Perfekter Gastgeber Wie Sie Wein richtig lagern, servieren und trinken

Berlin/München · Wer Spitzenweine erkennen und servieren will, braucht Wissen und Erfahrung. Diese Weinkunde gibt Ihnen alle Informationen, die Sie brauchen.

Beim "atmen" wird der Wein weicher im Geschmack und intensiver im Aroma.

Beim "atmen" wird der Wein weicher im Geschmack und intensiver im Aroma.

Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Von Barrique bis Karaffieren: Die Welt der Weine klingt wie eine Wissenschaft. Weinprofis erklären die wichtigsten Schritte - wie Sie zum Experten und perfekten Gastgeber werden.

Was zeichnet einen guten Wein aus?

Zugegeben eine philosophische Frage. Entsprechend vielfältig sind die Antworten der Weinexperten:

  • „Wenn es ein Wein schafft, dass ich am nächsten Tag noch an ihn denke“, sagt Anja Schröder, die in Berlin die Fachhandlung Planet Wein betreibt.
  • „Guter Wein ist in sich ausgewogen und hat einen Nachhall“, sagt Marc Almert, der 2019 als zweiter Deutscher die Weltmeisterschaft der Sommeliers gewonnen hat.
  • „Früher sagte ich: Wenn er vielschichtig ist“, erzählt Sommelière Natalie Lumpp, die durch viele Fernsehauftritte bekannt ist. „Heute ist für mich ein Wein gut, wenn man den Alkohol nicht dominant schmeckt.“

Woran erkenne ich einen Spitzenwein?

1. Berühmte Namen

Der einfachste Ansatz wäre, sich an die berühmten Namen zu halten. Icon Wines werden all jene altehrwürdigen Weine genannt, die oft als Statussymbol gekauft werden - oder als Geldanlage. „Es ist ein Irrglaube, dass ein Wein für 200 Euro automatisch gut schmeckt“, sagt Natalie Lumpp. Wie bei einem Mercedes bezahle man viel für die Marke, so Anja Schröder.

2. Preis

Natürlich ist der Preis dennoch ein Indiz. „Ein Wein, der 50 oder 60 Euro kostet, hat schon ein unfassbares Maß an Qualität“, sagt Schröder. Die Topweine aus Burgund und Bordeaux können bis zu 100 Euro kosten - danach passiere am Gaumen nicht mehr viel.

Selbst Discount-Supermärkte haben mittlerweile manchmal Weine der rund 200 Winzer im Regal, die sich im Verband Deutscher Prädikatsweingüter zusammengeschlossen haben. „Der VDP ist fast ein Garant für Qualität“, sagt Silvio Nitzsche, den das Weinmagazin „Falstaff“ zum Sommelier des Jahres 2021 gekürt hat.

3. Beratung

Käufer im Supermarkt sind oft von der Auswahl überfordert. Natalie Lumpp empfiehlt deshalb, sich im Weinladen beraten zu lassen. „Der Geschmack ist unterschiedlich und verändert sich. Wer anfängt, will meist weiche, runde Rotweine.“ Später schätze man Ecken und Kanten.

Tipp: „Suchen Sie sich einen Weinhändler und seien Sie ehrlich“, rät Anja Schröder. „Sagen Sie ruhig: Ich hab keine Ahnung, hilf mir. Dafür sind wir da.“

Es muss nicht immer ein Spitzenwein sein.

Es muss nicht immer ein Spitzenwein sein.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/dpa-tmn

Welche Zertifikate und Auszeichnungen bürgen für Top-Qualität?

Einen weltweiten Wein-Oscar gibt es nicht - dafür aber „eher zu viele Wettbewerbe“, sagt Silvio Nitzsche, der Inhaber der Weinkulturbar in Dresden. Beispiele in Deutschland sind:

• die Awards von Meininger

• Feinschmecker

• die Berliner Wein Trophy

Manche würden von Marketing-Agenturen veranstaltet, sagt Anja Schröder in ihrer Webweinschule, die Teilnahme kostet Geld. Im Gegenzug würden inflationär Goldmedaillen verliehen.

