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Alanus-Hochschule seit staatlicher Anerkennung stark expandiert

Alanus-Hochschule seit staatlicher Anerkennung stark expandiert

Kombination aus Kunst, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften sowie neuer Campus bringen weiteren Zulauf

Alfter. Idylle pur. Am Waldrand, inmitten von Pferdekoppeln liegt der Johannishof. Der Wind rauscht leise in den Bäumen. Die Dämmerung senkt ihren Schleier auf das Treiben in Bonn, das von der Anhöhe in Alfter aus gut zu beobachten ist. Leise Musik weht heran.

Nahe der Stadt und trotzdem abgeschieden kann man in dieser friedlichen Ecke ruhig nachdenken und sich von der Natur inspirieren lassen. Eines steht fest: Die Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft hat hier oben einen guten Standort gewählt. Der Name rührt vom Zisterziensermönch Alanus ab Insulis her, der im zwölften Jahrhundert in Frankreich lehrte und wegen seiner Vielseitigkeit auch "doctor universalis" hieß - ein Vorbild für die Studierenden.

Die Gründer hatten sich stark von anthroposophischen Ideen inspirieren lassen. Mit der staatlichen Anerkennung 2002 kam eine stärkere Vielfalt der Ideen zur Ausprägung. "Die Alanus-Hochschule ist heute in dem Sinne keine anthroposophische Hochschule", berichtet der Rektor, Professor Marcelo da Veiga. "Wir haben die anthroposophischen Wurzeln bewahrt und beschäftigen uns philosophisch mit ihren Inhalten." Dies geschehe aber in einem Klima des Pluralismus.

Eine Besonderheit ist, dass die Alanus-Hochschule bildende und darstellende Kunst vereint. Alle künstlerischen Studiengänge haben außerdem ein kulturwissenschaftliches Ergänzungsstudium als Pflichtanteil - das "Studium generale". Studierende haben damit die Möglichkeit, sich etwa mit Kunstgeschichte, Kunsttheorie und Philosophie zu befassen.

Seit dem Jahr 2003 wird der Kernbereich der Kunst durch wissenschaftliche Studiengänge ergänzt, die einen gesellschafts- oder sozialwissenschaftlichen Aspekt haben: Seit 2005 die Betriebswirtschaftslehre und seit dem Wintersemester die Bildungswissenschaft, die ein Lehramtsstudium Kunst und ein Masterprogramm in Pädagogik umfasst. Da Veiga: "Das alles zusammen findet man üblicherweise nicht an Kunsthochschulen."

Eine Besonderheit ist auch der Studiengang Betriebswirtschaftslehre. Weil er alle Anforderungen an ein BWL-Studium erfüllt, hat er auch die Anerkennung von verschiedenen Wirtschaftsverbänden erhalten. "Durch die zusätzlichen künstlerischen und kulturwissenschaftlichen Studienfächer wird der Blick über den Tellerrand, die Kreativität und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel geschärft", ist der Rektor überzeugt.

In Partnerunternehmen - etwa dm-Drogeriemarkt, Weleda und Steinzeug AG - durchlaufen die BWL-Studenten ihre Praxisphasen. "Es zeichnet sich ab, dass es nach dem Studium meist zu einer lückenlosen Übernahme durch die Partnerbetriebe kommen wird", sagt da Veiga. Die Studierenden schließen im Regelfall nach vier Jahren ihr Diplom-Studium ab - im Bachelor-Studiengang Wirtschaft sogar nach drei Jahren.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist für die Absolventen sehr unterschiedlich. "Schauspieler, Tänzer, Bildhauer und Maler können ihren Lebensunterhalt nicht alle durch ihre Tätigkeit als Künstler bestreiten", berichtet der Rektor. "Trotzdem interessieren sich viele dafür." Die Hochschule bemüht sich deshalb, ihre Studierenden für gesellschaftliche Handlungsfelder zu befähigen - etwa Lehramt, Kunsttherapie und Erwachsenenbildung.

