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Uni Bonn: Forschung zu Infektionen: Immunisierung geht an Nachkommen

Forschung zu Infektionen an der Uni Bonn : Immunisierung geht auf die Nachkommen über

Ein Forscherteam mit Bonner Beteiligung weist an Mäusen nach, dass Anpassungen an Infektionen weitergegeben werden. Dafür ist die epigenetische Forschung wichtig, die Veränderungen der Genfunktion analysiert.

Ob sich die an Tieren gewonnenen Erkenntnisse auch auf die Menschen übertragen lassen, wissen die Forscher noch nicht. „Aber wir gehen davon aus“, sagt Professor Andreas Schlitzer vom Limes-Institut der Uni Bonn. Er gehört zu einem Team der Radboud University (Niederlande) und der Universitäten Bonn, des Saarlandes, Lausanne und Athen, das an Mäusen nachgewiesen hat, dass sich eine Infektion auch auf die Immunisierung nachfolgender Generationen auswirkt. Dafür ist die epigenetische Forschung wichtig, die Veränderungen der Genfunktion analysiert. Die Studie ist im Fachblatt  „Nature Immunology“ erschienen.

Die Wissenschaftler infizierten männliche Mäuse mit Soorpilzen (Candida albicans). Nachdem die Tiere die Infektion überstanden hatten, verpaarten sie sie mit gesunden Weibchen.  Die daraus hervorgegangenen Mäusekinder verglichen die Forschenden mit Nachkommen von Mäusepaaren, die zuvor nicht mit Candida infiziert gewesen waren.

Um den Status  des Immunsystems der Mäuse experimentell zu untersuchen, infizierte das Team die Männchen der nachfolgenden Mäusegeneration dann mit Kolibakterien (E. coli). „Die Abkömmlinge der männlichen Mäuse, die zuvor Candida ausgesetzt waren, waren deutlich besser vor einer nachfolgenden E. coli-Infektion geschützt als die Nachkommen der nicht-infizierten männlichen Mäuse“, berichtet Professor Mihai G. Netea vom Radboud Zentrum für Infektionskrankheiten. Auch in der nächsten Generation habe sich dieser Effekt gezeigt.

Die Forscher wollten herausfinden, wie die Weitergabe der Immunisierung auf nachfolgende Generationen funktioniert. Mit Blick auf typische Immunzellen wie Monozyten oder Neutrophile stellten die Wissenschaftler zwischen den Nachkommen der mit Candida infizierten männlichen Mäuse und der nicht-infizierten Kontrollgruppe keine Unterschiede fest.

Jedoch war bei den Nachkommen der zuvor infizierten Mäuseväter der sogenannte „MHC-Klasse-II-Komplex“ hochreguliert, der Teile des Immunsystems aktiviert. Zudem zeigte sich, dass bei Nachkommen infizierter Väter auch die Aktivität von Genen hochreguliert war, die an Entzündungen beteiligt sind.

Bei den Nachkommen der zuvor mit Soorpilzen infizierten männlichen Mäuse zeigte sich, dass in Monozyten-Vorläufern gewisse Entzündungs-assoziierte Gene besser ausgelesen werden konnten als bei der Kontrollgruppe. „Dies zeigt, dass die Monozyten-Vorläufer des Immunsystems epigenetisch umprogrammiert sind, wenn die Väter zuvor eine Infektion mit Candida albicans durchgemacht haben“, fasst Schlitzer zusammen.