1. News
  2. Wissenschaft & Bildung
  3. Regional

Patientenkolloquium am 18. August: Uniklinik Bonn berät zu Nierenerkrankungen

Patientenkolloquium am 18. August : Uniklinik Bonn berät zu Nierenerkrankungen

Beim nächsten Patientenkolloquium des Universitätsklinikums Bonn geht es um Funktion und Erkrankungen der Nieren, was die Dialyse leisten kann und unter welchen Umständen eine Transplantation infrage kommt.

Sie liegen unterhalb des Zwerchfells, links und rechts der Wirbelsäule an der hinteren Bauchwand. Und sie leisten dort lebenswichtige Arbeit. Ohne, dass ihnen deshalb besondere Aufmerksamkeit zuteilwürde – solange sie ihren „Job“ nur zuverlässig erledigen. Und die Jobbeschreibung ist umfangreich: Die Nieren reinigen jeden Tag rund 1500 Liter Blut, filtern überflüssige und giftige Stoffe heraus, die mit 1,5 bis 2,5 Litern Urin pro Tag ausgeschieden werden.

Die Nieren regulieren den Blutdruck, den Flüssigkeitshaushalt, das Säure-Basen-Gleichgewicht und den Salzgehalt im Körper. Außerdem produzieren sie wichtige Hormone wie Erythropoetin (Epo), das für die Produktion der roten Blutkörperchen verantwortlich ist, und produzieren „aktives“ Vitamin D zum Einbau von Kalzium in die Knochen.

Wenn es sein muss, kann auch eine Niere allein den Körper versorgen

Dass die Funktionstüchtigkeit der Nieren im Laufe eines Lebens nachlässt, ist normal. Da sie zu zweit sind, gibt es in der Regel genug Reserve, um diese Einbußen zu kompensieren. Und wenn es sein muss, schafft es auch eine Niere allein, den Körper zu versorgen. Aber wenn beide Organe versagen? Was kann die Dialyse – die maschinelle Nierenersatztherapie – leisten, um das (Über-)Leben der Betroffenen zu sichern oder auch die Zeit bis zur Transplantation zu überbrücken? Darüber sprechen Professorin Sibylle von Vietinghoff, Leiterin der Nephrologie an der Medizinischen Klinik I, und Professor Guido Fechner, Leitender Oberarzt der Klinik für Urologie, beim nächsten Patientenkolloquium des Universitätsklinikums Bonn (UKB) am Donnerstag, 18. August, von 18 bis 19.30 Uhr – sowohl im Hörsaal des Biomedizinischen Zentrums I (Gebäude B 13) als auch über das Konferenzportal Zoom.

„Etwa vom 40. Lebensjahr an nimmt die Leistungsfähigkeit der Nieren langsam ab“, erklärt von Vietinghoff. Bei vererbten (Zystennieren), entzündlichen (Schrumpfniere infolge chronischer Infektion sowie Harn-Abflussproblemen) und anderen erworbenen Erkrankungen (Tumor) schreitet dieser Prozess allerdings deutlich schneller voran. Weitere mögliche Ursachen sind Erkrankungen der Blutgefäße (Arteriosklerose) und die dauerhafte, übermäßige Einnahme bestimmter ­­Medikamente (Ibuprofen, Diclofenac). Zu den häufigsten Gründen für chronisches Nierenversagen gehören aber vor allem Diabetes und Bluthochdruck. Bei Letzterem können die Nieren Auslöser und „Opfer“ zugleich sein: Sie erhöhen den Blutdruck, wenn nicht ausreichend Urin filtriert wird, werden aber gleichzeitig von zu hohem Druck geschädigt. Dies erhöht in der Folge den Druck auf die noch intakten Strukturen und so fort – ein regelrechter Teufelskreis.

Zum Verständnis, was die Nieren leisten, wie und wo das geschieht, hilft ein Blick auf die kleinste Funktions­einheit, das Nephron. Es besteht (stark vereinfacht ausgedrückt) aus Nierenkörperchen und einem daran angeschlossenen Tubulussystem. Zum Nierenkörperchen gehören der Glomerulus, ein stark gewundenes und verzweigtes Kapillarsystem, und die doppelwandige Bowman-Kapsel. Sie fängt den in „Erstpressung“ entstandenen Primärharn auf und leitet ihn ins Röhrensystem weiter. Diese Tubuli als auch die im Nierenbecken liegende Henle-Schleife sind beide von Blutgefäßen umschlungen, sodass ein großer Teil der zunächst herausgefilterten Flüssigkeit und wertvolle Bestandteile des Primärharns wie die Elektroylte (Kalium, Magnesium, Kalzium und Natrium) wieder aufgenommen werden.

