1. News
  2. Wissenschaft & Bildung
  3. Regional

Trotz Corona: Studenten wollen ins Ausland

Studentenaustausch trotz Corona : Auslandssemester sind weiterhin gefragt

Das Virus lässt einem die Lust auf fremde Länder vergehen? Von wegen: Trotz der Corona-Krise wollen viele Studenten die Möglichkeit des akademischen Austauschs weiterhin wahrnehmen.

Einfach mal raus aus Deutschland, neue Leute kennenlernen, neue Kulturen, neue Sprachen: Auslandssemester gehören für viele Studenten zu den schönsten und wertvollsten Erfahrungen in ihrer Unizeit.

Doch in Zeiten von Corona ist dieses Angebot keine Selbstverständlichkeit mehr. Schon die Einreise in ein anderes Land kann unmöglich sein, ebenso wie die erfolgreiche Suche nach einer Unterkunft – und ob die gewählte Hochschule überhaupt Präsenzlehre anbietet, steht derzeit meist in den Sternen.

Dennoch scheint ein Auslandsaufenthalt so manches Risiko wert zu sein. „Von den 423 Studierenden, die bei uns für das Wintersemester 2020/2021 eine Zusage vom Erasmus-Programm erhalten haben, wollen 192 die Ausreise wie geplant durchführen“, sagt Susanne Maraizu, Leiterin der Abteilung »Mobilität ins Ausland« an der Uni Bonn. 124 hätten ihr Auslandssemester aufs Sommersemester 2021 verschoben.

Auch die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg schickt weiterhin Studenten in andere Länder. „Bei uns gibt es ja in vielen Fächern die besondere Situation, dass man entweder ein Praxis- oder ein Auslandssemester absolvieren muss“, erklärt Roland Weiß, Leiter des International Office.

„Innerhalb der EU ist das ein vertretbares Risiko“

„Diese sind in der Regel langfristig geplant, so dass die Studierenden ein besonders großes Interesse daran haben, sie auch durchzuführen. Und zumindest innerhalb der EU-Staaten ist das auch ein vertretbares Risiko. Dennoch rechne ich damit, dass im kommenden Semester nur rund ein Drittel der Studierenden ihr Auslandssemester antreten werden, zumal momentan in beliebten Ländern wie etwa in Spanien die Infektionszahlen wieder steigen.“

Unklar sei auch, in welcher Form die Lehre im Ausland ablaufen werde. „Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Unterricht ja grundsätzlich auch in digitaler Form möglich ist“, so Weiß. „Dafür muss ich natürlich nicht in ein fremdes Land fahren. Allerdings ist der Kern eines jeden Austauschs der physische Kontakt – wenn der aufgrund von Auflagen kaum oder vielleicht sogar überhaupt nicht möglich ist, fehlt eine essentielle Erfahrung.“

Die Einschätzung teilt auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). „Für die kommenden Monate gibt es jedoch keine wirkliche Planungssicherheit“, gesteht Dr. Klaudia Knabel, Leiterin des Bereichs Stipendienprogramme Nord.

„Die besten Chancen haben Studierende derzeit in Ländern der EU, für die größtenteils noch keine Reisewarnung besteht.“ Selbst dort könnten aber rund 80 Prozent der Hochschulen derzeit keine Aussage zum Modus des kommenden Semesters treffen.

Die Unsicherheit wirkt sich auch auf die Studenten aus, wenn auch offenbar nicht so stark wie zunächst befürchtet. Laut einer DAAD-Studie aus dem Frühjahr haben damals 49 Prozent der deutschen Hochschulen mit einem Rückgang der Auslandsmobilität ihrer Studenten gerechnet – ein gutes Drittel jedoch mit keinen oder nur minimalen Veränderungen.

Corona lässt einen gewaltigen Digitalisierungsschub erwarten

„Aktuell sehen wir deutlich, dass Studierende weiterhin mobil bleiben wollen“, so Knabel. So hätten jetzt rund 1500 Studieninteressierte an einer vom DAAD organisierten virtuellen Messe zu Auslandsaufenthalten teilgenommen. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass der akademische Austausch dauerhaft eingeschränkt bleiben werde.

Allerdings könnten sich die Formate verändern: „In Zeiten von Corona erleben viele Hochschulen einen gewaltigen Digitalisierungsschub – das wird die Lehre und das Lernen nachhaltig verändern“, glaubt Knabel. „Entsprechend ist es denkbar, dass Auslandsaufenthalte zukünftig im digitalen Raum vorbereitet und fortgeführt werden.“