Familien-Kolumne „Kinderkram“ Mit Kopfhörern zurück auf Anfang

Serie · Egal ob Hörspiel, Musik oder Podcast, die Töchter unserer Autorin hören sie am liebsten in unüberhörbarer Lautstärke. Aktuell ist aus ziemlich laut aber sehr, sehr still geworden. Das hat einen guten Grund, aber auch unerwartete Folgen.

Kopfhörer stehen momentan bei den Töchtern unserer Autorin hoch im Kurs.

Kopfhörer stehen momentan bei den Töchtern unserer Autorin hoch im Kurs.

Foto: picture alliance/dpa/Ina Fassbender

Bei uns zu Hause ist es seit ein paar Wochen ungewöhnlich still. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen unsere Töchter in fast ohrenbetäubender Lautstärke überall und jederzeit Hörspiele hörten oder mit voller Inbrunst ihre Lieblingslieder mitträllerten. Nicht umsonst können wir bestimmte Folgen mitsprechen. Die neue Stille liegt aber nicht etwa daran, dass sie das Interesse an beidem verloren hätten. Es ist lediglich ihrem veränderten Hörverhalten geschuldet. Beide tragen nämlich nun bevorzugt Kopfhörer, die Kabellosen versteht sich. Die schenken ihnen neben ungestörtem Hörvergnügen große Bewegungsfreiheit – was mich auf einer anderen Ebene zurück in die ersten Jahre mit unseren Töchtern katapultiert.

In jene Zeit als ich gefühlt ständig in Bewegung war. Erst waren es unendlich erscheinende Spaziergänge mit unserer Erstgeborenen, die nur schlief, wenn ich sie im Kinderwagen durch die Gegend schob. Dabei entdeckte ich ganz neue Ecken in unserer Stadt, bewegte mich mit Vorliebe auf Waldwegen und war so viel an der frischen Luft wie zuletzt vermutlich in meiner eigenen Kindheit. Später kamen die kurzen Sprints, die ich zurücklegen musste, um unserem neugierigen Weltentdeckerkind auf den Fersen bleiben zu können.

Bei ihrer kleinen Schwester musste ich zusätzlich mit Gewichten arbeiten. Das Kind ließ sich nämlich nie davon überzeugen, dass es keine gute Idee ist, den langen Weg in die Stadt mit dem Dreirad zurückzulegen. Spätestens beim Rückweg war Dreiradfahren natürlich jedes Mal nicht mehr angesagt und laufen schon mal gar nicht. Gut, wenn es dann eine Mama gibt, die Dreirad, Einkaufstasche und Kind trägt und es irgendwie auch noch schafft, mit der großen Schwester Schritt zu halten.

Kinderwagen und Dreirad sind längst aus unserem Haus verschwunden. Auf Trab halten mich unsere Töchter neuerdings aber wieder ganz schön. Immer dann, wenn ich nach ihnen rufe – zum Beispiel, weil es Essen gibt – und keine reagiert. Gegen die Kopfhörer und die Musik, Hörbücher oder Podcasts, die sie unseren Töchtern ins Ohr spielen, habe ich keine Chance. Was meine Eltern-Kind-Fitness-Erfahrungen gerade um regelmäßige Treppenläufe erweitert. Ein bisschen Verstecken-Spielen ist auch dabei. Denn nicht immer finde ich die Mädels, wo ich sie gerade vermute. Siehe kabellose Kopfhörer.

Mich stört die zusätzliche Bewegung nicht, ganz im Gegenteil. Und irgendwie ist es doch schön, dass sich manches auch mit dem Größerwerden der Kinder nicht ändert oder eben zurückkommt. Das gilt übrigens auch für laute Hörspiele oder Musik, die hin und wieder doch die Stille durchbrechen – jeder Akku muss schließlich mal aufgeladen werden. Auch die langen Waldspaziergänge auf vertrauten Wegen sind zurück. Die treten unsere Große und ich nun allerdings gemeinsam zu Fuß an.

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