1. Ratgeber
  2. Fit & Gesund

Bio-Siegel: Das bedeuten die unterschiedlichen Logos

Demeter, Naturland & Co : Was sagen die unterschiedlichen Bio-Siegel aus?

Immer mehr Menschen kaufen Bio-Lebensmittel. Eine Vielzahl von bunten Siegeln und mehrdeutigen Begriffen erschweren es den Verbrauchern jedoch, den Überblick zu behalten.

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher interessieren sich zunehmend dafür, wo Lebensmittel herkommen und wie sie hergestellt werden. In einer Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gaben 37 Prozent der Befragten an, regelmäßig Produkten mit Bio-Siegel zu kaufen. Knapp 90 Prozent sagten, dass sie zukünftig zumindest gelegentlich zur Bio-Variante greifen wollen. Doch Bio ist nicht gleich Bio. Wir klären, was die verschiedenen Siegel bedeuten und was beim Einkaufen zu beachten ist.

Klare Vorgaben für Bio-Betriebe in der EU

Grundsätzlich sind die Begriffe „bio“ und „öko“ seit 1993 gesetzlich geschützt. Kommt ein Lebensmittel als „biologisch“ oder „ökologisch“ erzeugtes Produkt innerhalb der EU in den Handel, muss es feste Bestimmungen und Vorgaben einhalten. „Die darf nicht jeder einfach benutzen“, erklärt Katrin Wenz, Agrarreferentin vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

In der EU erhalten seit 2010 biologisch erzeugte Produkte mit dem EU-Bio-Logo ein einheitliches Erkennungszeichen: Ein stilisiertes Blatt aus zwölf weißen Sternen auf grünem Grund. Es soll Verbraucherinnen und Verbrauchern die Auswahl von Bio-Produkten erleichtern. Das EU-Siegel ist eine Pflichtkennzeichnung – es muss auf jedem Bio-Lebensmittel abgebildet sein.

Um ein Bio-Produkt in der EU anzubieten, muss es den Vergabekriterien der EG-Öko-Basisverordnung entsprechen. Diese Verordnung beinhaltet die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen (EG-VO 834/2007). Das heißt, dass diese Lebensmittel strengere Bedingungen für Herstellung, Verarbeitung, Transport und Lagerung erfüllen müssen als Produkte ohne Bio-Logo. Zulässig ist das Logo nur auf Lebensmittel, die zu mindestens 95 Produzent aus Bio-Zutaten bestehen und zusätzlich strenge Vorgaben für die verbleibenden fünf Prozent erfüllen. „Bei diesen Produkten werden keine synthetischen Pestizide und keine mineralischen Dünger eingesetzt“, ergänzt Katrin Wenz vom BUND. Beim Anbau darf keine Gentechnik eingesetzt werden. Außerdem müssen spezielle Mindeststandards bei der Tierhaltung eingehalten werden: So sind etwa Tageslicht und Zugang zu einer Außenfläche verpflichtend.

Betriebe werden jährlich kontrolliert

Um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten, gibt es private Öko-Kontrollstellen, die in Deutschland durch die BLE zugelassen werden müssen. Sie kontrollieren landwirtschaftliche Betriebe mindestens einmal jährlich vor Ort. Welche Stelle die Kontrolle durchgeführt hat, zeigt der in der Nähe des Bio-Siegels aufgedruckte Code. Er besteht aus einem Länderkürzel (etwa DE für Deutschland), drei Buchstaben (in Deutschland: ÖKO) und drei Ziffern, die für die jeweilige Kontrollstelle steht. Stammen alle Rohstoffe aus demselben Land, kann der Name dieses Landes angegeben werden. Andernfalls werden folgende Angaben unterschieden:

  • „EU-Landwirtschaft“, wenn die landwirtschaftlichen Rohstoffe in der Europäischen Union erzeugt wurden
  • „Nicht-EU-Landwirtschaft“, wenn sie in Drittländern erzeugt wurden und
  • „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“, wenn sie zum Teil in der Europäischen Union und zum Teil in einem Drittland erzeugt wurden

