Pandemie erschwert Planung Nach Corona-Lockerungen: Kommt jetzt der Hochzeits-Boom?

Frankfurt · Die Corona-Regeln werden zunehmend gelockert. Heiraten jetzt mehr Menschen oder holen sie zumindest die ausgefallene Feier nach? Und wie ist die Lage für die Hochzeitsdienstleister?

 Eva Hildenbeutel arbeitet als freie Rednerin, Planerin und Dekorateurin für Hochzeiten. Derzeit ist die Auftragslage coronabedingt sehr dünn. Foto: Andreas Arnold/dpa

Eva Hildenbeutel arbeitet als freie Rednerin, Planerin und Dekorateurin für Hochzeiten. Derzeit ist die Auftragslage coronabedingt sehr dünn. Foto: Andreas Arnold/dpa

Foto: Andreas Arnold

Dürfen wir ein rauschendes Fest feiern? Und was wird aus den Flitterwochen? Die Unsicherheiten in der Corona-Pandemie haben in den vergangenen eineinhalb Jahren sicher auch einigen Paaren in Hessen die Lust auf eine Hochzeit verdorben.

Doch nun gehen die Infektionszahlen deutlich zurück, immer mehr Menschen werden geimpft und es gibt zunehmend Lockerungen. Heiraten nun wieder mehr Paare und wie ist die Lage für Hochzeitsdienstleister?

Warten auf das große Fest

„Die Nachfrage steigt“, sagt Eva Hildenbeutel, freie Traurednerin aus dem südhessischen Gross-Gerau. Die 41-Jährige betont allerdings auch: „Obwohl die Coronazahlen sinken, steigt bei einigen das Frustrationslevel.“ Denn eine Hochzeit sei nichts, „was man in zwei Wochen aus dem Ärmel schüttelt“, sondern in der Regel ein Jahr im Voraus organisiere. Deshalb sei es vielen Paaren noch zu riskant, konkret zu planen, schließlich könne man nicht sagen, wie sich die Lage in zwei, drei Monaten entwickle.

Einige Paare, mit denen Hildenbeutel in Kontakt steht, haben während der Pandemie bereits klein vor dem Standesamt geheiratet. „Sie warten zum Teil seit vielen Monaten auf das große Fest und schieben von Zeitpunkt zu Zeitpunkt.“ Manche hätten gar keine Lust mehr oder die Frau sei inzwischen schwanger.

Frank Müsken, Vorsitzender des Fachverbands der hessischen Standesbeamtinnen und Standesbeamten und Leiter des Kassler Standesamts stellt nach eigenen Angaben fest, dass mit den fallenden Inzidenzen und der Möglichkeit, Gäste bei Trauungen zuzulassen, auch wieder die Anmeldezahlen steigen. So seien die beliebtesten Termine - also die Freitage und Samstage - an den neun Trauungsorten in Kassel nahezu ausgebucht in den kommenden Wochen. Auch nach Müskens Erfahrung werden Hochzeiten üblicherweise eher langfristig geplant. Allerdings sei es in diesem Frühsommer etwa anders, sagt er: „Es gibt mehr Spontanität.“

Weniger Trauungen wegen Corona

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden haben im vergangenen Jahr deutschlandweit rund 373.000 Paare geheiratet. Das ist ein Rückgang von 10 Prozent im Vergleich zu 2019. Im April 2020, also inmitten des ersten Lockdowns, ging die Zahl der Eheschließungen im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 37 Prozent zurück.

Im Februar, also vor den Einschränkungen, hatten indes fast 50 Prozent mehr Paare geheiratet als im Februar des Vorjahres. „Dazu haben offenkundig die besonderen Hochzeitsdaten 02.02.2020 und 20.02.2020 beigetragen - zu einem geringeren Teil auch der zusätzliche Februartag im Schaltjahr“, erklärten die Statistiker.

Schwierige Zeiten für Hochzeitsbranche

Im Frankfurter Standesamt ist der Terminkalender wieder voll. „Wir sind super ausgebucht“, erklärt Amtsleiterin Andrea Hart. Allerdings habe es auch im vergangenen Jahr relativ viele Trauungen gegeben - trotz Corona. 2020 hatten sich demnach 2700 Paare das Ja-Wort gegeben, nach 3068 im Jahr zuvor.

„Wir hatten allen Paaren einen Termin angeboten“, sagt Hart. „Ich habe sogar eher das Gefühl, dass viele es genossen haben, im kleinen Kreis zu heiraten, wenn nicht sogar alleine. Das war für viele sehr intensiv.“ Andere Paare hätten dagegen nicht unter den Corona-Umständen heiraten wollen. „Termine wurden abgesagt und teils mehrfach verschoben“, sagt Hart. Diese Ungewissheit in der Pandemie bedeute für das Personal im Standesamt einen deutlichen Mehraufwand.

Auch für die Hochzeitsbranche ist die Situation schwierig: Ein Großteil der Einnahmen sei ausgefallen, sagt Traurednerin Eva Hildenbeutel. Viele in der Branche hätten umgesattelt und sich einen anderen Job gesucht. Einige - so berichtet die zweifache Mutter - würden inzwischen auf Beerdigungen arbeiten - als Trauerredner statt als Trauredner.

Hochzeiten im Corona-Jahr 2020

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden haben im vergangenen Jahr deutschlandweit rund 373.000 Paare geheiratet. Das ist ein Rückgang von 10 Prozent im Vergleich zu 2019. Im April 2020, also inmitten des ersten Lockdowns, ging die Zahl der Eheschließungen im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 37 Prozent zurück. Im Februar, also vor den Einschränkungen, hatten indes fast 50 Prozent mehr Paare geheiratet als im Februar des Vorjahres. „Dazu haben offenkundig die besonderen Hochzeitsdaten 02.02.2020 und 20.02.2020 beigetragen - zu einem geringeren Teil auch der zusätzliche Februartag im Schaltjahr“, erklärten die Statistiker.

© dpa-infocom, dpa:210629-99-184792/8

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