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Förderung für Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) : Millionen für die Parkinson-Forschung gehen nach Bonn

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen mit Standorten in Bonn und Tübingen erhält drei Millionen US-Dollar an Forschungsförderung. Das Fördergeld wird für Studien über die „Darm-Hirn-Achse“ bei Parkinson genutzt.

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) verbucht einen großen Erfolg. Es erhält drei Millionen US-Dollar an Forschungsförderung von der US-amerikanischen Initiative „Aligning Science Across Parkinson’s“ (ASAP). Das teilte das DZNE an diesem Montag mit.

Das Geld geht zu gleichen Teilen an die DZNE-Standorte in Bonn und Tübingen. Die Wissenschaftler hier und dort wollen untersuchen, in welcher Weise die Darmflora genetische Risikofaktoren für Parkinson beeinflusst und mit der Erkrankung einhergehende Proteinablagerungen fördert. Das Vorhaben gehört zu einem Verbundprojekt mit Partnern aus Großbritannien, Frankreich und Italien. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Mechanismen der Parkinson-Erkrankung besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für die Therapie liefern.

Parkinson ist Erkrankung des Gehirns

Parkinson ist eine Erkrankung des Gehirns, die sich zum Beispiel durch Bewegungsstörungen und andere, schwerwiegende Symptome bemerkbar macht. Auch die Muskelsteifheit, der Rigor, die zu einem vornüber gebeugten Gang mit auffallend kleinen Schritten führt, gehört zu den Hauptsymptomen. Zusätzlich können Gleichgewichtsstörungen, Depressionen, Gelenkschmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeit sowie starkes Schwitzen und Störungen des Magen-Darm-Traktes, der Harnblasenfunktion und Blutdruckregulation auftreten. Auf mikroskopischer Ebene ist die Erkrankung durch die Schädigung bestimmter Nervenzellen gekennzeichnet und davon, dass sich ein Protein namens „Alpha-Synuclein“ als Verklumpung innerhalb der Nervenzellen ansammelt.

Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt; allerdings weiß man, dass manche Genvarianten das Krankheitsrisiko erhöhen können. Mutationen im Gen für das Enzym Glucocerebrosidase (GBA) sind der häufigste bekannte genetische Risikofaktor. Es ist jedoch bemerkenswert, dass nicht alle Menschen, die solche Mutationen aufweisen, auch an Parkinson erkranken. Außerdem kann die Erkrankung bei Personen mit diesen Mutationen in unterschiedlichem Alter auftreten, und die Symptome können mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Folglich werden die Entstehung und der Verlauf der Parkinson-Erkrankung bei Menschen mit GBA-Mutationen von bislang unbekannten Faktoren beeinflusst.

Manche Menschen möglicherweise anfälliger für Parkinson

Immer mehr Befunde deuten auf die Möglichkeit hin, dass das Krankheitsgeschehen rund um das Protein Alpha-Synuclein den Darm betrifft und dass sich diese Pathologie vom Darm zum Gehirn – und umgekehrt – über eine „Darm-Hirn-Achse“ ausbreiten könnte. Diese Wechselbeziehung umfasst sowohl Nervenverbindungen als auch Signalwege, an denen Hormone und das Immunsystem beteiligt sind. Die Gemeinschaft der Mikroorganismen, die den Darm besiedeln – „Darmmikrobiom“ oder auch „Darmflora“ genannt –, könnte Vermutungen zufolge für die Entwicklung der Alpha-Synuclein-Pathologie im Darm und für deren Ausbreitung ins Gehirn eine wichtige Rolle spielen. Infolgedessen und weil die Darmflora von Person zu Person variiert, wären manche Menschen möglicherweise anfälliger für Parkinson und andere weniger.

„Wir wollen untersuchen, wie all diese Puzzleteile zusammenpassen könnten“, sagt Donato Di Monte, Forschungsgruppenleiter und Projekt-Koordinator am DZNE in Bonn. „Unsere Hypothese ist, dass sich das Mikrobiom von Parkinson-Patienten mit einer GBA-Mutation vom Mikrobiom jener Menschen unterscheidet, die die Mutation zwar tragen, die Erkrankung jedoch nicht entwickeln. Wir werden auch Mechanismen untersuchen, die den Zusammenhang zwischen Variationen im Mikrobiom und der Krankheitsentwicklung erklären könnten.“ Diese Mechanismen könnten „Ansatzpunkte für neue Therapeutika gegen Parkinson werden.“