Neues Weltraumteleskop „Euclid“ Die dunklen Geheimnisse des Alls

Bonn · Das Weltraumteleskop „Euclid“ soll Dunkle Materie und Dunkle Energie erforschen. Auch Astronomen der Uni Bonn sind an dem Großprojekt beteiligt.

Der letzte irdische Blick auf „Euclid“: Das Teleskop unmittelbar vor dem Einbau in den Nutzlastträger der Rakete (rechts).

Der letzte irdische Blick auf „Euclid“: Das Teleskop unmittelbar vor dem Einbau in den Nutzlastträger der Rakete (rechts).

Foto: SpaceX

Dunkle Materie, dunkle Energie – noch immer gibt es viele für die Forschung rätselhafte Dinge im Kosmos. Sie im Wortsinn besser zu durchschauen, soll in den kommenden Jahren das Weltraumteleskop „Euclid“ der Europäischen Weltraumagentur Esa helfen: Kürzlich ist es an Bord einer Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX ins All gestartet.

Zwischen Erde und Sonne soll es am „Lagrange-Punkt 2“ parken und von dort aus mehr als ein Drittel des gesamten Himmels beobachten. Beteiligt an dem internationalen Vorhaben ist auch die Universität Bonn, mit ihrem Argelander-Institut für Astronomie (AIfA).

Das Teleskop soll erstmals systematisch den Einfluss von dunkler Materie und dunkler Energie auf die Entwicklung und Struktur des Alls untersuchen. Nach derzeitiger Annahme bestimmt die dunkle Materie die Gravitationswirkung zwischen und innerhalb von Galaxien und hat zunächst für eine Abbremsung der Ausdehnung des Weltalls gesorgt. Die dunkle Energie hingegen soll für die beschleunigte Expansion des Universums verantwortlich sein. Wie und warum das alles funktioniert, ist aber noch immer nicht genau verstanden.

„Wir erwarten eine große Zahl von bahnbrechenden Publikationen“

Hunderte von Wissenschaftler(inne)n aus 17 Ländern arbeiten für „Euclid“ zusammen. Auf deutscher Seite beteiligt sind außer der Universität Bonn das Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie, das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, die Ludwig-Maximilians-Universität in München, die Deutsche Raumfahrtagentur sowie die Ruhr-Universität Bochum.

Von der Uni Bonn kamen wichtige Softwarepakete zur Datenanalyse; am Rhein ist zudem das „Euclid Publication Office“ angesiedelt, das die Veröffentlichungen des Konsortiums koordiniert. „Wir erwarten eine sehr große Zahl von bahnbrechenden Publikationen, nicht nur in der Kosmologie, sondern in nahezu allen Forschungsbereichen der Astrophysik“, sagt der Bonner Astronom Professor Peter Schneider.

Das AIfA ist darüber mit rund 20 Forschenden an der Auswertung der Ergebnisse beteiligt. „Die extrem genaue Vermessung der Form von knapp zwei Milliarden weit entfernten Galaxienbildern ist eine notwendige Voraussetzung für den wissenschaftlichen Erfolg von Euclid“, sagt zum Beispiel Ole Marggraf. Und Reiko Nakajima freut sich auf die kommende Ausbeute für die Wissenschaft: „Noch nie wurden astronomische Bilder mit einer so großen Kamera im Weltall aufgenommen.“