Seriöser sind laut Holger Schwarz, Inhaber der Weinhandlung Viniculture in Berlin, die englischsprachigen Weinmedien:

• Jancis Robinson

• Decanter

• Wine Spectator

• Wine Advocate

„Wenn man aus ihren Punkten einen Durchschnitt errechnet, bekommt man sicher einen für Geübte guten Wein.“ Ob diese Weine einem Einsteiger schmecken, sei aber eine andere Frage.

Gut zu wissen: „Falstaff-Punkte bilden nur das Geschmacksurteil eines Verkosters ab“, erklärt Nitzsche. „Eine hohe Punktzahl heißt nicht, dass der Wein jedem schmeckt.“

Beim berühmten Weinkritiker Robert Parker beispielsweise müsse man wissen, dass dessen Herausgeber kraftvolle Bordeaux-Weine bevorzuge.

Aussagekräftiger findet Marc Almert Noten, die von einer Jury aus mehreren Verkostern vergeben wurden: zum Beispiel die 100-Punkte-Skalen des britischen Weinmagazins Decanter oder das 20-Punkte-System des Vinum Profipanels.

Gut zu wissen: Titel wie Qualitätswein oder Prädikatswein „kann man knicken“, sagt Holger Schwarz. Sie würden vor allem nach dem Mostgewicht vergeben, also dem Zuckergehalt der Trauben. Mehr als Mindestansprüche müssten die so geadelten Weine nicht erfüllen, sagt auch Silvio Nitzsche.

Schon gewusst? Ein Gütesiegel für deutsche Weine ist der Traubenadler des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Er ist als Piktogramm auf die Kapsel aller Weine der rund 200 Mitglieder gedruckt.

Die vier Qualitätsstufen des VDP stehen auf der Kapsel. Aufsteigend heißen sie:

  • Gutswein
  • Ortswein
  • Erste Lage
  • Große Lage

Was bringen Wein-Apps?

  • Marc Almert findet die App Vivino (für iOS und Android erhältlich) praktisch. „Damit kann ich Etiketts scannen, sehe Infos und Bewertungen und kann Favoriten speichern. So kann ich eine Sammlung aufbauen und meine Vorlieben herausfinden.“
  • Mit der Lernapp Wein-Plus Glossar (für iOS und Android erhältlich) lässt sich Wein-Wissen aufbauen.
  • Mit Apps wie Kellermeister (für Android erhältlich) können Sammler ihren Weinkeller ordnen und verwalten.
  • In der englischsprachigen App Cellartracker finden Sammler Rezensionen zu drei Millionen Weinen (für iOS und Android).

Wie werde ich zum Weinkenner?

1. Riechen: „Das Wichtigste ist, allgemein an seinem Geschmack und Geruch zu arbeiten“, sagt Marc Almert. Den Geruch verwelkender Rosen zum Beispiel müsse man kennen, um ihn in einem Wein nachvollziehen zu können. Angeborenes Talent sei nicht entscheidend.

Zwar haben Menschen unterschiedlich viele Geschmacksknospen auf der Zunge, es gibt Superschmecker und Schmeckblinde. „Aber jeder, der zwischen Erbsen und Kartoffeln unterscheiden kann, schmeckt auch die Unterschiede zwischen Spätburgunder von der Ahr und Shiraz aus Australien“, sagt Almert.

2. Probieren: Das beste Geschmackstraining sei bewusstes Trinken, sagt Silvio Nitzsche. Schmeckt eine Rebsorte, so solle man diese aus verschiedenen Ländern probieren - und sich dann „von Rebsorte zu Rebsorte hangeln“.

Manche Rebsorten wie Chardonnay oder Cabernet Sauvignon könnten sehr verschieden schmecken, erklärt Almert. Je mehr Weine von der gleichen Sorte man probiere, desto leichter bemerke man die Unterschiede.

3. Austauschen: Wer seinen eigenen Geschmack kennt, kann einem Weinkritiker mit ähnlichen Präferenzen folgen. Silvio Nitzsche empfiehlt zudem, sich Verbündete zu suchen, zum Beispiel über soziale Medien. Und sich dann über Weine zu unterhalten.

