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Millionenförderung für Bonner Forschung zur KI

Millionenförderung für Bonner Forschung zur KI : Fokus liegt auf Ethik bei Künstlicher Intelligenz

Wie kann KI die menschlichen Werte stärken, statt sie zu unterlaufen? Die Mercator-Stiftung fördert darüber jetzt ein Verbundprojekt der Universitäten Bonn und Cambridge mit 3,8 Millionen Euro.

Eine vertrauenswürdige künstliche Intelligenz (KI) könnte viele Vorteile mit sich bringen. Eine verbesserte Gesundheitsversorgung, sicherere und umweltfreundlichere Verkehrsmittel und kostengünstigere und nachhaltigere Energie zählen dazu. Allerdings fehlt hierzu bislang ein Rechtsrahmen. Mit einer für alle Mitgliedsstaaten bindenden KI-Verordnung wollen die EU-Kommission und das EU-Parlament diesen schaffen.

Nach dem Verordnungsentwurf sollen alle KI-Systeme daraufhin geprüft und bewertet werden, welchen Einfluss sie auf grundlegende Rechte und Werte haben. Die Frage ist, wie und nach welchen Kriterien ein solches Verfahren ablaufen könnte und wie KI menschliche Werte fördern kann, statt sie zu unterlaufen.

17 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in interdisziplinären Teams der Universitäten Bonn und Cambridge wollen das jetzt im Gemeinschaftsprojekt „Wünschenswerte Digitalisierung“ ergründen. Die Mercator-Stiftung stellt dafür in den kommenden fünf Jahren 3,8 Millionen Euro zur Verfügung. Die Projektleitung teilen sich Professor Markus Gabriel vom Bonner Institut für Philosophie und Dr. Stephen Cave vom Leverhulme Centre for the Future of Intelligence in Cambridge.

Wie können digitale Technologien die Vorstellung der Menschen beeinflussen?

Im ersten Teil sollen die Forschenden interkulturelle Perspektiven auf KI und grundlegende Rechte und Werte untersuchen. „Um die potenziellen Auswirkungen von Algorithmen auf die Menschenwürde zu verstehen, müssen wir über den Code hinausblicken und Lehren aus Geschichte und Politikwissenschaft ziehen“, sagt Cave. Einerseits werde man sich dem Thema anthropologisch nähern. Hier geht es um die Frage, wie digitale Technologien die Vorstellung vom Menschen beeinflussen und umgekehrt.

Andererseits sollen strukturelle und historische Ungerechtigkeiten und ihre Wechselwirkungen auf die Entwicklung und den Einsatz von Technologie betrachtet werden. Dazu sollen Expertinnen und Experten aus anderen Ländern Europas sowie aus Asien und Afrika eingebunden werden. Schließlich stellten die neuen Technologien „unabhängig von unseren spezifischen kulturellen Weltanschauungen“ das „Selbstverständnis als menschliche Wesen in Frage“, warnt Gabriel.

Im zweiten Teil des Projektes wollen Forschende beider Universitäten mit der KI-Industrie Prinzipien für das Design und die Bildung von KI entwickeln sowie die Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt des technologischen Fortschritts stellen.

Professorin Aimee van Wynsberghe wird das Bonner Team im zweiten Teil leiten und ihre Expertise zu Nachhaltigkeit einbringen. Die Kanadierin forscht seit Jahren zu ethischen Aspekten von Robotern und Künstlicher Intelligenz und betont: Nur wenn Nachhaltigkeit in allen Dimensionen bei der Entwicklung von KI mitgedacht werde, könnten die Algorithmen das Leben verbessern.