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Nebenjobs brechen weg: Studenten geraten aufgrund der Coronakrise in Geldnot

Nebenjobs brechen weg : Studenten geraten aufgrund der Coronakrise in Geldnot

Das Coronavirus sorgt nicht nur für geschlossene Schulen und Kurzarbeit, sondern auch für viel weniger Jobs. Studenten sind ebenfalls davon betroffen und haben auf einen Schlag viel weniger Geld zur Verfügung. Jetzt will der Bund helfen.

Das Corona-Virus sorgt nicht nur für mehr oder weniger geschlossene Schulen und Kurzarbeit, sondern auch für viel weniger Jobs. Auch Studenten sind davon betroffen – junge Menschen, die normalerweise als Aushilfen, Kellner, Nachhilfelehrer oder Trainer arbeiten, um sich ihr Studium zu finanzieren. Seit Cafés, Sportstätten und Geschäfte geschlossen sind, haben viele Studentinnen und Studenten auf einen Schlag viel weniger Geld zur Verfügung.

„Ich war als Trainerin an der Uni Bonn, habe neben meinem Studium Sportkurse gegeben und war beim Pausenexpress aktiv. Das fällt momentan weg“, berichtet Anna Lempe (Name geändert). „Der Uni-Sport versucht, Online-Lösungen zu finden, es ist aber unklar, wie es da weitergeht.“ Ihren Nebenjob verloren hat auch Katharina Soller (Name ebenfalls geändert), die auf Lehramt studiert. „Ich habe gekellnert, das hat viel Spaß gemacht, das Team war super, und es war immer eine gute Ablenkung zum Alltag in der Uni. Das fehlt jetzt. Ich habe das Glück, dass ich finanziell nicht von dem Job abhängig bin und von meinen Eltern unterstützt werde.“

Wer von seinen Eltern keine Hilfe bekommen kann – womöglich, weil diese selbst in Kurzarbeit sind oder ihren Job verloren haben –, für den ist es momentan schwer. Jetzt hat der Bund Hilfe für sie angekündigt: Sie können einen Notkredit bei der staatlichen Förderbank KfW beantragen. „Am Ende dürfen wir es nicht zulassen, dass die Corona-Pandemie Studierende in den Abbruch oder die Aufgabe ihres Studiums treibt“, erklärte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU).

Die Darlehen sollen auf bis zu 650 Euro im Monat bemessen sein. Sowohl laufende KfW-Studienkredite als auch neue Anträge sollen für inländische Studierende bis Ende März kommenden Jahres zinslos bleiben. Ausländische Studierende können den Kredit ab Juli erhalten. Anträge sind online ab 8. Mai möglich (für ausländische Studierende ab Juli); „das geht dann ganz schnell“, sagt Karliczek, die von einem Darlehensvolumen bis zu einer Milliarde Euro ausgeht. Überdies stellt ihr Ministerium den im Deutschen Studentenwerk (DSW) organisierten Studenten- und Studierendenwerken 100 Millionen Euro für deren Notfonds zur Verfügung – als nicht rückzahlbaren Zuschuss für Studierende in besonders akuten Notlagen.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Deutsche Studentenwerk (DSW) begrüßten die Pläne in einer gemeinsamen Erklärung. „Der Bund geht damit ein für viele Studierende brennendes Problem an. Wir sind dankbar, dass die Betroffenen nun die aktuelle Krise überbrücken können“, sagt Professor Peter-André Alt, Präsident der HRK. Sein Amtskollege Professor Joybrato Mukherjee vom DAAD findet es „sehr gut und richtig, dass Studierende in Notsituationen nun finanzielle Unterstützung erhalten. Diese Maßnahmen sind unerlässlich, um Studienabbrüche gerade internationaler Studierender zu verhindern und Deutschlands exzellenten Ruf als Studiendestination für ausländische Talente zu bewahren. Wir freuen uns insbesondere, dass auch die von uns angeregte Zuschusslösung Teil der Nothilfe-Maßnahmen ist.“

Auch Professor Rolf-Dieter Postlep, Präsident des DSW, begrüßt es „ausdrücklich, dass die Bundesregierung Studierenden in finanzieller Notlage nun wirksam zu Hilfe kommt. Wir werden mit dem Ministerium nun sehr rasch das konkrete Verfahren klären, wie die Hilfe der Studenten- und Studierendenwerke für Studierende in akuten Notlagen konkret ausgestaltet werden soll.“

Wie bei KfW-Studienkrediten üblich, müssen die Nutznießer auch für die jetzt verkündeten Leistungen erst nach einer Karenzphase von 18 bis 23 Monaten mit der Rückzahlung beginnen. Für Anna Lempe kommt das alles dennoch zu spät: Sie hat ihren Studienkredit bereits vor den neuen Beschlüssen aufstocken müssen. Für sie ist ein zusätzliches Problem, dass sie durch die Krise nicht nur ihren Nebenjob verloren hat, sondern auch ihren Praktikumsplatz. Der „wäre an eine Schule gekoppelt gewesen und fällt daher flach. Deshalb bin ich, wenn meine Bachelorarbeit fertig ist, aktivitätslos.“ Als Alternative überlegt sie, sich „einen Job im Bioladen zu suchen oder irgendwo, wo man noch gut arbeiten kann. Da ich selbst keine Risikogruppe bin, habe ich auch kein Problem damit, im Kundenkontakt zu arbeiten.“