Schon als Schüler an der Bonner Uni : Nebenbei in den Hörsaal

Patrick de Smet ist mit seinen 17 Jahren einer von Bonns jüngsten Studenten – und eigentlich noch Schüler

Der Unterricht ist langweilig, die Schulbücher wenig ausführlich, und für weitergehende Fragen ist kein Platz? So oder ähnlich ergeht es oft Schülern und Schülerinnen, die unterfordert sind. Damit sie die Freude am Lernen nicht verlieren, müssen sich die Schulen etwas einfallen lassen. Eine Möglichkeit der außerschulischen (Hoch-)Begabtenförderung ist ein Frühstudium.

Schon seit dem vergangenen Sommersemester studiert Patrick de Smet an der Uni Bonn, beziehungsweise hat dies vor der Corona-Krise getan. Er ist ein sogenannter Frühstudent: Der 17-jährige Schüler aus Siegburg besucht in seiner Freizeit bereits reguläre Uni-Veranstaltungen. „Vorteile sind für mich auf jeden Fall, dass ich Themen, die mich interessieren, vertiefen kann. Auch ist der Stoff an der Uni viel tiefgründiger als am Gymnasium, wo vieles nur oberflächlich behandelt wird.“

Vorteile für junge und leistungsbereite Schülerinnen und Schüler sieht auch Tuba Celik, zuständige Lehrerin für Begabtenförderung an Patricks Schule, dem Siegburger Gymnasium Alleestraße: „Solche Schüler brauchen neues Futter und neue Impulse, sonst langweilen sie sich schnell. Wenn ich sehe, da ist ein unterforderter Schüler, der sehr leistungsstark ist, spreche ich ihn an; oder wenn wir in einer Konferenz merken, dass jemand in einem Fach sehr stark ist und mehr Input braucht.“

Die Palette reicht von der Astronomie bis zur Volkswirtschaftslehre

Nicht nur für diejenigen, die schon ihr absolutes Traumfach gefunden haben, bietet sich FFF – Fördern, Fordern, Forschen“, wie das Frühstudium an der Uni Bonn offiziell heißt – an. Die Palette der angebotenen Studienfächer für Schülerstudenten reicht von Astronomie und Agrarwissenschaften über Mathematik, Informatik, Jura und Latein bis hin zu Paläontologie und Volkswirtschaftslehre.

„Ich probiere während meines Frühstudiums, mehr über Themen, die mich generell interessieren, zu erfahren“, erzählt Patrick. „Mein eigentliches Wunschstudienfach für später ist Wirtschaftsinformatik.“ Weil ihn aber auch noch andere Fächer interessieren, hat Patrick im Wintersemester Geschichte studiert. Das heißt, er besuchte einmal wöchentlich die Vorlesung „Antike Welt- und Menschenbilder“, erzählt er. „Die Vorlesung in Geschichte habe ich gewählt, da ich mich generell besonders für die Epoche interessiere. Besonders für die alten Griechen und Phönizier.“

Damit schöpft Patrick die Möglichkeiten des Schülerstudiums voll aus: Anders als „richtige“ Vollzeit-Studenten kann er sich in jedem Semester aufs Neue für ein Fach und entsprechende Veranstaltungen anmelden. Gerade für Schüler, die schon sicher wissen, dass sie studieren wollen und in der Schule unterfordert sind, bietet das Schülerstudium eine Orientierungshilfe für die spätere Studienwahl. „Für das nächste Semester plane ich, eine Vorlesung in Jura zu belegen“, sagt Patrick.

„Durch das G 8 sind die Schülerzahlen beim Frühstudium leider stark zurückgegangen“

„Seit 2011 ist das Programm FFF bei uns am Gymnasium etabliert“, berichtet Celik, die selbst Geschichte, Physik und Chemie unterrichtet. „Durch das G 8 sind die Schülerzahlen beim Frühstudium leider stark zurückgegangen. Wir machen mehr Werbung und hoffen, dass sich demnächst wieder mehr anmelden.“

Besonders zufrieden ist Celik mit der Organisation durch die Uni Bonn. „Die Uni macht das toll, die Schüler werden gut beraten und betreut, und das Programm ist nicht nur auf die Oberstufe beschränkt.“

Neben der Orientierungshilfe bietet das Frühstudium aber auch für Schüler mit konkreten Fachvorstellungen einen besonderen Vorteil: Sie können sich ihre im Frühstudium erbrachten Leistungen später anrechnen lassen. So auch Patrick: „Meine frühere VWL-Vorlesung habe ich mit 3,3 bestanden, weil ich den Stoff der zweiten Vorlesung, die in der Prüfung vorkam, selber nacharbeiten musste.“ Überhaupt ist vor allem die Fahrzeit eine Belastung, Patrick braucht mindestens eine halbe Stunde zur Uni – wenn die Bahn nicht ausfällt oder verspätet ist. In seiner verbleibenden Freizeit programmiert er, spielt Gitarre, läuft und trifft sich mit Freunden, abends probiere er „ein wenig runterzukommen“.

Auch, wenn ein Studium neben der Schule eine zusätzliche Belastung sein kann, ist Celik von den Vorteilen des Programms überzeugt: „Die Sorge der Eltern ist oft, dass die Schüler sich fachlich und auch organisatorisch übernehmen oder keinen Anschluss finden, weil sie so jung sind. Aber der Austausch mit älteren Studis ist eine Bereicherung, die Schüler können lernen, sich selbst zu organisieren, und Zeit sparen, weil sie entweder schon Scheine erworben oder zumindest herausgefunden haben, was sie studieren wollen“, sagt Celik. „Außerdem können sie jederzeit aufhören, wenn es zu viel wird.“