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Die Deutsch-Ägyptische Gesellschaft Bonn-Kairo: Direkter Draht in die andere Gesellschaft

Die Deutsch-Ägyptische Gesellschaft Bonn-Kairo : Direkter Draht in die andere Gesellschaft

Die Deutsch-Ägyptische Gesellschaft Bonn-Kairo möchte den großen Wissenspool der Länder-Vereine bündeln. Vereine könnten ihre Erkenntnisse Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stellen.

Manche Relikte aus Hauptstadtzeiten haben einen langen Atem. 37 Vereine listet die Bonner Stadtverwaltung auf, die bilaterale Beziehungen zu einem anderen Land pflegen. Mit diesen Länder-Gesellschaften verbunden ist ein Fundus an Kompetenz und Kontakten, der in Deutschland seinesgleichen sucht. „Eine solche Szene hat sich in Berlin nie mehr entwickelt“, sagt Volker Ludwig, der als Vizepräsident die Geschäfte der Deutsch-Ägyptischen Gesellschaft Bonn-Kairo führt.

Die Gesellschaft, die um ihre im Mai verstorbene langjährige Ehrenpräsidentin trauert, die emeritierte Bonner Professorin Charlotte Pawlowitsch-Hussein, sehe sich in der Pflicht, das Gespräch zwischen deutschen und ägyptischen Wissenschaftlern, aber auch Politikern und interessierten Bürgern in Gang zu halten, erklärt Ludwig. In normalen Zeiten lädt sie dazu alle zwei Monate zu Veranstaltungen mit wechselndem Format ein. Dabei kommen immer wieder Forschungsthemen aus der Ägyptologie zur Sprache.

Auch wenn der 1980 gegründete Verein gute Kontakte zur ägyptischen Regierung und zur ägyptischen Botschaft in Deutschland pflegt, sieht er sich keineswegs als deren verlängerter Arm. „Wir stellen unseren Gesprächspartnern kritische Fragen und regen damit den Dialog an”, erklärt Ludwig, der beruflich als Unternehmensberater für Erneuerbare Energien in Nordafrika engagiert ist. Er selbst kam bereits als 18-Jähriger in den Verein, nachdem er als Schüler beim Ägyptischen Kulturinstitut in Bonn einige kostenlose Arabisch-Kurse belegt hatte.

Mit dem direkten Draht ins Land hinein sieht Ludwig die Möglichkeit zum differenzierten Blick auf eine komplexe Gesellschaft. Zwar trügen heute beispielsweise nahezu alle Frauen in Ägypten in der Öffentlichkeit ein Kopftuch. Ein Zeichen eigener Religiosität sei das aber nicht unbedingt. „Viele Jüngere können mit der Religion gar nichts mehr anfangen”, glaubt Ludwig. Die Möglichkeiten zur Abkehr von ihr seien aber begrenzt.

Für die Zeit nach der Pandemie ist Ludwig bestrebt, das Wissen innerhalb der Bonner Länder-Gesellschaften starker zu bündeln. Er wirbt für eine gemeinsame Plattform, auf der die Vereine beispielsweise Ergebnisse von Symposien oder Forschungstagungen gemeinsam öffentlich machen und der Wissenschaft wie Akteuren in der Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stellen können.