"Die Erfahrung zeigt, dass bisher unsere Absolventen insgesamt immer gut untergekommen sind", sagt da Veiga. Der große Boom der Hochschule kam mit der staatlichen Anerkennung im Jahr 2002. "Als diese entscheidende Hürde genommen war, hat eine große räumliche, inhaltliche und personelle Expansion der Alanus-Hochschule stattgefunden", sagt da Veiga. Derzeit verfügt sie über 430 Studierende und knapp 100 Mitarbeiter - davon 35 Professoren.

Da Veiga: "Wir sind aber im Aufwuchs begriffen." In vier Jahren werde die Hochschule voraussichtlich 700 bis 800 Studierende haben, mit Weiterbildungen - etwa zum Handelsfachwirt - sogar 1 000. Die Alanus-Hochschule wurde 1973 von einem Freundeskreis zunächst als Verein gegründet und später in eine gemeinnützige GmbH überführt.

Die überwiegend privaten Gesellschafter haben im Sommer diesen Jahres ihre Anteile der Stiftung geschenkt, deshalb ist die Hochschule nun vollkommen im Eigentum dieser Stiftung. "Wir wollen damit unterstreichen, dass wir keinerlei private Zwecke verfolgen, sondern einen gesellschaftlichen Bildungsauftrag", sagt da Veiga. "Diese Rechtsform ist auch interessanter für Großspenden - steuerlich und weil der Stiftungszweck verlässlich festgelegt ist."

Sämtliche Immobilien der Alanus-Hochschule gehören der Stiftung, deren Vermögen 7,7 Millionen Euro umfasst. Die Trägerschaft der Hochschule liegt bei einer gemeinnützigen GmbH, die eine hundertprozentige Tochter dieser Stiftung ist. Das Haushaltsvolumen beträgt 6,7 Millionen Euro. Die Alanus-Hochschule finanziert sich im wesentlichen aus drei Quellen: Gewerbliche Einnahmen aus Tagungen und Gästehaus, Fördermittel und Spenden sowie Studiengebühren .

Die künstlerischen Studiengänge kosten 280 Euro Studiengebühren pro Monat und BWL 700 Euro. BWL-Studenten können aus einem Darlehensfonds, der von den Unternehmen alimentiert wird, ein zinsloses Studiendarlehen beantragen, das je nach Studienleistung auch ganz erlassen werden kann. Ein weiterer Studienfonds unterstützt bedürftige Studierende der künstlerischen Fächer.

"Wir haben zusätzliche Finanzquellen erschlossen - etwa durch Forschungs- und Entwicklungskooperationen im Kunstbereich sowie Weiterbildungsangebote", berichtet da Veiga. Aus Bonn-Berlin-Ausgleichsmitteln sind etwa zweieinhalb Millionen Euro in Gebäude am Johannishof geflossen. "Wir haben mehr Studierende und auch mehr Studiengänge, deshalb ist eine Erweiterung nötig", sagt der Rektor.

Die Software AG Stiftung finanziert den neuen Campus am Buschdorfer Weg (Bonn-Brühler-Straße) im Alfterer Gewerbegebiet komplett mit zwölf Millionen Euro. Die Alanus-Hochschule mietet dann die Räume. Auf 30 000 Quadratmetern Gelände sollen dort mehrere Gebäude für Studium und Verwaltung entstehen.

"Künstlerische und wissenschaftliche Angebote werden dort gleichermaßen vertreten sein, um sich zu durchdringen", erläutert da Veiga. Grundsteinlegung wird voraussichtlich im Januar sein. Im Gegenzug sollen die gemieteten Räume am Standort Alfterer Schloss aufgegeben werden. "Die künftige Nutzung des Schlosses ist noch unklar", sagt der Rektor.

Neue Studiengänge sind trotz der Expansion nicht geplant. "Zunächst einmal wollen wir konsolidieren", sagt der Rektor. Es werde darüber nachgedacht, die Angebote weiter zu differenzieren - etwa mit einem Master in Heilpädagogik. "Wir wollen im Kern Kunsthochschule bleiben", meint da Veiga.