„Es ist wichtig, seinen Geschmack in Worte zu fassen und von den Wahrnehmungen anderer zu lernen.“ Entscheidend seien dabei Mut und Freigeistigkeit.

Ein weiterer Vorteil: Man kann der Weinhändlerin oder dem Sommelier im Restaurant genau sagen, was man will.

Welche Weine sind derzeit am teuersten?

Ganz oben stünden derzeit legendäre Weingüter im Burgund, sagt Marc Almert. Für Top-Jahrgänge der Domaine de la Romanée-Conti bezahlen Sammler fünfstellige Beträge. Es geht aber noch exklusiver.

Das Auktionshaus Christie's versteigerte eine Flasche Grand Cru des Château Pétrus, die zuvor 14 Monate auf der Weltraumstation ISS gereift war. Schätzpreis: 830 000 Euro.

„Teurer Wein wird komplizierter, aber für Nicht-Kenner nicht unbedingt leckerer“, warnt Silvio Nitzsche. „Man muss sich intensiver damit beschäftigen und kann auch verunsichert werden.“

Mehrere Tausend Euro pro Flasche kosten auch die G-Max Rieslinge von Klaus-Peter Keller aus Rheinhessen. Die Nachfrage ist trotzdem so groß, dass die Flaschen - wie bei den Icon Wines aus Bordeaux und Burgund - nur wenigen Händlern in kleinen Zahlen zugeteilt werden.

Die meisten kauften solche Weine als Geldanlage, sagt Anja Schröder. Getrunken würden sie nur noch in exklusiven Oligarchen-Kreisen - „was total schade ist“.

Welche Jahrgänge sind besonders gut?

Grundsätzlich spiegelt ein Jahrgang den Wetterverlauf wieder. Wie liefen Blüte und Reife? Hatten die Rebstöcke genug Feuchtigkeit? Haben Schädlinge und Fäulnis Probleme bereitet?

Für Anja Schröder sind eine schöne Säure und Frucht sowie das Lagerpotenzial entscheidend. 2015 und 2018 beispielsweise seien extrem gute Jahre gewesen.

„Für den gewöhnlichen Weintrinker spielt der Jahrgang aber keine Rolle“, sagt Yvonne Heistermann. Denn die Winzer von heute schaffen auch in schwierigen Jahren tadellose Weine.

Nur bei oft älteren Spitzenweinen zählt auch der Jahrgang. „Die meisten, die ihren Lieblingswein gefunden haben, trinken sowieso jüngere Jahrgänge“, sagt Heistermann.

Welche Begriffe sollten Sie kennen?

Einige Begriffe im Überblick:

  • Der Körper beschreibt die Textur des Weins. „Wenn wir ihn wie Wasser im Mund wahrnehmen, ist ein Wein schlank“, erklärt Andreas Slepitzka, der bei „einfach geniessen“ in München Weinseminare leitet. „Ist er wie Pfirsichnektar, haben wir einen vollen, barocken Körper.“
  • Die Komplexität meint die Vielfalt an verschiedenen Aromen.
  • Als Abgang wird der Nachgeschmack des Weins bezeichnet. Sommeliers sprechen heute lieber von Nachhall oder Finale. Dabei gilt: je länger, desto hochwertiger.
  • Die Mineralik sei im Abgang eher spürbar als schmeckbar, erklärt Anja Schröder in ihrer Webweinschule. Ein „dezent kratziger Eindruck von seidigem Schmirgeln“, der als Qualitätskriterium gilt.

Wie sinnvoll sind Weinseminare?

Besonders in Großstädten werden heute eigene Seminare zu Rotweinen, Weißweinen und Schaumweinen, zu Wein und Käse oder Wein und Schokolade angeboten. Für Anfänger können sie ein guter Einstieg sein.

