Umstrittene frühere Bonner Professorin Ulrike Guérot verliert im Kündigungsstreit mit der Uni Bonn

Bonn · Nach mehr als einem Jahr endet der Kündigungsstreit zwischen der umstrittenen Politologin und der Universität Bonn vor dem Arbeitsgericht Bonn mit einer Niederlage Ulrike Guérots: Das Gericht bestätigte ihre Entlassung durch die Hochschule.

 Im Arbeitsgericht Bonn: Ulrike Guérot hat am Mittwoch im Kündigungsstreit mit der Uni Bonn verloren.

Im Arbeitsgericht Bonn: Ulrike Guérot hat am Mittwoch im Kündigungsstreit mit der Uni Bonn verloren.

Foto: Benjamin Westhoff

Nach wiederholter Vertagung auf Wunsch beider Parteien ging es in der Verhandlung am Mittwoch um die Streitfrage, ob angebliche Plagiate in mehreren Veröffentlichungen ein triftiger Kündigungsgrund sind. Dabei handelt es sich namentlich um Bücher Guérots zur Europapolitik und zur Corona-Krise. Das Ergebnis nach drei Stunden vor dem Arbeitsgericht Bonn – angesetzt waren ursprünglich anderthalb: Die Klage Guérots gegen ihre Kündigung durch die Uni Bonn wurde abgewiesen. Das Gericht bestätigte die Entlassung Guérots durch die Hochschule.

Nach Auffassung des Gerichts lag eine Pflichtverletzung im Bewerbungsverfahren vor, weil Guérot bei der Bewerbung um die Stelle der Professorin für Europapolitik an der Uni Bonn Schriften mit Plagiaten vorgelegt hatte. Das war laut Gericht ein Täuschungsversuch.

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Kündigungsstreit zwischen Ulrike Guérot und Uni Bonn

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Vor der Kündigung war wegen des schwerwiegenden Fehlverhaltens ausnahmsweise keine Abmahnung nötig. Ulrike Guérot kann gegen das Urteil noch in Berufung gehen.

Die zu Ende März 2023 nach anderthalb Dienstjahren entlassene Klägerin erschien persönlich vor Gericht – wie alle Prozessteilnehmer im dunklen Anzug. Sie selbst äußerte sich nur einmal kurz und wunderte sich, dass die Kritik an ihren Publikationen erst Jahre später öffentlich wurde.

Die Sache landete beim Arbeitsgericht, weil Guérot bei ihrer Ernennung mit Mitte Fünfzig zu alt für eine Verbeamtung war und deshalb Angestellte wurde. Wäre sie Beamtin gewesen, hätte ihr bei Fehlverhalten statt der Kündigung ein Disziplinarverfahren gedroht, nach dem Beispiel ähnlicher Plagiatsfälle mit einem „Verweis“ in der Personalakte.

Fehlverhalten bei für die Berufung relevanten Texten sei Anstellungsbetrug, sagte die Uni

Die Uni sah in den beanstandeten Plagiaten ein schwerwiegendes wissenschaftliches und damit dienstliches Fehlverhalten. Sie bezieht sich auch auf einen Text, der angeblich auch „für die Berufung von Relevanz“ war, also den Tatbestand eines Anstellungsbetrugs erfüllte. Ein Mitglied der damaligen Berufungskommission erklärt gegenüber dem GA, dass es bei der Lektüre „Irritationen“ gegeben habe, die aber „ausgeräumt“ werden konnten. Wie ein Tatbestand zu bewerten ist, ist offenbar eine Frage, die sich im Auge des Betrachters entscheidet – diesmal zuungunsten von Ulrike Guérot.

Die Gerichtsverhandlung am Mittwoch zog Dutzende Unterstützer und Unterstützerinnen der Autorin an. Vor dem Arbeitsgericht forderten sie auf Transparenten Wissenschaftsfreiheit. Das Urteil wurde von ihnen mit Missbilligung aufgenommen.

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