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Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: Radioastronomie und Künstliche Intelligenz

Radioastronomie und Künstliche Intelligenz an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg : Vom Big Bang zu Big Data

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg setzt Datenströme aus dem Weltall für Forschung zur Radioastronomie ins Bild. Das ist auch nötig: Es sind solche Riesenmengen, dass der Durchblick schwer ist.

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2021. Die bemannte Raumfahrt nimmt perspektivisch erst mal den Nachbarplaneten Mars in den Blick. Bis zu den galaktischen Abenteuern einer „Enterprise“ ist es mithin noch ein Weilchen. Aber Astronomen blicken mit neuen technischen Möglichkeiten bereits weit über die Grenzen unseres eigenen Sonnensystems hinaus.

Vor allem Radioteleskope wie das in Effelsberg helfen ihnen. Dabei sammeln sie allerdings derart viele Daten, dass die Auswertung mit herkömmlichen Methoden an ihre Grenzen gerät. Schon die nächste Teleskop-Generation wird einen Datenstrom erzeugen, der dem gesamten weltweiten Internetverkehr von heute entspricht.

Künstliche Intelligenz soll künftig dabei helfen, diese Datenflut zu kanalisieren und mit Methoden des Visual Computing relevante Signale sichtbar zu machen. Dazu haben sich acht Institutionen in Nordrhein-Westfalen unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn zu einer Forschungs- und Lehrgemeinschaft zusammengeschlossen.

„NRW-Cluster für datenintensive Radioastronomie: Big Bang to Big Data“ heißt das Projekt nicht eben bescheiden mit Anspielung auf den Urknall (Big Bang). Neben der Universität Bonn ist auch die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) beteiligt. Sie steuert ihre Expertise in der Visualisierung großer Datenmengen bei.

Der Radioteleskopverbund produziert so viele Daten wie kein anderes ziviles Forschungsprojekt

Schon 2012 hat die Hochschule in Sankt Augustin ein „Institute of Visual Computing“ gegründet. In einem interdisziplinären Team arbeiten dort rund 50 Wissenschaftler/innen auch in der Grundlagenforschung für lokale Unternehmen.

„Wir freuen uns, Teil des Clusters zu sein“, sagt Institutsdirektor Professor André Hinkenjann. „Durch die Beteiligung erhalten wir Zugang zu sehr großen, nicht personenbezogenen Datenmengen. Damit können wir unsere Expertise im Bereich der visuellen Analyse umfangreicher Daten ausbauen und unser Forschungsnetzwerk erweitern.“

Ein Alleinstellungsmerkmal des Forschungsverbunds ist der Zugang zu den international wichtigsten Datenquellen der Radioastronomie. Dazu zählt neben dem Effelsberg-Teleskop und dem Alma-Observatorium in Chile auch der im Aufbau befindliche internationale Radio­teleskopverbund. Dieser wird so viele Daten produzieren wie kein anderes ziviles Forschungsprojekt. Daraus ergeben sich auch große Potenziale zur Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

So bemüht sich die H-BRS vor allem im Bereich Informatik und Datenwissenschaften um regen Austausch mit dem neuen Promotionskolleg NRW. „Unsere Studierenden erhalten hiermit die Möglichkeit, Promotionen in einem aktuellen Forschungsfeld durchzuführen“, erwartet Hinkenjann. Der Weltraum ist groß, manche sagen unendlich. Für Überraschungen dürfte also gesorgt sein.