1. News
  2. Wissenschaft & Bildung
  3. Regional

Telefonaktion am Montag: GA-Leser können Fragen zum Thema Schlaganfall stellen

Telefonaktion am Montag : GA-Leser können Fragen zum Thema Schlaganfall stellen

Bei einer GA-Telefonaktion zum Thema „Schlaganfall“ am kommenden Montag beantworten drei Experten die Fragen der Leserschaft. Dabei geht es auch darum, was jeder selbst dafür tun kann, um sein Risiko zu senken.

Zeit ist der entscheidende Faktor, wenn es darum geht, die Symptome eines Schlaganfalls zu erkennen: Falls sich das Gesicht beim Lächeln einseitig verzieht, deutet das auf eine Lähmung hin. Häufig werden sich auch die Arme nicht mehr synchron nach vorn ausstrecken lassen. Klingt die Aussprache verwaschen und unverständlich oder gelingt es gar nicht mehr, einen einfachen Satz nachzusprechen, ist dies ebenfalls ein Warnsignal. Die Abkürzung „FAST“ für Face (Gesicht), Arm, Speech (Sprechfähigkeit) und Time (Zeit) sollte also jedem vertraut sein, um richtig reagieren zu können und sofort die 112 zu wählen.

Während des Transports in eine „Stroke Unit“ (auf Schlaganfälle spezialisierte Abteilung einer Klinik) werden alle wichtigen Informationen über Patientin oder Patient an das Team vor Ort durchgegeben. Wenn sich dort zeigt, dass der Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn Ursache des Schlaganfalls ist, beschreibt der Begriff „door-to-needle-time“ die Zeit, die von der Einlieferung bis zur Punktierung der Vene und der Einleitung des Medikaments vergeht. Die Thrombolyse löst das Blutgerinnsel oft auf, und diese Therapie sollte innerhalb von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Symptome abgeschlossen sein. Das mechanische Wiedereröffnen einer verschlossenen großen Hirnarterie durch Entfernung des Gerinnsels – die Thrombektomie – ist in einem Zeitfenster von bis zu 24 Stunden möglich. Aber auch in diesem Fall tickt die Uhr.

Das allerdings hat sie schon lange zuvor getan. Mag es den Patienten auch so vorkommen, als habe sie der Schlaganfall wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen, hat er doch meist eine Vorgeschichte. „Und diese lässt sich durchaus positiv beeinflussen“, wie Professor Christian Dohmen, Chefarzt der Abteilung Neurologie an der LVR-Klinik Bonn, erklärt. Bei einer GA-Telefonaktion am Montag, 10. Mai, von 18 bis 20 Uhr, wird er gemeinsam mit Professor Sebastian Paus (Chefarzt der Abteilung Neurologie an den GFO Kliniken Troisdorf) und Dr. Hartmut Bauer (Chefarzt der Neurologie am Marien-Hospital Euskirchen) Fragen unserer Leserschaft beantworten. Die drei Experten sind Mitglieder im Netzwerk „NeuroVask Bonn/Rheinland“, in dem sich 15 Kliniken zwischen Euskirchen und Asbach zusammengeschlossen haben, um Patientinnen und Patienten mit akuten neurovaskulären Erkrankungen noch schneller eine bestmögliche Hilfe zu bieten.

Zu üppige Mahlzeiten und Bewegungsmangel wirken sich negativ aus

„Die belastenden Faktoren kennen wir im Grunde alle“, sagt Paus: „Zu üppige Mahlzeiten und Bewegungsmangel. Diese Kombination führt ins Übergewicht, bis hin zur Fettleibigkeit (Adipositas). Langfristige Folge können ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel (Diabetes Typ II) oder ein metabolisches Syndrom mit gestörten Stoffwechselprozessen sein.“ Kommen dann vielleicht noch (zu viel) Alkohol und Zigaretten hinzu, dreht sich im Hintergrund bereits eine Negativspirale, deren Folgen lange Zeit unbemerkt bleiben oder von den Betroffenen kleingeredet oder verdrängt werden.

„90 Prozent aller Schlaganfälle gehen auf zehn Risikofaktoren zurück“, erläutert Dohmen. Dazu zählen auch Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern, wodurch es häufig zur Bildung von Blutgerinnseln kommt, die über die Halsschlagader auch ins Gehirn geschwemmt werden. Als „Hauptrisikofaktor, der allein für ein Drittel aller Schlaganfälle verantwortlich ist“, nennt Bauer Bluthochdruck: „Bei einem gesunden Erwachsenen sind 140/90 der höchste Grenzwert. Bestehen bereits mehrere Risikofaktoren, sind 130/80 besser.“

Ernährung bunter und abwechslungsreicher gestalten

Der Blutdruck ist zugleich aber auch ein Hebel, an dem sich wirkungsvoll ansetzen lässt. Jeder sollte seinen Wert kennen, und messen lässt er sich jederzeit bequem zu Hause; sogar am Handgelenk. „Das ersetzt natürlich keinen Arztbesuch“, betont Dohmen. „Aber die Daten, die zum Beispiel Smart Watches generieren, können erste wertvolle Hinweise liefern.“ Manche dieser Tracking-Geräte schreiben sogar schon ein EGK, dass man per App an den Arzt schicken kann. „Die Digitalisierung der Medizin geht voran, dort werden sich in den nächsten Jahren spannende Entwicklungen zeigen. Wir sind für diese Optionen offen, wenn man sie richtig einzusetzen versteht“, ergänzt Dohmen.

Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, darauf zu warten. Weder der erhobene Zeigefinger anderer noch der eigene Erfindungsreichtum an „willkommenen“ Ausreden sollten einen davon abhalten, die Ernährung bunter und abwechslungsreicher zu gestalten – nach mediterranem Vorbild, mit Gemüse, Fisch und pflanzlichen Ölen –, Bier oder Wein häufiger stehen zu lassen und mit dem Rauchen aufzuhören.

Dreimal die Woche 30 Minuten Sport zu treiben (Laufen, Fahrradfahren, Schwimmen), wird nicht nur Risiko- und Schlaganfallpatienten empfohlen. „Das Wichtigste ist, etwas in Bewegung zu bringen“, sagt Dohmen. „Das kann ein Spaziergang sein oder der Heimtrainer im Wohnzimmer.“