Beim Grundkurs von „einfach geniessen“ in München beispielsweise raten die Teilnehmer anfangs Düfte aus sechs verschiedenen Gläsern. Alle seien typische Weinaromen, erklärt der Seminarleiter und Winzer Andreas Slepitzka:

  • Süßholz wie bei gereiften Weißweinen
  • Wacholder wie bei Syrah
  • Himbeere wie beim Spätburgunder
  • Paprika wie bei Cabernet Sauvignon
  • Mango wie bei Weißweinen aus warmen Ländern
  • Schwarze Johannisbeere wie bei vielen Rotweinen

Beim parallelen Verkosten mehrerer Weiß- und Rotweine lernen die Schüler dann später, die Aromen zu benennen - was mit jedem Glas mehr auch zu mehr Erheiterung führt.

Welche Gläser für welche Weinsorten?

Jens Priewe listet in seinem Buch „Wein. Die große Schule“ acht verschiedene Weingläser auf, zum Beispiel:

Ein langer Stiel verhindert, dass sich der Wein durch die Hand erwärmt.

Ein langer Stiel verhindert, dass sich der Wein durch die Hand erwärmt.

Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
  • schmale, tulpenförmige Gläser für Champagner und Schaumweine, in denen sich Schaum aufbauen kann
  • kleine, eher schmale Gläser für leichte Weißweine, in denen sich das blumig-fruchtige Aroma konzentriert
  • bauchige, große Gläser für schwere Rotweine, die atmen müssen

So viel Platz im Schrank haben die wenigsten. „Ich finde, dass man mit zwei Gläsern zurechtkommt“, sagt Marc Almert:

1. ein längliches Universalglas für Weißwein, Schaumwein und Rosé

2. ein runderes Glas für alle Burgunder, die mehr Luft brauchen zum Entfalten

Tipp: Fürs Picknick im Park oder am See empfehlen sich Gläser ohne Stiel, die bauchig wie ein Kelch geformt sind. Plastik ist zwar nicht ideal, aber immer noch besser als Pappbecher.

Wo fassen Kenner das Weinglas an?

„Immer am Stiel“, schreibt Jens Priewe. Den Kelch zu umklammern, ist ein Tabu. Denn so bleiben Fett-Tapser auf dem Glas, zudem erwärmt sich der Wein schnell.

Wie viel Wein schenken Profis ins Glas?

Weingläser sollten maximal zu einem Drittel gefüllt werden, sagt Yvonne Heistermann. Wenn das Glas zu voll ist, kann man es nicht mehr schwenken.

Jens Priewe rät, Rotweine in großen, bauchigen Gläsern maximal bis zur breitesten Stelle einzuschenken. So könne sich das Aroma am besten entfalten. Weißwein lasse sich auch bis zur Hälfte eingießen.

Welche Weine servieren Kenner in einer Karaffe?

Zunächst sind zwei Fachbegriffe voneinander zu unterscheiden:

Durch das Dekantieren wird der Bodensatz vom Wein getrennt.

Durch das Dekantieren wird der Bodensatz vom Wein getrennt.

Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
  • Beim Dekantieren wird der Wein von seinem Bodensatz getrennt. Dafür wird ein sogenannter Dekanter verwendet. Diese Maßnahme ist nur bei älteren, strukturierten Weinen angeraten. Gereifte Rotweine lassen sich mit einem feinen Sieb vom Satz trennen. Aber das ist erst nach 10 oder 15 Jahren der Lagerung notwendig.
  • Beim Karaffieren wird der Wein aus der Flasche in ein anderes Gefäß gegossen, damit er mehr Sauerstoff bekommt. Dieses Umfüllen in eine Karaffe mag wie ein schnöseliges Ritual wirken. Doch bei manchen Weinen bringt es große Vorteile.

Junge, strukturierte Weine entfalten ihre Aromen erst richtig, wenn sie Luft bekommen. Über den schmalen Flaschenhals aber könne der Wein kaum atmen, erklärt Natalie Lumpp. „Auch wenn ich ihn zwölf Stunden vorher öffne.“ Sie empfiehlt deshalb eine Karaffe mit breitem Boden, wodurch der Wein viel Sauerstoff aufnimmt.

Wichtig ist das Karaffieren vor allem bei jungen Rotweinen mit viel Tannin. Die Gerbstoffe und Holznoten werden durch die Oxidation am Gaumen weicher. „So schmecken sie gleich wie zwei Jahre länger gereift“, sagt Lumpp.

