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Nachhaltigkeit: Das bedeuten Begriffe wie Greenwashing und Zero-Waste

Überblick : Diese Begriffe sollten Sie beim Thema Nachhaltigkeit kennen

Das Trendthema Nachhaltigkeit polarisiert. Was Begriffe wie „Greenwashing“ und „Zero-Waste“ heißen sollen, ist aber längst noch nicht jedem klar. Das Thema Nachhaltigkeit im Überblick.

Nachhaltigkeit liegt im Trend. Aber was Veganer eigentlich alles essen oder vielmehr nicht essen dürfen, wieso auf vielen Produkten im Supermarkt jetzt „100% Umweltschutz“ steht und was daran vielleicht faul sein könnte, ist sicher nicht jedem klar.
Deswegen erklären wir ein paar Begriffe rund ums Thema Nachhaltigkeit:

Ökologischer Fußabdruck

In den 1990er Jahren entwickelten die Wissenschaftler Mathis Wackernagel und William Rees eine Art Buchhaltungssystem für die Umweltressourcen der Erde. Dieses System kennt man heute unter dem Begriff des „Ökologischen Fußabdrucks“.

Das Prinzip des ökologischen Fußabdrucks beruht auf Angebot und Nachfrage. Wie viel „Angebot“ hat die Erde? Wie viele Hektar Wald, Ackerland, Weide- und Meeresfläche gibt es, um die verbrauchten Ressourcen zu erneuern und die entstandenen Abfallprodukte zu verarbeiten? Diese sogenannte Biokapazität wird durch Viehzucht, Energiegewinnung, Bauland, Abfall und Abgase vom Menschen beansprucht.

Und somit steht auf der anderen Seite die Nachfrage: Wie viel Biokapazität nutzt der Mensch? Mithilfe verschiedener Tests kann man seinen eigenen ökologischen Fußabdruck in etwa berechnen lassen. Heraus kommt ein Wert in „gha“, sogenannten „globalen Hektar“, der uns anzeigt, wie viel Biokapazität man selbst in seinem eigenen Leben verbrauchen wird.

Laut „Global Footprint Network“ verbraucht die gesamte Weltbevölkerung seit 1970 mehr Biokapazität als die Ökosysteme dauerhaft bereitstellen können. Die pro Mensch verfügbare Biokapazität liegt derzeit bei 1,7 gha. Die vom Menschen genutzte Biokapazität liegt aber im Weltdurchschnitt bei 2,7 gha. Wir nutzen also so viel Natur, als hätten wir 1,7 Planeten Erde. In Deutschland liegt der Wert pro Kopf im Schnitt sogar bei 4,8 gha. Wir bräuchten also 2,6 Erden, wenn alle so leben würden, wie die Menschen in Deutschland.

Greenwashing

Nachhaltigkeit liegt im Trend und das scheint auch im Bereich Marketing angekommen zu sein. Als Greenwashing bezeichnet man den Versuch von Firmen, sich durch Marketing- oder Spendenaktionen sowie bestimmte Produkte umweltbewusster darzustellen, als sie eigentlich sind. Wenn ein Mode-Unternehmen zum Beispiel mit einem einzigen Bio-Pullover die gesamte Marke bewirbt, die aber zu einem Großteil nur Fast-Fashion anbietet, dann ist das Greenwashing.

Bei Begriffen wie „nachhaltig“, „klimafreundlich“, „umweltschonend“, „ökologisch“ oder „regional“ sollte man vorsichtig sein. Denn was genau heißt „nachhaltig“ oder „umweltschonend“? Bis zu welchem Punkt ist eine Herstellung noch „regional“? Diese Begriffe sind nicht genau definiert und vor allem nicht geschützt. Das heißt, sie könnten auf jedes Produkt gedruckt werden, ohne irgendeine Bedeutung zu haben. Sie werden also oft für Greenwashing genutzt. „Bio/Öko“ und „Aus kontrolliert biologischem Anbau“ sind dagegen geschützte Begriffe, also ein Zeichen für echte Nachhaltigkeit.

