Krafttraining hält auch im Alter fit

Forscher der Uni Bonn testen an Senioren die Effizienz der Trainingsmethoden

Bonn. Jenseits der 60 geht es bergab mit den Kräften - so die landläufige Meinung. Sogar die einfachen alltäglichen Dinge fallen zunehmend schwerer. Mit dem Kraftverlust geht auch ein erhöhtes Sturz- und Verletzungsrisiko einher. Doch dies ist keine unabänderliche Alterserscheinung, zeigen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Anika Stephan vom Institut für Sportwissenschaft und Sport der Uni Bonn testet ab Februar anhand eines zehnwöchigen Krafttrainings für Senioren die Effizienz unterschiedlicher Trainingsmethoden.

Zwar gibt es dazu bereits Studien, doch das Interesse an den Zusammenhängen zwischen körperlicher Aktivität und dem Alterungsprozess entspricht nach Überzeugung von Professor Heinz Mechling noch lange nicht der Bedeutung dieses Themas. Wurden früher hauptsächlich biologische Ursachen als Erklärung für den Kraftverlust im Alter herangezogen, sei heute klar, dass ebenso körperliche Inaktivität den Kräfteverfall beschleunige.

Ohne Muskeltraining verliert der Mensch im Verlaufe seines Lebens über ein Drittel seiner Muskulatur und Kraft. Die Muskeln werden dünner, schwächer und ermüden auch schneller. Bemerkbar macht sich dies etwa ab 50 Jahren. Von diesem Zeitpunkt an gehen laut Forschung pro Jahrzehnt etwa 15 Prozent Muskelkraft verloren, nach dem 70. Lebensjahr sogar 30 Prozent.

Untersuchungen mit älteren Menschen belegen indes eine gute Trainierbarkeit. So konnten in einer Studie mit einem 16-wöchigen Krafttraining die Beinmuskulatur um 40 bis 44 Prozent gestärkt werden. Durch regelmäßiges Training verfügen Menschen im Alter von 70 Jahren demnach über annähernd die gleiche Muskelmasse wie Untrainierte 30-Jährige. Dabei ist dieses Muskelkrafttraining nicht zu verwechseln mit dem leistungssportlich orientierten. Das Training sei nicht sehr zeitaufwändig, erfasse aber dennoch den gesamten Organismus, so die Forscher. Damit werde eine sehr breite gesundheitliche Wirkung erreicht.

Medizinisch wichtige Effekte seien die Erhöhung der Knochendichte und des Anteils der Muskulatur am Körpergewicht. Bei Knie- oder Rückenbeschwerden konnte, selbst wenn Gelenke oder Wirbelsäule bereits geschädigt waren, durch Muskeltraining eine wesentliche Verminderung der Beschwerden und eine bessere Beweglichkeit erreicht werden, zeigen Studien. Nach den Erkenntnissen der Forscher regt moderates Muskeltraining auch den Stoffwechsel an und reduziert den Körperfettanteil durch einen erhöhten Kalorienverbrauch. Auch konnte die Risikoanfälligkeit für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten sowie das Körpergefühl positiv beeinflusst werden.

In der Bonner Studie sollen nun die Effekte zweier verschiedener Trainingsmethoden auf das Kraftniveau älterer Menschen verglichen werden: Beim klassischen Dreisatztraining besteht ein Satz jeweils aus einer Kraftübung, die unterbrochen durch Pausen dreimal hintereinander durchgeführt wird. Beim Einsatztraining dagegen wird die Übung nur einmal ausgeführt, allerdings langsamer. In der Sportwissenschaft ist umstritten, welche Methode ein besseres Training bietet. Wie sich das bei älteren Menschen verhält, ist nach Einschätzung der Bonner Wissenschaftler noch weitgehend unbekannt.

Anika Stephan: "Sollte sich das Einsatztraining als ebenso effektiv wie das Dreisatztraining erweisen, bedeutet dies neben einer deutlich verkürzten Trainingszeit auch eine reduzierte Belastung und Schonung für den Bewegungsapparat." Die Teilnehmer der Studie kommen zehn Wochen lang zwei Mal wöchentlich zu einem etwa 45-minütigen Training in die Sporthalle der Pädagogischen Fakultät.

Interessenten für die kostenlose Teilnahme an dem Krafttraining können sich ab sofort melden: Frauen bei Anika Stephan, Telefon (0 22 41) 92 49 10, und Männer bei Jens Rußkowski, Telefon (0174) 2 12 27 74.

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