Aber auch manche Weißweine, zum Beispiel im Holzfass ausgebaute Burgunder oder Große Gewächse mit Lagerpotenzial, profitieren. Ein weiterer Vorteil: In Kontakt mit der Luft verfliegen einige Böckser, wie Experten alle möglichen Weinfehler nennen.

Bei günstigen Weinen unter fünf Euro bringt das Umfüllen in eine Karaffe dagegen nichts. Das gilt auch für junge, leichte Weine, die wenig komplex sind.

Tipp: Wer keine Karaffe benutzt, kann zumindest darauf achten, eher größere als kleinere Gläser zu nutzen, rät Heistermann. Auch das bringt die Aromen des Weines eher zur Geltung.

Bei welcher Temperatur schmeckt welcher Wein am besten?

  • Weißweine sollten bei etwa sieben bis neun Grad getrunken werden, sagt Heistermann.
  • Bei Rotweinen sind je nach Sorte und Ausbau 16 bis 18 Grad perfekt.

Ein hartnäckiges Missverständnis ist, dass Rotwein bei Zimmertemperatur serviert werden soll. Es stamme aus der Zeit, als in zugigen Schlössern 18 Grad als Luxus galten, erklärt der Weinblogger Felix Bodmann in der Webweinschule.

Zu warm schmecke Rotwein schnell brandig, warnt Andreas Slepitzka. Der Alkohol steche heraus. Für die perfekte Temperatur empfiehlt er eine Manschette mit Gradanzeige.

Generell gilt: „Den Wein lieber etwas kälter auf den Tisch bringen, weil er sich dort erwärmt“, rät Heistermann.

Was ist vom Express-Kühlen im Gefrierschrank zu halten?

Das ist zumindest kein No-Go. „Ich würde behaupten: Wenn man einen Wein aus dem Kühlschrank und einen schockgekühlten Wein am Ende mit der gleichen Temperatur trinkt, schmeckt man den Unterschied nicht heraus“, sagt Heistermann. Lediglich ältere Weine sollte man nicht ins Gefrierfach tun. Sie können Aromen einbüßen.

Was bringt das Schlürfen?

Das lautstarke Einsaugen und Gurgeln mancher Profis mag albern und affektiert wirken. Aber es kann durchaus etwas bringen, weil dabei Luft an den Wein kommt.

„Manche haben das Gefühl, dass sich durch den Sauerstoff die Aromen besser entfalten“, sagt Heistermann. „Ich kenne aber auch viele Verkoster, die nicht schlürfen müssen, um den Geschmack eines Weines beurteilen zu können.“

Wichtig sei, dass man den Wein im ganzen Mund kreisen lasse, sagt Natalie Lumpp. „Damit alle Geschmackspapillen erreicht werden. Man muss aber nicht laut schlürfen.“

Wie schlürft man richtig?

„Sodass der Wein im Mund bleibt“, sagt Marc Almert. Es gehe dabei auch darum, Tannin und Säure wahrzunehmen.

Woran erkenne ich Weinfehler?

Jens Priewe zählt in seinem Buch diverse Weinfehler auf, zum Beispiel:

  • Stinkt der Wein nach dem Öffnen faulig, sprechen Kenner vom Reduktionsbouquet. Nach dem Einschenken oder Dekantieren verfliegt der Geruch aber.
  • Besonders edelsüße Weine riechen manchmal nach Nagellack.
  • Im Holzfass gelagerte Rotweine, die nach Kuhstall oder Pferdeschweiß riechen, haben Brettanomyces, kurz Brett - einen Hefestamm, der sie untrinkbar macht.

Der mit Abstand häufigste Fehler aber ist, dass der Wein korkt. Um das zu bemerken, braucht man keine feine Nase - es riecht eindeutig muffig und erdig.

Allerdings sei die Zahl der Korkschmecker stark zurückgegangen, weil die Korkproduzenten sorgfältiger heute viel arbeiteten, berichtet Heistermann.

Wie lagere ich Wein am besten?

