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Gefährliche Wechseljahre?: Mehr Schäden im Gehirn nach der Menopause

Gefährliche Wechseljahre? : Mehr Schäden im Gehirn nach der Menopause

Bonner Forscher finden bei älteren Frauen mehr Auffälligkeiten in der weißen Hirnsubstanz als bei gleichaltrigen Männern. Woran das liegt, ist derzeit noch unklar. Die Hormon-Umstellung in den Wechseljahren ist nur eine von mehreren Möglichkeiten.

Spannende Zeiten für die Wissenschaftlerin Valerie Lohner: Vor ein paar Tagen erst hat sie im Promotions-Prozedere am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn die sogenannte Verteidigung ihrer Arbeit absolviert und kann jetzt den Doktortitel in Epidemiologie führen.

Zu dem Gesamtpaket ihrer Dissertation gehört auch eine interessante Studie, deren Erstautorin die 31-Jährige ist und die nun veröffentlicht wurde: Forschende des DZNE haben herausgefunden, dass nach der Menopause (also den Wechseljahren) bei Frauen das Ausmaß bestimmter Hirnschäden größer ist als bei gleichaltrigen Männern.

Dies ergab eine Untersuchung von mehr als 3400 Erwachsenen im Zuge der Bonner Rheinland Studie, mit der das DZNE nach Schlüsselfaktoren für gesundes Altern forscht.

Insbesondere bei älteren Erwachsenen sind auf MRT-Aufnahmen des Gehirns helle Flecken zu erkennen. Diese Läsionen deuten auf Auffälligkeiten in der sogenannten weißen Hirnsubstanz hin, einem Bereich des Gehirns, der aus Nervenfasern besteht und unterhalb der Großhirnrinde im Inneren des Gehirns liegt.

„Schäden an der weißen Hirnsubstanz führen nicht zwangsläufig zu Demenz oder Schlaganfall, sie erhöhen jedoch das Risiko dafür“

Fachleute sprechen bei diesen Flecken von „White Matter Hyper­intensities“. Die Neurowissenschaftlerin Lohner erklärt: „Das sind Anzeichen von Gewebeschäden, die mit Durchblutungsstörungen, erhöhtem Blutdruck, Schlaganfall und kognitiven Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht werden. Man weiß, dass diese Anomalien im Hirngewebe mit dem Alter zunehmen.“

Forscher haben die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug auf diese Auffälligkeiten schon länger diskutiert, aber die Datenlage war nicht eindeutig. Für ihre Studie werteten Lohner und ihre Kollegen nun die Daten von 2000 Frauen und 1400 Männern im Alter von 30 bis 95 Jahren aus: Bei Frauen vor der Menopause und Männern – alle im Alter von 30 bis 59 Jahren – fanden die Wissenschaftler keine Unterschiede bei den Veränderungen der Hirngefäße.

Bei Frauen, die ihre Wechseljahre schon hinter sich hatten und Männern im Alter von 45 bis 95 Jahren gab es sie sehr wohl. In dieser Gruppe waren bei den Frauen 0,23 Prozent der weißen Hirnsubstanz von den hellen Flecken betroffen, bei den gleichaltrigen Männern nur 0,15 Prozent. Auch beim Vergleich von Frauen im Alter von 45 bis 59 zeigte sich Interessantes: Die Untersuchten vor der Menopause wiesen 0,07 Prozent an hellen Flecken in der weißen Hirnsubstanz auf, bei Frauen nach den Wechseljahren waren es 0,12 Prozent.

Die Studienergebnisse zeigen also, dass Frauen, bei denen die Menopause bereits begonnen hat, anfälliger für Veränderungen an den Hirngefäßen und damit für Hirnerkrankungen sind als Frauen vor der Menopause, selbst wenn sie ein ähnliches Alter haben. „Schäden an der weißen Hirnsubstanz führen nicht zwangsläufig zu Demenz oder Schlaganfall, sie erhöhen jedoch das Risiko dafür“, erklärt dazu Professorin Monique Breteler, die Leiterin der Rheinland Studie.

Für die Direktorin für Populationsbezogene Gesundheitsforschung am DZNE unterstreichen diese Befunde „die Relevanz geschlechtsspezifischer Forschung und Therapie“. Neben den Unterschieden zwischen den Geschlechtern fanden die Forscher auch generell ein größeres Ausmaß an Anomalien in der weißen Hirnsubstanz bei Probanden mit Bluthochdruck. Dies deckt sich mit vorangegangenen Untersuchungen.

Auch eine Hormonersatztherapie ändert nichts an dem Phänomen

Die Ursachen für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf die hellen Flecken im Gehirn sind unklar. Schon länger gibt es Spekulationen, dass das Hormon Östrogen eine schützende Wirkung haben könnte, die im Alter verloren geht, weil der weibliche Organismus dessen Produktion mit den Wechseljahren nach und nach einstellt.

Die Wissenschaftler der Rheinland Studie haben jedoch keinen Einfluss einer Therapie feststellen können, die den Hormonmangel ausgleicht. Frauen nach der Menopause, die regelmäßig Hormonpräparate einnehmen, waren ähnlich stark von Anomalien in der weißen Hirnsub­stanz betroffen wie Frauen, die keine Hormone zu sich nahmen.

Es ist noch unklar, ob die hormonelle Umstellung der entscheidende Faktor ist oder andere Mechanismen. Körperliche und/oder seelische Einflüsse können dafür sorgen, dass das „biologische Alter“ höher ist als das nach Lebensjahren. Es gibt erste Studien, die gezeigt haben, dass bei Frauen die Menopause dann früher einsetzt.

„Diese sogenannte epigenetische Uhr ist daher von Interesse und wir wollen dem weiter nachgehen“, sagt Lohner. Sie hofft, an diesen und ähnlichen Fragen auch weiterhin forschen zu können. Bei ihr bleibt es spannend: Vor Kurzem wechselte die Neurowissenschaftlerin von Bonn an die Uniklinik Köln, arbeitet aber weiterhin an einigen Projekten der Rheinland Studie mit.