Musik- und Literaturwettbewerbe zum Jubiläum des Grundgesetzes So klingen die Grundrechte

Bonn · Zwei Kulturwettbewerbe zum 75-jährigen Bestehen der Bundesrepublik: Das Literaturhaus Bonn rief die Menschen dazu auf, eigene Texte über das Grundgesetz zu schreiben, und der Landesmusikrat NRW fragte: „Wie klingen die Grundrechte?“ Die Ergebnisse werden am 22. Mai präsentiert.

Begeistert von der Sprache der Verfassung:   Die Bonnerin Annika Hartmann hat den Literaturwettbewerb gewonnen

Begeistert von der Sprache der Verfassung: Die Bonnerin Annika Hartmann hat den Literaturwettbewerb gewonnen

Foto: Thomas Kliemann

Welche Erinnerungen, Assoziationen habe ich zum Thema „75 Jahre Grundgesetz“? Wie klingt die Verfassung in meinen Ohren? Das Literaturhaus Bonn und der Landesmusikrat NRW haben in Kooperation mit dem GA einen Text- und Songcontest ausgeschrieben, dessen Ergebnisse am 22. Mai im Bonner Haus der Bildung vorgestellt werden.

Wie klingen Grundrechte? Mit dieser Frage haben sich Musikerinnen und Musiker für den Wettbewerb „Klingende Grundrechte“ beschäftigt. Zahlreiche Einsendungen fanden Antworten auf diese Frage.

Der Musikwettbewerb „Klingende Grundrechte“

Die Jury – bestehend aus Abhilash Arackal (Musik- und Kulturmanager), dem Musiker Lukas Berg, Silke Eilers (Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbundes e. V.), dem Musiker Christian Komorowski, Elke Kuhlen (Direktorin des c/o pop Festivals) und Christine Siegert (Präsidentin des Landesmusikrats NRW) – hat mit einem einhelligen Votum die fünf Preisträger benannt. Die Preise gehen an:

- Eine Fee;

- Iris Lamouyette;

- Marcus Scheltinga feat. Mustafa Zekirov „Hollow Sphere“;

- den Aalto Kinderchor unter Leitung von Patrick Jaskolka; und

- Volker Schiewer.

Der Literaturwettbewerb „Der Souverän Volk ist gefragt“

Insgesamt 23 Texte wurden zum Wettbewerb des Literaturhauses Bonn „Der Souverän Volk ist gefragt“ eingereicht. Dessen Jury – diesmal bestehend aus Aref Hajjaj (Palästina-Forum Bonn), Thomas Kliemann (Feuilletonchef des General-Anzeigers), Susanne König (Leiterin des Kulturamts Bonn), Elis Marder (Jüdische Hochschulgruppe Bonn) und Maren Pfeil (AStA-Kulturticket) – kürte den Text „Auf den Schultern von Riesen“ von Annika Hartmann zum Sieger des Wettbewerbs und schlug weitere vier Texte für die Präsentation vor. Dazu gehören:

- Harald Gesterkamps „Die im Grundgesetz verankerten Grundrechte gelten jenseits aller Ideologien und Traditionen“,

- Sabine Thomas‘ „75 Jahre Grundgesetz“,

- Wolfgang Schneider-Bartholds „Das Grundgesetz wird 75 – Ein Grund zum Feiern?“ und

- Melanie Grabowys Text „Großvaters Zeitung“.

Weitere Texte werden im Rahmen der „ADFC-Grundgesetz-Geburtstags-Radtour“ am 23. Mai verlesen. Beginn ist an diesem Tag um 17 Uhr am Museum Koenig.

Annika Hartmann erzählt von drei Politikstudenten

Die 46-jährige Bonnerin Annika Hartmann erzählt in ihrem Siegertext „Auf den Schultern von Riesen“ (Sie können ihn hier in voller Länge lesen) eine Geschichte über drei Politikstudenten, ihr Leben, ihre Gesprächsthemen und Fragen, ihre Gedanken zum Grundgesetz, ihre Ziele und Träume.

Das Thema des Wettbewerbs hatte sie sofort begeistert. Aber wie es so ist: „Ich habe es immer vor mir hergeschoben.“ Zwei Tage vor Ende der Frist fiel ihr der Wettbewerb wieder ein – und sie begann zu schreiben.

Sie erinnerte sich an die Anfänge ihrer Studienzeit in Bonn. „Es ist ein autofiktionaler Text, die Geschichte von mir und meinen beiden Studienfreunden – natürlich etwas abgeändert“, erzählt sie lachend. „Es war so eine tolle, so bedeutende Zeit, man dachte: Alles ist möglich.“

Gerade in Bonn Politik zu studieren, fand sie spannend: „Wir sind die wichtigen Orte abgefahren.“ Gleich im ersten Semester wurde das Grundgesetz Artikel für Artikel durchgegangen. „Es ist so ein leicht geschriebener Text, eine großartige Verfassung, etwas, worauf man sich einigen kann“, schwärmt Hartmann. „Ich nerve schon meine Kinder, neun und zwölf, damit“. Und sie kann nicht verstehen, dass heute Menschen daran zweifeln.

„Ich war unheimlich stolz, als ich erfuhr, dass ich gewonnen hatte“

Nach dem Studium 2007 machte Hartmann ein Volontariat bei der Bundeszentrale für politische Bildung, arbeitete noch etwas dort. Dann brauchte sie einen Tapetenwechsel, ging zum Bastei-Lübbe-Verlag, arbeitete unter anderem als Lektorin in der Sparte Liebesromane.

Nach 13 Jahren meinte sie, es sei für sie dort alles auserzählt – und sie hatte Lust auf etwas „eher gesellschaftlich Relevantes“. Jetzt arbeitet sie in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in der Bildungskommunikation.

Sie hat an vielen Texten gearbeitet, etwa zusammen mit den Autoren im Verlag, „aber ich habe nie etwas eigenes geschrieben“. „Ich hatte niemandem gesagt, dass ich mich an dem Wettbewerb beteilige, war dann unheimlich stolz, als ich durch die E-Mail erfuhr, dass ich gewonnen hatte.“ Kommentar des Sohnes: „Mama, dann wirst du auf deine alten Tage noch berühmt.“

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