Zero Waste

„Zero Waste“ bedeutet übersetzt so viel wie „Null Verschwendung“ oder „Null Müll“. Laut der „Zero Waste International Alliance“ geht es dabei um "die Bewahrung aller Ressourcen mittels verantwortungsvoller Produktion, Konsum, Wiederverwendung und Rückgewinnung von Produkten, Verpackungen und Materialien, ohne Verbrennung und ohne Absonderung zu Land, Wasser oder Luft, welche die Umwelt oder die menschliche Gesundheit bedrohen“. Bei dieser Lebensweise versucht man durch Abfallvermeidung, Reparaturen, Wiederverwendung, Kompostierung und Recycling ein Leben zu führen, bei dem möglichst wenig Müll produziert und keine Rohstoffe vergeudet werden. Im Alltag gelingt das zum Beispiel durch sogenannte Unverpackt- oder Second-Hand-Läden.

Unverpackt-Läden
Schon seit mehreren Jahren bekommt man in diversen Geschäften keine kostenlosen Plastiktüten mehr, wodurch die Nutzung in Deutschland deutlich zurückgegangen ist. Sogenannte „Unverpackt-Läden“ sind ein Produkt der Zero-Waste Bewegung und bringen diesen Trend auch in die Lebensmittelläden. Durch große, an die Wand montierte „Bulk Bin“-Spender, können sich Kunden Nudeln, Reis, Kaffee, Müsli oder Waschmittel selbst abfüllen. Gewürze und Kräuter kann man zum Beispiel aus großen Gläsern löffeln, Essig und Öl werden in Kanistern abgefüllt, Eier packt man in selbst mitgebrachte Kartons und Käse in Papier, Vorratsdosen oder Wachstücher. Wer in Unverpackt-Läden einkaufen will, sollte also an alte Einmachgläser oder Brotdosen denken. Beim Bezahlen gilt: Das Eigengewicht der mitgebrachten Behälter wird vom Gesamtgewicht abgezogen. Man bezahlt also nur die Ware, die man kauft.

Veganismus und Vegetarismus

Vegetarier verzichten auf Lebensmittel von getöteten oder gestorbenen Tieren. Das heißt, sie essen kein Fleisch und keinen Fisch.

Veganer verzichten auf jegliche tierische Produkte. Sie essen somit nicht nur kein Fleisch und keinen Fisch, sondern auch keine Eier, keine Milchprodukte und keine Gelatine.

Beide Ernährungsweisen sind grundsätzlich nachhaltiger als das Essen von tierischen Produkten, weil sie im Vergleich in der Regel weniger CO2 verursachen. Wie wir uns ernähren, ist in Deutschland laut einer Studie des „Sustainable Europe Research Institut“ von 2007 allein für über ein Drittel des ökologischen Fußabdrucks eines jeden verantwortlich. Inzwischen gibt es zahlreiche Ersatzprodukte, die auf tierische Produkte verzichten.

Karnismus (eng. „Carnism“)

Die amerikanische Psychologin Dr. Melanie Joy gab der Psychologie des Fleischkonsums einen Namen: Karnismus. Sie erklärt das Phänomen an folgendem Beispiel: „Nehmen wir mal an, Sie essen Fleisch. Stellen Sie sich vor, Sie sind bei Freunden eingeladen, die Stimmung ist heiter und das Essen schmeckt so gut, dass Sie den Gastgeber nach dem Rezept fragen. Geschmeichelt sagt er Ihnen, dass das Geheimnis im Fleisch liegt: Es ist das Fleisch eines Golden Retrievers. Wie würden Sie reagieren?“

Wenn es um Fleischkonsum geht, ist unsere Wahrnehmung in Bezug auf das, was wir essen, immer zu einem großen Teil von unserer Kultur bestimmt. Dabei wird der Verzehr von gewissen Tierarten für ethisch, der Verzehr von anderen Tierarten für unethisch erklärt. Dass in beiden Fällen ein totes Tier auf dem Teller liegt, egal ob es ein toter Retriever, ein toter Delfin, ein totes Meerschweinchen oder eben eine tote Kuh ist, mache dabei laut Joy doch eigentlich keinen Unterschied. Die Unterscheidung zwischen „Nutztier“ und „Haustier“ und die damit einhergehende Hierarchie zwischen Tierarten ist die Ursache des Karnismus.

Second-Hand-Mode

Wie der Name schon sagt, bekommt man in Second-Hand-Geschäften Kleidung aus „zweiter Hand“. Die gebrauchten Stücke sind oft einmalig und teilweise findet man sogar Designerstücke für wenig Geld. Und da man für die Produktion von nur einer Jeans bereits rund 8000 Liter Wasser benötigt, ist das Konzept von Second-Hand-Mode vor allem eins: nachhaltig.

