Professor Bernhard Misof ist neuer Direktor am Museum Koenig : Für ihn hat sich ein Kindheitstraum erfüllt

Der Biologe Professor Bernhard Misof ist seit Kurzem Direktor des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig in Bonn

In Gold eingerahmt hängt das Porträt des Museumsgründers Alexander Koenig über dem Schreibtisch des neuen Direktors. „Seit vielen Jahren schon arbeite ich am Museum Koenig. Nun in die Rolle des Direktors zu schlüpfen, ist eine große Umstellung“, sagt Professor  Bernhard Misof. Seit dem 1. Mai ist er offiziell der neue Direktor des Museums Koenig. Misof ist Leiter des Zentrums für Molekulare Biodiversitätsforschung und hat den gleichnamigen Lehrstuhl an der Universität Bonn inne.

Der Kontakt zu den Studenten liegt dem Experten dabei sehr am Herzen. „Es ist wichtig, dass wir auch weitergeben, was wir am Museum erarbeiten“, meint der Biologe. Deshalb gibt er Vorlesungen, leitet Exkursionen und betreut Masterarbeiten an der Uni Bonn. Ende 2022 wird ein Teil des Museums in sein neues Forschungsgebäude auf dem Campus der Uni Bonn einziehen. „So möchten wir die Arbeit mit der Universität weiter stärken“, sagt Misof.

Am Museum betreibt der 54-Jährige zudem wichtige Forschung: „Die Artenzusammensetzung verändert sich im Laufe der Zeit. Die genomischen Grundlagen dieses Wandels will ich in meiner Forschung auf evolutiver und ökologischer Ebene verstehen.“ Ein interessantes Projekt, an dem er bereits seit Jahren arbeitet, heißt „German Barcode of Life“ (GBOL).

Eins seiner Projekte erfasst alle deutschen Arten
mit ihrem genetischen Fingerabdruck

GBOL hat das Ziel, die Artenvielfalt aller deutschen Tiere, Pilze und Pflanzen anhand ihres DNA-Barcodes, also ihres genetischen Fingerabdrucks, in einer Datenbank zu erfassen. GBOL kann so als Werkzeug dienen, um Arten und auch einzelne Tiere schnell und automatisiert zu identifizieren. Damit kann der Verlust an Arten oder die Artenzusammensetzung in Lebensräumen effizienter als bisher erfasst werden.

Schon als Kind hatte Misof den Wunsch, Naturwissenschaftler zu werden: „Als ich vier Jahre alt war, begann ich, Schmetterlinge zu sammeln und später übernahm ich die Sammlung meines Großvaters“, erzählt er. Geboren wurde Misof in der kleinen österreichischen Stadtgemeinde Gföhl. Nach der Schule studierte er Biologie in Wien. Aber  er wollte schon immer aus Österreich weg: „In der Grundschule schrieb ich schon einen Aufsatz darüber, dass ich raus in die Welt wollte.“

Diesem Wunsch ging Misof nach Abschluss seines Magisters 1991 nach und zog in die USA, um an der Yale University zu promovieren. 1995 zog er zurück nach Europa, weil das Visum seiner Frau ablief. Diese hatte er noch während des Studiums bei einer Exkursion auf den Malediven kennengelernt.

„Ich dachte: So was Schönes!
Hier möchte ich nie wieder weg!“

Ein dreiviertel Jahr später begann er seinen Postdoc am Institut für Evolutionsbiologie der Universität Bonn. „Das war das erste Mal, dass ich in Bonn war. Ich dachte damals, dass ich maximal für drei Jahre hier sein würde“, sagt der Direktor des Bonner Museums heute lachend.

2001 begann Misofs Zeit am Museum Koenig mit einer Stelle im Molekularlabor. „Damals war das Museum für einen gesamten Umbau der Ausstellung für einige Jahre geschlossen“, erinnert sich der Direktor zurück. Eines Abends setzte er sich auf den neu verlegten Boden des leer geräumten Museums: „Ich dachte mir in dem Moment: So was Schönes! Hier möchte ich nie wieder weg.“

Heute hat Misof seinen Kindheitstraum verwirklicht. „Das Schöne an der Arbeit als Direktor ist die Kombination aus wissenschaftlicher Arbeit und dem Umgang mit den Menschen“, findet er. Doch er hat es nicht leicht; gleich zu Anfang seiner Amtszeit musste das Museum Koenig zur Eindämmung des neuen Coronavirus schließen. Inzwischen hat es unter Berücksichtigung der Schutz- und Hygienemaßnahmen wieder geöffnet.

Die Corona-Pandemie wird das Museum
fundamental verändern

„Die Pandemie wird das Museum fundamental verändern“, sagt der Direktor. In Zukunft soll die Arbeit am Museum digitaler werden. „Wir wollen unter anderem auch unsere Präsenz in den sozialen Medien stärken“, sagt er. Auch insgesamt soll mehr Wissenschaftskommunikation betrieben werden: „Es muss uns ein Anliegen sein, in einen Dialog mit der Gesellschaft über die Ergebnisse unserer Wissenschaft einzutreten“, findet Misof.

„Biodiversität im Wandel, Biodiversität im Dialog“ ist also der Slogan für die Zukunft des Museums Koenig. Zudem ist eine Integration des Hamburger Zoologischen Museums in die Stiftung des Bonner Museums geplant. Gemeinsam soll so ein „weltweit führendes Institut für die Analyse des Biodiversitätswandels enstehen“, so Misof. Die endgültige politische Entscheidung ist aber erst Ende Juni fällig.

Neben seiner Rolle als Direktor ist Misof auch Vater von fünf Kindern. Und er hat viele Hobbys. „Für sie finde ich aber kaum noch Zeit“, sagt er. In seiner Holzwerkstatt baut er Möbel, seine Schmetterlingssammlung wächst, und er besitzt vier Oldtimer. Unter ihnen ist auch das letzte Auto des österreichischen Zoologen Konrad Lorenz.

Außerdem pflegt der Biologe einen 3000 Quadratmeter großen wilden Garten. „Mit der Wildnis leben“ ist darin sein Motto. Dort hat er bereits einige (für den Bonner Raum) neue Arten entdeckt. „Die habe ich natürlich sofort in die Sammlung des Museums Koenig gebracht“, sagt er schmunzelnd.