Das Glück und die Irrtümer Diese Mythen ranken sich ums Glück

Analyse · Macht Geld glücklich? Oder der Traumjob? Oder Kinder? Viele Mythen halten sich beständig. Dabei wird Glück oft nur mit Zufriedenheit verwechselt

6 aus 49:   Ein Lottogewinn gilt als Glücksverheißung schlechthin. Gerade so, als gäbe es keine unglücklichen Millionäre    Foto: DPA

6 aus 49: Ein Lottogewinn gilt als Glücksverheißung schlechthin. Gerade so, als gäbe es keine unglücklichen Millionäre  Foto: DPA

Foto: dpa/Frank May

Schon Aristoteles beschrieb das Glück als „das höchste Ziel des menschlichen Lebens“. Und schon sind wir mitten in der Fragestellung, die auch Legionen von Psychologen, Soziologen und anderen Glücksrittern nie verbindlich aufösen konnten. Ein Grund liegt offensichtlich darin, dass Glück eine Empfindung und damit schwerlich objektiv messbar ist. Hinzu kommen kulturelle, religiöse oder generationenspezifische Unterschiede, die ebenfalls einen unterschiedlichen Blickwinkel mit sich bringen. Eine jeweils herrschende Meinung muss das natürlich nicht davon abhalten, manchen Lebensumstand, der lange Zeit das Glück schlechthin zu verkörpertn schien, als Holzweg zu entlarven.

Müssen Millionäre glücklich sein?

Da wäre die Sache mit dem Geld. Je nach Ausgangslage wird das Glücksempfinden nach dem Millionengewinn unterschiedlich ausgeprägt sein, denn einem ohnehin reichen Menschen bringt er weniger Nutzen als jemandem, der endlich imstande ist, seine Schulden zu bezahlen und über die Runden zu kommen. Dass ein materieller Zustand nicht mit einem Synonym für Glück oder Unglück zu verwechseln ist, beweisen nicht nur jene Lottogewinner, die sich aus purer Überforderung einige Zeit nach dem großen Los das Leben nehmen oder ihr in den Schoß gefallenes Vermögen zumindest heillos verjubeln. Zudem wäre es ein Trugschluss, dass es keine unglücklichen Millionäre gebe. Schließlich hat der Überfluss verlässliche Begleiter wie Gier, Neid oder Verlustangst. Eigens für Neu-Millionäre abgestellte „Gewinnbetreuer“ der Lottogesellschaften haben deshalb zwei Ratschläge in petto: Gegenüber anderen erst einmal die Klappe halten – und idealerweise auch selbst möglichst oft gar nicht an den erlebten Geldsegen denken.

Das Glück liegt in der Hoffnung

In ihrem Buch über das Lottoglück kommen die Autoren Christoph Lau und Ludwig Kramer übrigens zu der Erkenntnis, das Glück dabei liege gar nicht so sehr im Riesengewinn, sondern vielmehr in der Hoffnung, weil der Lottospieler das rational Unmögliche in den Rang des Erreichbaren erhebt und die Hoffnung bereits mit der nächsten Ziehung erneut am Horizont heraufzieht, sodass sich das „eigentliche Lottoglück vor der Ziehung erschließt“.

Eine andere These geht davon aus, dass es die Gene sind, die darüber entscheiden, ob jemand glücklich wird. Zumindest zu 50 Prozent, so schreiben Medizinier und Psychologen, bestimmten genetische Veranlagung und angeborene Persönlichkeitsmerkmale darüber mit, ob jemand eher zu einem positiven oder negativen Weltbild neige. 40 Prozent hat man Forschungen zufolge selbst in der Hand, etwas für sein Glücksempfinden zu tun.

Gerade die Kehrseite gerät auch bei anderen Glücksverheißungen gern in Vergessenheit: Wer Ziele verfolgt, sei glücklicher, heißt es – ohne daran zu denken, was somit das Nichterreichen zur Folge hat. Wer behauptet, Kinder seien das größte Glück, macht damit seinem Nachwuchs, seiner Familie und vielleicht sich selbst ein schönes Kompliment und minimiert zugleich die Angst vor Einsamkeit im Alter – verdrängt aber zugleich all die Arbeit, Kosten, Verantwortung und Sorgen, die Kinderlosen erspart bleiben. Und auch mit dem vermeintlichen Traumjob ist es so eine Sache: Schließlich gehen internationale Studien davon aus, dass die Lebensumstände rund zehn Prozent der Faktoren zum Glücklichsein ausmachen, sodass sich berufliche Glücksverheißungen doch arg relativieren.

Man müsse dem Glück ein Stück entgegen gehen, mahnen in einem vielstimmigen Chor Werbung, Bausparkassen, Reiseveranstalter und Datingplattformen. Und manchmal sind genau sie es, die bloß den Blick aufs Glück verstellen. Und dann ist da noch das Thema Schokolade: Macht sie glücklich? Schon, sagen Forscher mit Blick auf das Glückshormon Serotonin, von dem ein Baustein im Kakao steckt. Schwerer wiegt beim Schokoladeessen jedoch das Glücksgefühl der Belohnung an den Körper, ausgelöst von den vielen Kalorien. Und die führen beim Blick in den Spiegel allzu oft dazu, dass man gar nicht mehr so glücklich ist.

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