Neben dem EU-Bio-Siegel können zusätzlich nationale Logos, wie das deutsche Bio-Siegel oder private Logos, verwendet werden:

Das staatliche Bio-Siegel

Wer sich an die Mindeststandards der EU hält, darf zusätzlich das deutsche Bio-Siegel führen. Das EU-Siegel setzt nämlich bereits voraus, dass ein Unternehmen durch eine Kontrollstelle gemäß den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zertifiziert wurde. Das sechseckige Zeichen wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bereits im Jahr 2001 eingeführt.

Bioland, Demeter & Co.: Die Siegel der Anbauverbände

Die deutschen Bioverbände haben eigene Standards entwickelt, die deutlich über die Voraussetzungen des EU-Bio-Siegels hinausgehen – beispielsweise bei der Tierhaltung. Bekannte Logos sind unter anderem biokreis, Bioland, demeter, Ecoland, Ecovin, Gäa e.V. und Naturland. Der BUND stuft insbesondere die Bio-Anbauverbände Naturland, Bioland und Demeter als empfehlenswert ein.

Bioland

Bioland ist nach den Angaben des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) der größte ökologische Anbauverband in Deutschland. Bioland-Betriebe wirtschaften auf Basis einer Kreislaufwirtschaft, die ohne synthetische Pestizide und chemisch-synthetische Stickstoffdünger auskommt. Anders als in der EG-Öko-Verordnung festgelegt, dürfen Bioland-Betriebe parallel zum biologischen Anbau keinen konventionellen Anbau betreiben.

Foto: DPA

Naturland

Naturland ist nach Bioland der zweitgrößte Anbauverband in Deutschland. Die Richtlinien decken dabei auch Bereiche ab, die in der EG-Öko-Verordnung nicht geregelt sind, zum Beispiel die ökologische Waldnutzung, Textil- und Kosmetika-Herstellung oder auch soziale Aspekte. Mit der Zertifizierung „Naturland Fair“ vereint Naturland seit 2010 als einziger Öko-Verband ökologische Wirtschaftsweise und fairen Handel in einem Zeichen.

Foto: DPA

Demeter

Demeter ist der älteste Bioverband in Deutschland. Seit 1924 steht der Bioverband für eine lebendige Kreislaufwirtschaft. Das heißt, die Vertriebe arbeiten auf der Grundlage anthroposophischer und wissenschaftlicher Menschen- und Naturerkenntnis. So muss beispielsweise das Tierfutter zu 100 Prozent aus Bio-Futter bestehen. Kühe dürfen, anders als in der EU-Öko-Verordnung, nicht enthornt werden.

Foto: DPA

Viele Handelskonzerne und Discounter wie Aldi, Lidl und Edeka bieten eigene Bioprodukte an. Diese sind aber nur zum Teil wirklich „Bio“. Und zwar immer dann, wenn auf den Produkten auch das EU-Bio-Siegel oder das deutsche Bio-Siegel abgebildet ist.

„Kontrollierter Anbau“ – Vorsicht mit ungeschützten Begriffen

Lebensmittel aus „kontrolliertem Anbau“ – Dieser Begriff ist nicht gesetzlich geschützt, erklärt der BUND. Auch „artgerechte Tierhaltung“, „naturnah“ oder „integrierter Pflanzenbau“ seien ähnliche Bezeichnungen, die grundsätzlich zum Kaufen animieren sollen. Jeder Handelskonzern darf sie demnach verwenden, eine Kontrolle ist bei solchen Bezeichnungen nicht vorgeschrieben. Der BUND rät: Wer wirklich regional oder bio einkaufen möchte, sollte auf zertifizierte Logos achten oder den Bio-Wochenmarkt besuchen.