Fünf Tipps für das perfekte Lagern von Weinen:

1. Der Ort

Wein gehört in den Keller, so will es die Tradition. Tatsächlich seien alte Gewölbe von Natur aus perfekt zum Lagern, sagt Christian Ress, der Gründer der Winebank. Denn sie sind:

• dunkel

• kühl

• feucht

2. Die Temperatur

Optimal seien 12 Grad, sagt Natalie Lumpp. „Über 20 Grad gelagerte Weine bauen schon nach einem halben Jahr ab.“

Noch wichtiger als die Kühle aber ist eine konstante Temperatur. Schwankt die Temperatur, dehnt sich der Wein bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte wieder zusammen - und pumpt so Luft rein und wieder raus.

Die Folge: Der Wein oxidiert und altert. „Besonders feine Fruchtaromen leiden“, erklärt Ress. „Die Weine werden unharmonisch, sie verlieren Frische, ihre Säure wird weniger intensiv.“

3. Die Umgebung

Um den Gasaustausch gering zu halten, sollte der Lagerort zudem erschütterungsfrei sein. Auch UV-Strahlen lassen den Wein altern, und zwar schon nach Wochen.

4. Die Luftfeuchtigkeit

Um den Korken geschmeidig und die Flasche damit dichtzuhalten, sollte die Luftfeuchtigkeit zwischen 65 und 70 Prozent liegen. Ist es feuchter, könnten die Etiketten schimmeln, warnt Ress.

5. Die Position

Auch das liegende Lagern soll den Korken davor schützen, spröde zu werden. Bei Flaschen mit Schraubverschluss dagegen ist es laut Ress für den Inhalt egal, ob sie stehen oder liegen und wie feucht die Luft ist. Übrigens werden längst auch Spitzenweine mit Schraubverschluss verkauft.

Alternative Orte zum Keller

Wer keinen Keller hat, lagert seinen Wein am besten unter dem Bett. „Dort ist es dunkel, und das Schlafzimmer ist meist der kühlste Raum der Wohnung“, erklärt Almert. Die Umgebung sollte auf jeden Fall geruchsfrei sein.

Ambitionierten Weinsammlern rät Ress zum Kauf eines Weinkühlschranks, bei dem sich das perfekte Klima exakt einstellen lässt. Denn die Betonkeller moderner Häuser seien oft trocken und warm.

Zwei Tipps:

  • In Großflaschen von Magnum (1,5 Liter) bis Nebukadnezar (15 Liter) reift Wein langsamer.
  • Angebrochene Flaschen stellt man am besten in den Kühlschrank - auch Rotwein. „Wenn nur ein oder zwei Gläser fehlen, hält er sich mindestens zwei Tage, bei hochwertigen Weinen auch fünf Tage“, sagt Natalie Lumpp. „Wenn die Flasche halb leer ist, trinkt man sie besser aus.“

Welche Weine gewinnen durch langes Lagern?

Große Weine, also Weine von hoher Qualität, bräuchten viel Zeit, sagt Christian Ress. Das Lagerpotenzial werde vor allem durch Alkohol und Zucker bestimmt. Eisweine oder Trockenbeerenauslesen könnten deshalb locker Jahrzehnte reifen.

Manche Weine werden feiner und ausgewogener. Tertiäraromen wie Vanille oder Nuss vom Holzfass können zutage treten.

„Viele schätzen die Veränderung der Aromatik“, sagt Heistermann. Weine wie Ribera, Bordeaux und Barolo hätten viel Potenzial aufgrund ihrer Komplexität und des hohen Tanningehalts. „Im Lauf der Zeit verbinden sich die Komponenten noch mehr miteinander und werden besser zugänglich.“

„Es wird oft unterschätzt, dass auch Weißweine reifen“, sagt Ness. „Gerade deutsche Süßweine werden regelmäßig nach Jahrzehnten zu horrenden Preisen versteigert.“ Das mit Abstand größte Reifepotenzial habe dabei dank seiner hohen Säure der Riesling.

© dpa-infocom, dpa:211209-99-314950/56

(dpa)
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