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Familien-Kolumne „Kinderkram“: Von Einhörnern und Politikern

Familien-Kolumne „Kinderkram“ : Von Einhörnern und Politikern

Was wird das eigene Kind später einmal beruflich machen? Auch GA-Redakteur Christoph Meurer hat sich diese Frage gestellt und eine nicht ganz so ernst zu nehmende Antwort gefunden.

Eine Fünfjährige nach ihrem Berufswunsch zu fragen, ist eigentlich müßig. Da kommen Antworten wie Feuerwehrfrau oder Polizistin, aber auch der Wunsch, später einmal ein Einhorn zu werden. In einem in der Kita gebastelten Steckbrief hat unsere Tochter vermerkt, dass sie Bäckerin werden will – und nachdem sie mitbekommen hatte, dass König Elizabeth II. gestorben war und wir ihr einige Hintergründe erklärt hatten, wollte sie – wörtliche Aussage – „Prinzessin von Deutschland“ werden.

Ich ersparte mir einen Parforceritt durch die deutsche Geschichte samt der Erklärung, warum es bei uns keine Monarchie mehr gibt, sondern überlegte mir, welchen Berufsweg ich mir für meine Tochter vorstellen könnte.

Die Fähigkeit, einen Deal zu machen

Zugegeben, meine Überlegungen waren nicht besonders ernsthafter Natur. Bis meine Tochter sich wirklich den Kopf über ihr kommendes Arbeitsleben zerbricht, sollen gerne noch viele Jahre vergehen. Aber zurück zu meinen Gedankenspielen. Aktuell rechne ich der Fünfjährigen gute Chancen auf eine Karriere als Gebrauchtwagenhändlerin oder Politikerin aus. Schließlich trainiert sie mit Leidenschaft ihre Fähigkeit einen, wie sie selbst sagt, „Deal zu machen“.

Ein wichtiges Einsatzfeld dafür ist das Zubettgehen. Ist unsere Tochter der Ansicht, dass ich ihr vor dem Einschlafen zu wenig vorgelesen habe – und dieser Ansicht ist sie eigentlich jeden Abend –, legt sie los. „Papa, ich habe einen ganz tollen Vorschlag. Wir machen einen Deal“, sagte sie kürzlich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Wenn du mir noch ein Kapitel vorliest, dann schenke ich dir etwas ganz Tolles zum Geburtstag.“

Obgleich ich nicht käuflich bin, las ich noch ein Kapitel vor. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob meine Tochter im kommenden Mai noch weiß, dass sie mir im September ein tolles Geburtstagsgeschenk im Gegenzug für 15 zusätzliche Buchseiten versprochen hatte.

Die Kunst der leeren Drohung

Ungeachtet dieses Erfolgs muss die Fünfjährige an ihren Verhandlungsfertigkeiten aber noch arbeiten. Als ich an einem anderen Abend nämlich kein weiteres Kapitel vorlesen wollte – es war schon spät, ich war müde –, baute sie sich kniend im Bett vor mir auf und erklärte: Falls ich nicht noch ein Kapitel vorlese, werde sie am nächsten Morgen so sehr trödeln, dass wir sehr spät zur Kita kommen und ich in der Folge zu spät zur Arbeit. Mit dem Hinweis, dass morgen Samstag sei, gab ich ihr einen Gute-Nacht-Kuss – und überhörte das Genöle.

Für künftige Koalitionsverhandlungen muss die Politikerin in spe noch üben. Oder doch Prinzessin werden. Dann könnte sie einfach anordnen, dass abends mehr gelesen wird. Als Einhorn könnte sie mich wiederum so verzaubern, dass ich mehr vorlese – oder ihr später einmal ein Auto abkaufe.