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Daten für alle freigegeben: Forscher haben Schwarzes Loch vermessen

Daten für alle freigegeben : Forscher haben Schwarzes Loch vermessen

Forscher schalten Datenmengen zur Einsicht frei. Jeder, der Lust (und Kompetenz) hat, kann sie für eigene Studien nutzen.

55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt befindet sich das Sternensystem „Messier 87“ (M87): Darin lauert ein „supermassereiches Schwarzes Loch“. Neunzehn Observatorien weltweit, durch ein spezielles Verfahren zusammengeschaltet, haben gigantische Datenmengen über das geheimnisvolle Objekt geliefert (wir berichteten mehrfach).

In der Fachzeitschrift „The Astrophysical Journal Letters“ sind die Daten jetzt für alle Interessierten online hier zur Einsicht frei: Jeder, der Lust (und Kompetenz) hat, kann sie für eigene Studien nutzen.

Noch immer sind etliche Fragen nämlich nicht völlig geklärt – etwa über den „Jet“, einen enormen Strahl von Materie, der um ein Vielfaches weiter ins Universum hinausragt als das Schwarze Loch selbst groß ist. Was bedeutet es, dass dieser „Jet“ Strahlung im gesamten elektromagnetischen Spektrum ausstößt – und was, dass sich dieses Spektrum mit der Zeit verändert?

An der Datenerhebung beteiligt waren 760 Expert(inn)en aus fast 200 Institutionen in 32 Ländern. 34 von ihnen wirken am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn. Dies sei „die umfangreichste simultane Beobachtungskampagne“ gewesen, „die jemals für ein supermassereiches Schwarzes Loch mit Jets durchgeführt wurde“, erklären die Forscher/innen.

„Dieser einzigartige Datensatz ist entscheidend für unser Verständnis der physikalischen Bedingungen in der unmittelbaren Umgebung eines der massereichsten Schwarzen Löcher in unserer kosmischen Nachbarschaft“, sagt Stefanie Komossa, Astronomin am MPIfR – „ein großartiges Reservoir für ein detailliertes Bild der physikalischen Prozesse, die in der Nähe des Schwarzen Lochs und in der Startregion des Jets ablaufen“, ergänzt ihr Kollege Thomas P. Krichbaum.

Nun sollen neue Beobachtungen an mehreren Schwarzen Löchern starten – nicht nur an M87, sondern etwa auch am supermassereichen „Sgr A*“ im Zentrum unserer Milchstraße (für deren Entdeckung der deutsche Astronom Reinhard Genzel und seine US-Fachkollegin Andrea Ghez im Herbst den Physiknobelpreis erhielten). Alle Ergebnisse brächten „uns weiter in unserem Verständnis der Natur von Systemen mit Schwarzen Löchern und ihren Jets“, sagt Professor Anton Zensus, Direktor am MPIfR.

Der Fachaufsatz: The Astrophysical Journal Letters, 911 (Link oben im Text)