Ein Leuchtturm der Wissenschaft : Das Bonner DLR koordiniert Forschung und Projekte

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt verwaltet als Projektträger Forschungsprojekte europaweit

Für gute Forschung benötigt man herausragende Wissenschaftler, ein entsprechendes Budget – und eine zuverlässige Administration. Letzteres bietet zum Beispiel das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das seit über 40 Jahren nicht mehr nur als ingenieurwissenschaftliches Forschungszentrum, sondern auch als einer der größten Projektträger der Bundesrepublik agiert.

Im Auftrag von Bundes- und Landesministerien, Stiftungen und Instituten konzipert und koordiniert es Förderprogramme. Dabei ist das DLR in dieser Funktion nicht nur auf jene Bereiche beschränkt, die es im Namen trägt, also Luft- und Raumfahrt.

Vielmehr bedient der „DLR Projektträger“ (DLR PT) ein breites Themenspektrum, das von Schlüsseltechnologien über Umwelt, Bildung, Europa, Gesellschaft, Gesundheit bis hin zu Geisteswissenschaften alles abdeckt.

Gerade in Krisenzeiten soll alles möglichst schnell gehen

Aktuell verwaltet der in Bonn ansässige Arm des DLR auch einen Teil der EU-Gelder zur Bekämpfung der Corona-Krise – und das 750-Millionen-Euro-Sonderprogramm zur Beschleunigung von Forschung und Entwicklung dringend benötigter Impfstoffe.

Gerade in Krisenzeiten ist diese Aufgabe immens. Immerhin soll jetzt alles schnell gehen, der Impfstoff nach Möglichkeit schon morgen vorliegen. Das setzt unter anderem auch die Projektmanager unter Druck.

„Wir haben die Bearbeitungszeiten zwischen Förderbekanntmachung und Bewilligung drastisch verkürzt“, erläutert Marlies Dorlöchter, Abteilungsleiterin im Bereich Gesundheit beim PT. „Das ist aber nur möglich, weil wir einige Verfahren vereinfacht, unsere Kräfte gebündelt und wir die Zahl der Mitarbeitenden in meiner Abteilung vervierfacht haben.“

Sorgfältige Prüfung: „Wir wollen nur exzellente Leistung fördern“

Auch gab es externe Unterstützung: Fachzeitschriften halfen dabei, Kontakte zu Experten und Gutachtern herzustellen. Immerhin muss jeder Antrag sorgfältig geprüft werden. „Wir wollen mit dem uns anvertrauten Geld auch nur exzellente Leistung fördern“, so Dorlöchter.

Gleichzeitig unterstützt der DLR Projektträger den Wissenstransfer, indem er beispielsweise dafür sorgt, dass Grundlagenforschung und klinische Forschung verknüpft werden. „Wir müssen dabei darauf achten, dass höchste Anforderungen sowohl an wissenschaftliche als auch an ethische Belange gestellt und eingehalten werden“, erklärt Dorlöchter.

Obwohl Deutschland – wie viele andere Staaten auch – derzeit massiv nationale Strategien fördert, ist doch Wissenschaft ohne internationalen Kontext häufig undenkbar. „Wir haben etwa 10 000 Projekte pro Jahr im Projektträger, davon hat jedes zehnte eine europäische Dimension, und die Tendenz ist steigend“, erklärt Wilfried Diekmann, DLR-PT-Abteilungsleiter im Bereich europäische und internationale Zusammenarbeit und zuständig für das Forschungsrahmenprogramm der EU.

„Grenzüberschreitende Zusammenarbeit schützt und bewahrt Leben“

„Das ist auch wichtig, damit die Forschungsakteure in Europa stärker mit einer Stimme in der Welt sprechen und der Europäische Forschungsraum global sichtbar wird. Die Herausforderung für uns ist es, die Förderprogramme und -organisationen der einzelnen Staaten zusammenzubringen, damit wir gemeinsam agieren können.“

Es gehe auch gar nicht anders, fügt Dorlöchter hinzu. „Kein einziges Labor hat alle Geräte verfügbar, die man für spezifische Vorhaben benötigt, und auch bei wissenschaftlichen Methoden und Techniken ist eine Kooperation immer sinnvoll.“

Als Beispiel nennt sie die Erforschung der „Seltenen Erkrankungen“, bei denen die wenigen Patienten meist über mehrere Länder verteilt sind. Ohne die Betroffenen gemeinsam betrachten zu können, wüssten die Mediziner über die Krankheiten, deren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten viel zu wenig.

„Grenzüberschreitende Zusammenarbeit schützt und bewahrt Leben. Auch die Corona-Krise werden wir nur gemeinsam bewältigen können“, ist Dorlöchter sicher. „Zum Glück hat der zwischenzeitliche Lockdown den internationalen Austausch nicht gestoppt – ganz im Gegenteil.“