40 Jahre Commodore 64 Eine Tagung für den Kultcomputer

Bonn · Der C64 feiert Geburtstag. Medienwissenschaftler der Universität Bonn widmen dem Kultcomputer eine internationale Tagung und laden zum Programmier-Workshop ein.

 Computerarchäologe und Mit-Ausrichter der Tagung, Stefan Höltgen, programmiert auf einem Commodore-64-Heimcomputer.

Computerarchäologe und Mit-Ausrichter der Tagung, Stefan Höltgen, programmiert auf einem Commodore-64-Heimcomputer.

Foto: Volker Lannert

Eine Schönheit war er nicht. Kenner sprachen liebevoll von einem „Brotkasten“. Aber mit dem C64 von Commodore International wurde der Heimcomputer vor vier Jahrzehnten endlich bezahlbar und wohnzimmerfähig. Anfang 1983, und damit ein Jahr nach seiner Vorstellung in Las Vegas, kam er zum Preis von 1495 D-Mark in den deutschen Handel. Schon bald war der C64 auch in Kaufhäusern und sogar Supermärkten erhältlich und sein Preis fiel unter die Hälfte.

Der Arbeitsspeicher von 64.000 Bit (oder 64 KBit) war damals für den Hausgebrauch fast sensationell. Damit ließen sich nicht nur farbige Spiele darstellen, sondern auch viele andere Anwendungen umsetzen. Obwohl auch andere Systeme etwa von Atari oder Apple erhältlich waren, erlebte der C64 einen wahren Höhenflug.

In den elf Jahren seiner Produktion wurden mindestens 17 Millionen Exemplare verkauft. Und weil Commodore die gesamte Produktion von der Chipentwicklung bis zur Gehäusefertigung unter einem Dach hält, brachten andere Hersteller in Osteuropa oder Fernost auch keine günstigen Nachbauten zustande.

PC ohne Datenspeicher

Im Jahr 2024 würden Nutzer über einen PC die Nase rümpfen, der zwar eine eingebaute Tastatur besaß, aber nicht einmal einen Datenspeicher. Der Smartphone-Hersteller Samsung zum Beispiel empfiehlt im Vergleich heutigen Spiele-Anfängern für seine Geräte einen Arbeitsspeicher von mindestens acht Gigabyte. Das entspricht dem Arbeitsspeicher von einer Millionen C64-Rechnern und erlaubt entsprechend schnellere Rechenoperationen und Leistung.

In der Abteilung Medienwissenschaft der Universität Bonn ist man dennoch überzeugt: Die Wirkungen des Kultgeräts auf die Popkultur, die technische Entwicklung und die Informatikdidaktik sind noch heute erkennbar. Eine international besetzte Tagung in englischer Sprache soll deshalb am Freitag und Samstag, 5. und 6. Juli, mit leichter Verzögerung nach dem runden Geburtstag der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Commodore 64 nachspüren. Ort des Geschehens: im Gebäude der Abteilung Medienwissenschaft, Lennéstraße 1 in Bonn, direkt gegenüber vom „Arithmeum”

Lehrstuhlinhaber Professor Jens Schröter hat dazu gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Stefan Höltgen von der privaten SRH Hochschule Heidelberg Experten aus Medienwissenschaft, Informatik, Museologie, Musik- und Kulturwissenschaft sowie Sammler und Hacker historischer Computer nach Bonn eingeladen.

C64: Im Fokus medienwissenschaftlicher Forschung

„Mit dieser Maschine verbreitete sich das Wissen darum, was ein Computer überhaupt ist. Es entwickelte sich eine breite und diverse Computerkultur”, beschreibt Schröter die Bedeutung des C64. Deshalb sei er heute ein wichtiger Gegenstand medienwissenschaftlicher Forschung. Dass die Plattform darüber hinaus immer noch aktuelle Einsatzmöglichkeiten bietet, betont der Spiele-Forscher und Computerarchäologe Stefan Höltgen. Er setzt den C64 in medien- und kulturwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen ein und hat dazu sogar ein C64-Labor in der Bonner Medienwissenschaft aufgebaut. Anhand seiner leicht zugänglichen Architektur ließen sich Grundprinzipien von Hard- und Software in reduzierter Form vermitteln, die auch für heutige PC-Systeme noch Gültigkeit besitzen.

Bei der Tagung wird der Commodore 64 auch als Ikone der Popkultur betrachtet: Vorträge zu seinen Pixel-Grafiken und Chip-Sounds führen vor, welchen Einfluss er auf ästhetische Praktiken hatte und hat, und eine „SID-Chiptunes-Lecture-Performance“ soll ihn am ersten Tagungsabend als Musikinstrument zum Klingen bringen.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos und sowohl online (nur Vorträge) als auch in Präsenz möglich. Am Sonntag, 7. Juli, können Interessierte überdies bei einem Workshop im C64-Labor die Programmierung des C64 lernen. Anmeldung und Programm: ga.de/c64