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Ausstellung im Universitätsmuseum: Die Region als gemeinsame Aufgabe

Ausstellung im Universitätsmuseum : Die Region als gemeinsame Aufgabe

Eine Ausstellung im Universitätsmuseum widmet sich dem Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande. Es existiert nicht mehr, seine drei Abteilungen aber schon – und auch die gemeinsame Aufgabe bleibt.

Da sitzt eine Frau mit blonder Hochsteckfrisur mutterseelenallein im Bonner Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande (IGL) und notiert sich konzentriert am Telefon Adressen. Es tobt der Zweite Weltkrieg. Und alle wehrfähigen Professoren, Assistenten und Doktoranden sind in den Kampf geschickt worden.

Einer von ihnen in Wehrmachtsuniform (so zeigt es die Gouache der Illustratorin Anna Thinius bei der aktuellen Jubiläumsausstellung des Instituts im Universitätsmuseum) hat gerade Feldpost von der Kollegin bekommen. Sie hält in den Kriegsjahren im Institut den Lehr- und Publikationsbetrieb aufrecht und lässt parallel dazu den Kontakt zu den Soldaten nicht abreißen.

Die Gezeigte ist die Historikerin Edith Ennen (1907-1999). Sie wird 1947 die erste wissenschaftliche Archivarin der Stadt Bonn werden und später erste Lehrstuhlinhaberin der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn – eine wichtige Frau für Bonns Wissenschaft.

Die Gouachen von Thinius „bringen Farbe in die Ausstellung und geben Szenen wieder, von denen wir keine Bilder haben“, erklärt Thomas Becker, Direktor des Bonner Universitätsmuseums, zum Projekt. Die von Philipp Gatzen kuratierte Ausstellung ist dem 100. Gründungstag des IGL gewidmet.

Sie spannt mit Archivalien wie den Feldpostbriefen der Weltkriegssoldaten an Ennen, mit Fotografien aus dem Bestand des Universitätsarchivs sowie mit den Bildern von Thinius in acht Stationen einen Jahrhundert-Bogen: von der Gründung des Instituts im Jahre 1920 über seine Existenz während der NS-Zeit sowie die großen Veränderungen in den Nachkriegsjahrzehnten bis hin zur Auflösung und zu den heutigen Abteilungen. Die Ausstellung ist noch während des gesamten Wintersemesters (mit einer „Weihnachtspause“) bis Februar zu sehen.

Die Schau war zum 100. Geburtstag geplant, dann kam Corona dazwischen

„Eigentlich hätte sie vor einem Jahr starten sollen, aber durch Corona mussten wir sie verschieben. Also begehen wir mit dieser Ausstellung genau genommen den 101. Geburtstag“, so Thomas Becker. Das Institut gebe es ja heute als eigenständige Einheit nicht mehr, weil die Bologna-Reform die Philosophische Fakultät gezwungen habe, ihre vielen kleinen Institute und Seminare in größeren Einheiten zusammenzufassen.

„Aber die drei Abteilungen, die als interdisziplinär arbeitende Abteilungen im alten Institut zusammengefasst waren, existieren immer noch, nur dass sie heute zu drei verschiedenen Instituten gehören, auch wenn sie noch im selben Haus untergebracht sind“, berichtet Becker. Die Landesgeschichte wurde Teil des Instituts für Geschichtswissenschaft, die Sprachforschung Teil der Germanistik, und die Volkskunde wurde aufgelöst und erstand als Kulturanthropologie wieder.

Ein Charakteristikum des Instituts war übrigens die interdisziplinäre Zusammenarbeit, wie es die Ausstellung zeigt. Die Wissenschaftler sollten sich der Analyse des Rheinlands widmen und dazu disziplinübergreifend alle erreichbaren Quellen nutzen.

„Das Institut war eigentlich einmal als Brücke zwischen Universität und regionalgeschichtlich interessierten Personen und Vereinen im Land gedacht“, blickt Becker zurück. Und um diese besondere Rolle bemühe sich noch heute die Abteilung für Frühe Neuzeit und Landesgeschichte.

Öffnungszeiten der Ausstellung „Region als gemeinsame Aufgabe“: mittwochs bis sonntags von 12 bis 16.30 Uhr im Universitätsmuseum Bonn, Regina-Pacis-Weg 1. Der Eintritt ist frei. Achtung: Es gilt die 2 G-Regel!