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Babyklappe in Bonn, Köln und Koblenz: Ausweg für hilflose Eltern

Zur Rettung kleiner Leben : Die Babyklappe als letzter Ausweg für hilflose Eltern

Babyklappen retten kleine Leben, wenn hilflose, überforderte Eltern ihre neu geborenen Kinder dort aussetzen. Wie funktionieren Babyklappen? Wo gibt es welche in Bonn und der Region? Und gibt es Alternativen?

Im Kölner Stadtteil Bilderstöckchen kam es am Montagvormittag zu einem dramatischen Vorfall an der Babyklappe der Mutter-Vater-Kind-Einrichtung „Haus Adelheid“: Ein neu geborener Junge wurde dort tot aufgefunden. Das Baby wurde laut der Kölner Polizei auf dem Fenstersims des Frauenhauses abgelegt. Die Rechtsmediziner gehen davon aus, dass der kleine Junge nach seiner Geburt noch lebte. Der Babyklappen-Alarm wurde nicht ausgelöst, eine technische Überprüfung der Klappenanlage ergab keinen Hinweis auf einen Defekt. Eine Mordkommission der Polizei hat deshalb die Ermittlungen aufgenommen.

Der tragische Kölner Fall ist allerdings die Ausnahme. In der Kölner Einrichtung „Haus Adelheid“ beispielsweise gab nur im Jahr 2018 einen weiteren Fall, bei dem ein Säugling verstarb. Insgesamt 32 Säuglingen und Kleinkindern wurden dort in den knapp 21 Jahren abgelegt, seit es die Babyklappe in der Einrichtung gibt. Zu den bundesweiten Zahlen hat das Deutsche Jugendinstitut (DJI) eine Langzeitstudie für die ersten zehn Jahre seit den ersten Babyklappen-Angeboten im Jahr 1999 durchgeführt. Danach wurden in dem genannten Zeitraum insgesamt 278 Säuglinge und Kleinkinder in den Klappen abgelegt. Durchschnittlich waren das knapp 27 Babys im Jahr.

Der erschütternde Kölner Fall gibt nochmals Anlass zu beschreiben, wie die Babyklappen – auch Baby- oder Mosesfenster genannt – in der Region gewährleisten, dass das Leben der dort von hilflosen, überforderten Eltern ausgesetzten Babys gerettet werden kann.

Wie funktioniert eine Babyklappe?

Hinter der Klappe befindet sich ein Wärmebett, in das das neu geborene Baby gelegt werden kann. Wenn die Klappe nicht per Hand geschlossen wird, schließt sich diese bei einigen Anlagen langsam automatisch von selbst, um das Kind vor Unterkühlung oder einer Fremdentnahme zu schützen. Sobald die Klappe dann geschlossen ist, wird durch einen elektronischen Alarm - in der Regel über ein Bereitschaftshandy - Hilfe herbeigerufen, so dass das Kind sofort versorgt werden kann. Zusätzlich zum Alarm werden in den Häusern mit Babyklappe regelmäßige Kontrollgänge von den Mitarbeitern der Einrichtung unternommen.

Wenn die Klappe nicht direkt an ein Krankenhaus angebunden ist, wird das aufgefundene Baby zur medizinischen Untersuchung umgehend in ein örtliches Krankenhaus gebracht. Nach der Untersuchung wird das Baby nach ein paar Tagen der Beobachtung zur Adoption frei gegeben.

Grundsätzlich unterscheidet sich diese dann nicht mehr von anderen Adoptionen, bei denen die Eltern bekannt sind. Falls sich die Eltern, die das Baby in der Klappe abgegeben hatten, nachträglich doch noch melden oder polizeilich ermittelt werden, werden sie nach Wunsch in den Adoptionsprozess als die natürlichen Eltern mit eingebunden. Ein späterer Kontakt zu ihrem Kind ist dann über die Adoptiveltern oder über die Kinder nach deren Volljährigkeit möglich.

Machen sich Eltern strafbar, wenn sie ein Kind in die Babyklappe legen?

Eltern, die ihr Kind in eine Babyklappe legen, machen sich strafbar, weil sie dadurch die Unterhalts- und Fürsorgepflicht verletzen. In der Praxis werden die Mütter aber sehr selten strafrechtlich verfolgt, entweder weil eine Notstandssituation unterstellt wird oder sie schlicht nicht ermittelt werden können.

Wo gibt es Babyklappen in der Region?

Mit über 20 Klappen hat Nordrhein-Westfalen von allen Bundesländer die meisten. In Bonn gibt es aber keine offizielle Babyklappe. In der Region gibt es in Köln (Mutter-Vater-Kind-Einrichtung „Klaus Adelheid“) und im Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz in Koblenz (Städtisches Klinikum Kemperhof) ein solches Hilfsangebot.

Welche Beratungsstellen gibt es?

Für verzweifelte, hilflose Eltern gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, um von einem Aussetzen ihres Kindes in einer Babyklappe Abstand zu nehmen. „Eltern in Not müssen nicht den riskanten und auch strafrechtlich relevanten Weg zu einer Babyklappe gehen“, warnt Anne Rossenbach, Sprecherin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Köln.

Zwar ist der SkF Träger des „Haus Adelheid“ in Köln, dennoch wirbt der kirchliche Sozialdienst für die Nutzung alternativer niederschwelliger Beratungsmöglichkeiten. „Wir müssen doch verhindern, dass Mütter in einer Notlage ihre Kinder alleine zur Welt bringen und bereits zu diesem Zeitpunkt ihre Gesundheit und vor allem die des Kindes gefährden“, so Rossenbach weiter. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel das Angebot der „vertraulichen Geburt“, bei der die Mutter auf Wunsch anonym bleibt. Beratungen dazu gibt es unter der Rufnummer 0800/4040020 oder auf der Internetseite „Beratung & Geburt vertraulich“.

Zudem gibt es selbstverständlich die Lösung, das Kind sicher zur Welt zu bringen und zur Adoption frei zu geben. Falls dies aus einer Notlage heraus nicht möglich ist, bieten zahlreiche Stellen in den kommunalen und privaten sozialen Einrichtungen Gesprächsangebote für die Eltern an, um sie in ihrer Notlage zu betreuen und zu begleiten.