„Allgemein zugenommen hat auch das Nierensteinleiden“

Die herausgefilterten Giftstoffe und andere Abfallprodukte gelangen als Sekundärharn über die Sammelrohre und Nierenkelche ins Nierenbecken und von dort aus weiter in Harnleiter, Harnblase und Harnröhre. Die Nephrone, rund eine Million pro Niere, sind bei der Geburt angelegt und erneuern sich nicht. Verlieren sie an Leistung, verschlechtert sich die Filterqualität, wodurch größere Eiweißmoleküle in den Urin gelangen. „Diese erhöhte Ausschüttung bezeichnet man als Proteinurie. Es ist ein Hinweis auf eine Verschlechterung der Nierenfunktion, ebenso wie gestiegene Werte des Stoffwechselproduktes Kreatinin und des Harnstoffs im Blut“, sagt von Vietinghoff.

„Allgemein zugenommen hat auch das Nierensteinleiden“, erklärt Fechner und führt dies maßgeblich auf die heutigen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zurück. „Nierensteine stehen in direktem Zusammenhang mit dem Metabolischen Syndrom.“ Dazu zählen Übergewicht, Bluthochdruck sowie Zucker- und Fettstoffwechselstörungen, körperliche Inaktivität, Stress, Rauchen und Alkohol.

Wenn auskristallisierte Bestandteile des Urins in den Harnleiter wandern, kann das sehr schmerzhaft sein und bei einer Nierenkolik auch von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Nierensteine werden heute minimalinvasiv und endoskopisch entfernt oder auch mit Schallwellen zertrümmert. Damit verschwinden auch die Beschwerden – vorausgesetzt, dass Lebensgewohnheiten anschließend konsequent geändert werden.

Niereninsuffizienz jedoch verläuft schleichend und verursacht lange Zeit keine Beschwerden. „Das ist das Tückische daran“, betont von Vietinghoff. „Die Niere stirbt leise.“ Liegt die Leistungsfähigkeit in beiden Organen nur noch bei zehn Prozent oder sogar darunter, wird es lebensgefährlich. Unbehandelt würde dies binnen weniger Tage oder Wochen zum Tod führen. Denn es gelangen dabei immer mehr Giftstoffe in den Blutkreislauf, die die übrigen Organe schädigen, sodass es nach und nach zum Multiorganversagen kommt. Doch schon bei beginnendem Nierenversagen kann die Konzentration der Blutsalze – vor allem des Kaliums – kritisch werden und eine Hyperkaliämie bei einem vorgeschädigten Herzen unter Umständen zum Kammerflimmern und Stillstand führen.

Sind die Nieren so stark geschädigt, dass sie ihre Aufgaben kaum oder gar nicht mehr erfüllen können, ist es mit einer Dialyse (Blutwäsche) trotzdem möglich, weiterzuleben. Man unterscheidet die Hämodialyse und die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse): Bei beiden Techniken wird das Blut gegen eine saubere Lösung gelenkt, um Giftstoffe und Volumen zu entfernen. Bei der Hämodialyse wird es durch ein Gerät geleitet – in der Regel dreimal wöchentlich für vier bis acht Stunden.

„Die Dialyse kann sich einer natürlichen Nierenfunktion aber nur annähern“, hebt von Vietinghoff hervor. Die Nieren arbeiten rund um die Uhr und scheiden dabei permanent Stoffe aus, die nicht vom Körper verwertet werden können. Maschinell erhält die Patientin oder der Patient nur mehrmals für einige Stunden die lebensnotwendige Blutwäsche. Zwischen den Dialysen aber steigt der Gehalt an Wasser, Stoffwechselprodukten und Mineralstoffen im Körper deutlich an.

Wenn die Patientin oder der Patient für eine Nierentransplantation nicht geeignet ist oder diese nicht wünscht, stellt die Dialyse trotzdem eine Behandlungsform dar, mit der ein Weiterleben über viele Jahre möglich ist. „Sie rettet den Betroffenen das Leben, ist aber auch eine zeitaufwendige Behandlung. Sie erfordert viel Mitarbeit der Patienten, zum Beispiel, was Medikamenteneinnahme und Zusammensetzung der Nahrung angeht“, beschreibt von Vietinghoff. Die Dialyse ermöglicht, ohne Nieren weiterzuleben, was sonst ausgeschlossen wäre.