100 Tonnen Abfälle So werden Chemikalien an der Uni Bonn entsorgt

Bonn · Sachbearbeiterin Tanja Hannewald organisiert die Entsorgung gefährlicher Chemikalien an der Uni Bonn. Im Jahr kommen rund 100 Tonnen an Abfällen zusammen.

Grüne, blaue, gelbe Tonne? Nein, alles falsch. Schwarzer Kanister mit Gefahrgutzeichen, das sieht schon besser aus. Schließlich dürfen Lösungsmittel, wie etwa Säuren und Laugen, nicht einfach in den normalen Hausmüll gepackt werden – nicht, wenn sie in Generalreiniger oder anderem Putzzeug enthalten sind (auch wenn zahlreiche Bundesbürger sich wohl nicht darum kümmern) und erst recht nicht in den Konzentrationen, die in den Chemischen Instituten der Universität Bonn Verwendung finden.

Stattdessen muss einer jener Zehn-Liter-Spezialbehälter her, über die Tanja Hannewald mit Argusaugen wacht. Sicherheit hat schließlich in der Entsorgungsstelle des Dezernats 4.1 der Hochschule Priorität. „Wir können kein Gefahrgut abholen, das nicht ordnungsgemäß verpackt ist“, betont Hannewald. „Und wir müssen auch genau wissen, mit welchen Stoffen wir es überhaupt zu tun haben. Deshalb müssen wir schon informiert werden, bevor die Abfälle entstehen. Wir geben daraufhin ein passendes Gebinde mit den entsprechenden Etiketten heraus – und nur die können wir dann auch wieder abholen, wenn sie voll sind.“

Die Nachweispflicht sei essenziell, betont Hannewald, die seit fünf Jahren als Sachbearbeiterin im Bereich Entsorgung und Gefahrgut für die chemischen Abfälle zuständig ist. Immerhin gehe es um giftige, ätzende oder auch entzündliche Substanzen, die richtig gelagert und später in einer entsprechenden Anlage (zum Beispiel in Bramsche bei Osnabrück) vernichtet werden sollen.

„Schon allein für den Transport muss eindeutig belegt sein, um was für Chemikalien es sich handelt“, sagt Hannewald. „Wir fahren über öffentliche Straßen und unterliegen daher den entsprechenden Vorschriften. Falls mal etwas passiert, muss ja zum Beispiel die Feuerwehr wissen, wie sie zu reagieren hat, um Leib und Leben der Bevölkerung sowie die Natur zu schützen.“

Zertifiziertes Zwischenlager

Neben den Lösungsmitteln, die einen großen Teil der chemischen Abfälle an der Universität Bonn ausmachen, muss sich Hannewald auch um diverse Spül- und Waschabwässer oder um Betriebsmittel kümmern, wie etwa Wischtücher und Handschuhe. „Bei den Chemikalien handelt es sich aber in der Regel um Gemische“, betont sie. „Ab und zu entsorgen die Institute aber auch nicht mehr verwendbare Chemikalien in Reinform – dafür greifen wir jedoch üblicherweise auf ein Labormobil zurück, das viermal im Jahr zu uns kommt. Dieses verpackt die Chemikalien vor Ort nach Gefahrgutrecht und bringt sie direkt in eine Entsorgungsanlage. Wir sind ja nur zertifiziertes Zwischenlager.“

Auf diese Weise behandeln Hannewald und ihre drei Kollegen auch das leicht entzündliche Lithium oder das gelegentlich auftretende Quecksilber, das sich immer noch in gewissen Thermometern findet. „Das geht alles“, betont Hannewald, die vor 27 Jahren an der Uni Bonn ihre Ausbildung zur landwirtschaftlich-technischen Assistentin gemacht hat und später auch selbst Chemielaboranten ausbildete.

„Grenzwertig sind nur die gelegentlich ausgemusterten Tiefkühlschränke oder -truhen, die schnell mal mehrere hundert Kilogramm auf die Waage bringen und die unsere zwei Außendienstmitarbeiter nicht so ohne Weiteres transportieren können“, so die Expertin. Insgesamt kommen so im Jahr rund 100 Tonnen an Abfällen zusammen, die das Team um Hannewald entsorgen muss. Für radioaktive Stoffe ist es dabei nicht verantwortlich: „Dafür ist die Abteilung für Strahlenschutz zuständig. Wir dürfen diese Abfälle noch nicht einmal lagern.“

Die Chemikalien landen derweil im Hinterhof der Entsorgungsstelle, die direkt gegenüber der Chemischen Institute der Uni Bonn liegt. Vier große Container dienen der Lagerung der Stoffe, ausgestattet mit CO2-Löschsystemen und doppelter elektronischer Überwachung. In ihnen stehen die Kanister, 80 pro Palette, daneben Fässer mit Wachs („vom Mikroskopieren“, erklärt Hannewald), Spezialkisten mit zerbrochenen unverschmutzten Gläsern, Bleibatterien und diversen anderen Abfällen, fein säuberlich voneinander getrennt und nach Gefahrgutklassen aufgeteilt. Alle drei Wochen werden die Container komplett ausgetauscht. Ungefähr genau so regelmäßig kommen Lieferungen mit neuen Abfallbehältnissen in allen Größen. Und das Spiel beginnt von vorn.

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