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Uni Bonn: Mathe-Lehramtsstudium zu schwierig für Erstsemester

Klage über hohes Niveau : Erstsemestern ist das Mathe-Lehramtsstudium in Bonn zu schwierig

Erstsemester beklagen das hohe Niveau des Mathe-Lehramtsstudiums an der Uni Bonn. Der Professor für Fachdidaktik, Rainer Kaenders, widerspricht.

Exzellenz in Forschung und Lehre ist gut und schön. Aber was nützt sie, wenn Studenten dabei nicht mitgenommen werden? Schon bei der Kür zur Exzellenz-Universität im vergangenen Jahr hatten Vertreter des AStA deshalb gemahnt, die Mehrheit der Studenten mit Blick auf die Hochleistungsforschung nicht zu vergessen.

Jetzt haben sich Erstsemester für das Mathematik-Lehramt an die Hochschul-Redaktion des General-Anzeigers gewandt. „Schon in den ersten Monaten hat uns die Universität gezeigt, was »Exzellenz« bedeutet“, schreibt die Verfasserin, die lieber anonym bleiben möchte, und beklagt „viel zu anspruchsvolle Vorlesungen mit Bachelorstudierenden und kaum lehramtsspezifische Veranstaltungen, die wöchentliche Abgabe von Übungszetteln, an denen man über zehn Stunden sitzt, und Matheklausuren, in denen mehr als jeder Zweite durchfällt“. Schließlich seien von den fast 100 Mathematik-Lehramtsstudierenden zu Beginn des letzten Wintersemesters nicht einmal 30 übrig. Die Verfasserin ist entsprechend enttäuscht. Sie schreibt: „Dabei wollen wir »nur« Mathelehrer werden, die in Deutschland so dringend gesucht werden.“

Professor Rainer Kaenders kennt derartige Klagen. Kaenders hat in Bonn den Lehrstuhl für Mathematik-Didaktik inne. Tatsächlich – so sagt er – gebe nach dem ersten Jahr die Hälfte der Erstsemester auf. „Allerdings kommen zur allerersten Vorlesung oft auch nur 70 von 100 Studierenden Davon wechseln nach einem Jahr nochmal circa 20 das Studienfach oder entscheiden sich für eine Ausbildung.“ Mathematik sei kein einfaches Studium. „Man muss dafür kein Genie sein, aber es braucht schon mathematische Begabung und Neugier“, erklärt er.

Seit der Wieder-Einführung des Lehramtsstudiums 2011 für Sekundarstufe I und II in Bonn habe die Fakultät aber auch auf die speziellen Bedürfnisse der auf Lehramt Studierenden reagiert, die in Bonn rund ein Drittel der angehenden Mathematiker ausmachen. Im ersten Studienjahr werde deshalb eine Eingangsvorlesung mit sechs Wochenstunden und vier Übungsstunden eigens für Lehramts-Kandidaten angeboten. „Aber ein angehender Mathelehrer soll sich in der Kultur der Mathematik etwas auskennen und auch zumindest eine Vorstellung davon bekommen, wie ein wissenschaftliches Mathematik-Studium aussieht“, sagt Kaenders. Darauf solle er schließlich seine Schülerinnen und Schüler ebenfalls vorbereiten. Um die Jugendlichen in der Schule auf ihrem Kenntnisniveau abzuholen, brauche es ein breites Repertoire an Zugängen. „Es reicht nicht aus, Aufgaben nach Lehrbuch vorrechnen zu können, wenn man Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernprozess ernst nimmt und gegebenenfalls auf ein Studium vorbereiten möchte.“ Deshalb seien weitere Vorlesungen zusammen mit anderen Mathe-Studierenden vorgesehen. So nähmen die angehenden Gymnasiallehrer im vierten Semester an einem Einführungskurs für Bachelor-Studierende teil.

Auch vom Exzellenzcluster in Mathematik profitierten Lehramts-Studierende direkt. Zum Beispiel mit einem größeren Kursangebot und kleinen Übungsgruppen von maximal 20 Personen. An personell weniger gut ausgestatteten Hochschulen könnten die auch schon einmal doppelt so groß ausfallen.

Die Schließung der Uni für Präsenzveranstaltungen in den vergangenen Monaten soll Studierenden jedenfalls nicht schaden. Wer Prüfungen in diesem Sommersemester nicht schafft, der bekommt nach einer Entscheidung des Rektorats einen zusätzlichen Wiederholungsversuch zugestanden. Trotzdem rät Kaenders, sich schon frühzeitig klar zu machen, ob das Fach oder die gewählte Kombination wirklich passt. Kaenders, der selbst vor seiner wissenschaftlichen Laufbahn in allen Schulformen unterrichtet hat, glaubt: „Oft ist auch das Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschule zum Beispiel an der Uni Köln eine alternative Möglichkeit, Mathematiklehrer oder Mathematiklehrerin zu werden, die manchem mehr liegt.“