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Kommentar zum Handelskonflikt USA/China: Zweifel bleiben

Kommentar zum Handelskonflikt USA/China : Zweifel bleiben

Verhandeln ist besser als jegliche Form der Eskalation im Handelsstreit zwischen der USA und China, meint unser Autor. Dass der ausgehandelte Waffenstillstand zum Erfolg führen wird, bezweifelt er.

Jeder Schritt, der die Dynamik des aufkeimenden Handelsstreits der Großmächte Amerika und China durchbricht, ist besser als die Fortsetzung der Eskalation. Vorausgesetzt, er atmet nicht den Geist einer Verlegenheitslösung, in der bereits die Saat für den nächsten Mega-Krach angelegt ist.

Im Fall des Waffenstillstands, den Donald Trump und Xi Jinping bei Steak und argentinischem Rotwein in Buenos Aires vereinbart haben, liegen die Zweifel an der Nachhaltigkeit des vorübergehenden Verzichts noch höherer US-Zölle auf chinesische Waren auf der Hand. Industriespionage, Technologiediebstahl, gegängelte US-Unternehmen in China und Pekings marktverzerrende, staatliche Subventionierung von Schlüsselindustrien: Binnen 90 Tagen den Sündenkatalog abzuarbeiten, den die USA China teilweise berechtigt vorhalten, kann niemals funktionieren.

Dass Trump die enge Befristung betont hat, legt den Verdacht nahe, dass es ihm vor allem aus innenpolitischen Erwägungen um die Optik geht. Heimische Landwirte etwa, die nach dem ersten wechselseitigen Strafzoll-Regime einen dramatischen Einbruch bei den Ausfuhren verkraften mussten und allmählich unruhig werden, können kurzfristig wieder mit Sojabohnen-Bestellungen aus dem Riesenreich rechnen. Aber beide Seiten wissen sehr genau, dass es darum im Prinzip gar nicht geht. Trumps Amerika will dem Konkurrenten in Fernost mit aller Macht den Weg zur technologischen und damit geopolitischen Vorherrschaft verbauen. Es geht wie seinerzeit bei der Sowjetunion um „containment“ - Eindämmung. Strafzölle sind nur Blendwerk. Im Mittelpunkt steht eine Kampfansage unter Großmächten.