin schließen sie nach den Plänen betriebsbedingte Kündigungen bis 2023 aus.

Der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD), begrüßte den geplanten Zusammenschluss. Die Zusage nur begrenzter Mieterhöhungen und das Angebot des Verkaufs der 20 000 Wohnungen an Berlin seien von „herausragender Bedeutung“.

Mieterschützer freuen sich nicht

Der Deutsche Mieterbund sieht ebenfalls die Bedeutung der geplanten Fusion. Nur freuen wollen sich die Mieterschützer nicht. Denn die Begrenzung von Mieterhöhungen für fünf Jahre sei eine Selbstverständlichkeit, die den Dax-Konzernen kaum etwas abverlangten. „Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass beide Unternehmen aufgrund der zuletzt sehr starken Mieter:innenproteste gegen ihre Geschäftspraktiken die verbale Flucht nach vorne antreten“, so Mieterbundpräsident Lukas Siebenkotten. „Auch dass nur von der Begrenzung der Berliner Bestandsmieten die Rede ist, spricht dafür, dass hier vor allem der Versuch unternommen wird, der erfolgversprechenden Berliner Vergesellschaftungsinitative den Wind aus den Segeln zu nehmen.“

Auch der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sieht einen Zusammenschluss kritisch: „Eine Fusion der beiden größten privaten Immobilienkonzerne Deutschlands ist problematisch, da es dadurch weniger Wettbewerb geben dürfte und die Marktmacht des neuen Konzerns noch stärker wird.“ Die Fusion muss in der Tat noch vom Bundeskartellamt geprüft werden.