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Uniklinik Bonn: Hirnforschung - Fehlendes Vertrauen verstärkt Einsamkeit

Hirnforschung an der Uniklinik Bonn : Wie fehlendes Vertrauen die Einsamkeit verstärkt

Forscher der Uni Bonn haben untersucht, wie die Aktivität verschiedener Gehirnstrukturen unsere Gefühle beeinflusst. Einsamkeit kann bei einigen Menschen zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen führen.

Fast jeder kennt das schmerzhafte Gefühl der Einsamkeit. Bei einigen ist es eine vorübergehende Empfindung, bei anderen hält sie an, kann mitunter zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen führen. „Ein Grund für stark empfundene Einsamkeit kann mangelndes Vertrauen zu Mitmenschen sein“, erklärt Dr. Dirk Scheele von der Medizinischen Psychologie am Uniklinikum Bonn (UKB).

Der Forscher und sein Team (zu dem auch Wissenschaftler aus Haifa und Hannover zählten) wählten anhand eines Fragebogens 42 Personen aus insgesamt 3678 Erwachsenen aus, die von starker Einsamkeit betroffen sind, aber (und das ist wichtig) nicht an einer psychischen Erkrankung leiden oder in psychotherapeutischer  Behandlung sind.

„Es war uns wichtig, dass unsere Befunde auf die erlebte Einsamkeit zurückzuführen sind und ein Einfluss von psychischen Erkrankungen möglichst ausgeschlossen werden kann”, erläutert die Erstautorin Jana Lieberz aus Scheeles Team. Die Kontrollgruppe bildeten 40 Personen ohne Einsamkeits-Problem.

Neben einigen weiteren Tests absolvierten die Probanden auch Aufgaben im Hirnscanner. Unter anderem spielten sie ein „Vertrauensspiel“. Dabei bekamen sie zehn Euro Startkapital. Anhand von eingeblendeten Fotos sollten sie entscheiden, wieviel Geld sie jeweils mit den gezeigten Menschen zu teilen bereit waren.

Im „Vertrauensspiel“ teilten die Einsamen weniger mit den anderen

Ihnen war bekannt, dass ein Gewinn über das Startkapital hinaus nur dann möglich war, wenn sie es mit anderen teilten. Gleichzeitig mussten sie darauf vertrauen, dass ihre Spielpartner das eingesetzte Geld nicht für sich behielten. „Teilnehmer mit ausgeprägten Einsamkeitsgefühlen teilten weniger mit anderen als die Kontrollgruppe“, erläutert Scheele. „Wir interpretieren das als ein geringeres Maß an Vertrauen.“

Die Forschenden stellten zudem bei Gehirnarealen, die an der Vertrauensbildung beteiligt sind, Abweichungen in der Verarbeitung gegenüber der Kontrollgruppe fest. Dies zeigte sich vor allem in der vorderen Inselrinde, die bei Einsamen weniger aktiv war und sich nicht so ausgeprägt mit anderen Gehirnarealen vernetzte.

Eine wichtige Funktion der Inselrinde besteht darin, die eigenen Körpersignale wie den Herzschlag wahrzunehmen und zu interpretieren. „Außerdem hilft sie dabei, die Reaktionen anderer Menschen richtig zu deuten, etwa die Mimik oder Stimmung – oder die Vertrauenswürdigkeit”, sagt Lieberz.

Laut Scheele kann das Einhergehen von chronischer Einsamkeit und mangelndem Vertrauen dazu führen, „dass man Interaktionen mit anderen als weniger positiv erlebt. Das erschwert den Kontakt und verschärft die Einsamkeitsspirale.“

Derzeit untersucht eine UKB-Studie, ob psychotherapeutische Gruppeninterventionen dabei ein hilfreicher Ansatz sein könnten. Wer teilnehmen möchte, maile bitte an gif2-studie@uni-bonn.de.