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Sankt Augustin: Matthias Jarke ist neuer "Fellow" der weltgrößten Fachvereinigung für Informatik

Sankt Augustin : Matthias Jarke ist neuer "Fellow" der weltgrößten Fachvereinigung für Informatik

Die Geschichte der Informatik als Hochschulfach begann Ende der 50er Jahre in den USA. In Deutschland ist die Lehre von der systematischen Informationsverarbeitung erst seit Ende der 60er Jahre vertreten.

Dass die deutsche Informatik-Forschung bis heute international anerkannt ist, ist unter anderem Professor Matthias Jarke zu verdanken, dem Leiter des Fraunhofer-Institutes für Angewandte Informationstechnik (FIT) in Sankt Augustin: Der 61-Jährige zählt zu den herausragenden deutschen Computerwissenschaftlern.

Nun wurde er von der weltgrößten Vereinigung für Informatik, der Association for Computing Machinery (ACM), zum "Fellow" (Mitglied) ernannt. Unter den fünfzig neuen "Fellows 2013" ist Jarke der einzige deutsche Wissenschaftler und erst der zehnte Deutsche überhaupt seit dem Start des Programms.

"Die Auszeichnung ist eine große Ehre. Es freut mich, dass die deutsche Informatik auch in den USA auf diese Weise wieder sichtbarer wird", sagt Jarke, der als Autor mehrerer Bücher und von über 300 Zeitschriftenartikeln und Konferenzbeiträgen zu den meistzitierten deutschen Informatikforschern gehört.

Politisch hat sich der Wissenschaftler ebenfalls verdient gemacht: Als Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI) von 2004 bis 2007 war er Mitinitiator und wissenschaftlicher Gesamtkoordinator des "Wissenschaftsjahres 2006 - Informatik".

Die Leidenschaft zur Informatik begleitete Jarke schon zu Beginn seines Studiums. Er absolvierte in Hamburg ein Doppelstudium Informatik/BWL und wurde nach seiner Promotion mit nur 28 Jahren auf eine Wirtschaftsinformatikprofessur an der Stern School of Business der New York University berufen. "Das war eine tolle und wichtige Zeit in meinem Leben", sagt Jarke: "Ich hatte viel Forschungsfreiheit und konnte viele internationale Kontakte knüpfen."

Seit seiner Berufung an die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen im Jahr 1991 und an das FIT im Jahr 2001 beschäftigt der Experte sich vor allem mit der Entwicklung von Datenbanken, Informationssystemen und der Erforschung des "Anforderungsmanagements". Bereiche, von denen fast jeder betroffen ist.

Denn im Rahmen von IT-Großprojekten, wie etwa der Einführung der Lkw-Maut, werden oft neue Technologien eingesetzt, die erst im Projekt entwickelt oder ausgereift werden müssen. Jarke erläutert: "Das Anforderungsmanagement ist die systematische Einbeziehung der zukünftigen Benutzer und hat quasi die Aufgabe herauszufinden, ob die Neuerung, die in ein System eingeführt wird, hinterher auch von den Benutzern angenommen wird."

Jarkes Vision ist eine Informatik, die als Innovationsmotor eng verzahnt mit der deutschen Industrie und der Gesellschaft arbeitet: Nur dann könne Deutschland wettbewerbsfähig bleiben. "Das Ziel ist, eine Softwarearchitektur zu schaffen, die die Energieeffizienz steigert, die Emissionen reduziert und die Arbeitssituation der Menschen wesentlich verbessert."

Hierzu wirkte Jarke auch wesentlich an der Gründung des "B-IT" mit, des "Bonn-Aachen International Center for Information Technology" - das Pionierprojekt soll als gemeinsame zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Bonn, der RWTH Aachen, des Fraunhofer-Instituts in Sankt Augustin und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg Studiengänge der angewandten Informatik auf Eliteniveau internationalisieren.

"Es gab eine Zeit, da kamen nur wenig gute ausländische Studierende nach Deutschland", sagt Jarke. "Wir bilden uns ein, daran mitgewirkt zu haben, dass sich das geändert hat."

Die ACM wird die Fellows 2013 auf ihrem jährlichen Awards-Bankett am 21. Juni 2014 in San Francisco offiziell anerkennen.

Was ist die ACM?

Die Association for Computing Machinery (ACM) entstand 1947 und ist heute mit rund 80.000 Mitgliedern in über 100 Ländern die größte internationale Fachgesellschaft für Informatik. Zu "Fellows" ernennt sie Informatiker, die durch außerordentliche Forschungsleistungen bedeutende Innovationen gefördert haben.