Minimalismus

Minimalismus hat entgegen vieler Erwartungen nur wenig mit Verzicht oder Entbehrung zu tun. Es geht vielmehr darum, unnötigen Ballast abzuwerfen und keine Zeit, kein Geld und keine Energie mehr mit etwas zu verschwenden, das einen nicht glücklich macht. Alles, was nicht benutzt wird und keinen sonstigen Mehrwert hat, kann weg. Wichtig ist, dass man nicht direkt in allen Bereichen minimalistisch leben muss. Viele fangen zum Beispiel mit dem Ausmisten des Kleiderschranks an. Am Ende ist es egal, ob man perfekt minimalistisch lebt, oder sich nur auf wenige Kleidungsstücke im Kleiderschrank beschränkt. Reduktion macht den Blick frei. Und nachhaltig ist es auch.

Fridays for Future

Wenn Parolen wie „Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“ oder „Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ durch die Straßen hallen, sind die Klimaaktivisten von Fridays for Future wieder auf den Straßen. Die globale Bewegung hat ihren Ursprung in Schweden, wo sich 2018 eine Schülerin namens Greta Thunberg alleine auf die Straße stellte und für mehr Klimaschutz demonstrierte. Mittlerweile ist die 17-Jährige mit den Pippi-Langstrumpf-Zöpfen eine internationale Symbolfigur und überall auf der Welt demonstrieren Schüler und Studenten jeden Freitag während der Schulzeit für eine bessere Klimapolitik. Ihr Motto: Warum zur Schule gehen und für eine Zukunft lernen, die bald nicht mehr lebenswert sein wird?

Whataboutism

Es ist ein Begriff, der sich mit „Aber-was-ist-mit-ismus“ nur schwer ins Deutsche übersetzen lässt. Und trotzdem haben viele Umweltaktivisten damit zu kämpfen. Whataboutism ist im Wesentlichen eine Argumentationstaktik, bei der man in einer Diskussion Gegenfragen oder -argumente einbringt, die eigentlich gar nicht zum Thema passen. Ziel dabei ist es, von dem eigentlichen Thema abzulenken und das Gegenüber zu kritisieren.

Ein Beispiel dafür wäre folgende Situation: Person A ernährt sich vegan und behauptet, dass dieser Lebensstil statistisch gesehen deutlich umweltbewusster sei. Person B argumentiert mit: „Aber Veganer fliegen ja auch in den Urlaub.“ Das Gegenargument ist grundsätzlich nicht falsch, denn Fliegen ist schlecht für die Umwelt und obwohl es nicht so recht zu einer umweltbewussten Ernährung passt, steigen wahrscheinlich auch einige Veganer in Flugzeuge. Der vorliegende Whataboutism lenkt hier aber vom eigentlichen Thema der Diskussion ab und versucht, Person A als inkonsequent und scheinheilig darzustellen. Weil Veganer auch fliegen, seien sie nicht umweltbewusster als alle anderen. Dass Person B vermutlich selbst fliegt und sich nicht vegan ernährt, ist dabei nicht diskutabel.

Folgende Siegel stehen für echten Umweltschutz:

  • Blauer Engel: Der Blaue Engel ist das erste und bekannteste Umweltzeichen der Welt. Er steht seit 1978 für umweltverträgliche Produkte und Dienstleistungen.
  • FSC: Ist Zeichen für die Förderung einer umweltfreundlichen, sozialförderlichen und ökonomisch tragfähigen Bewirtschaftung von Wäldern.
  • BDIH: Das Prüfzeichen steht für kontrollierte Naturkosmetik
  • BIO nach EG-Öko-Verordnung: Das 2001 staatlich anerkannte Bio-Siegel ist Dachzeichen für Produkte aus dem ökologischen Landbau.
  • EU-Bio-Siegel: Im Juli 2010 wurde EU-weit ein verbindliches neues Bio-Siegel, das EU-Bio-Siegel, eingeführt. Ein Produkt muss dafür den Vergabekriterien der EG-Öko-Basisverordnung über die ökologische/biologische Produktion und Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen (EG-VO 834/2007) entsprechen.
  • bluesign: bluesign technologies prüft den Energie-, Wasser- und Chemikalieneinsatz ihrer Mitglieder und unterstützt sie dabei, ihre Umweltmaßnahmen langfristig zu verbessern.
  • Deutsche Anbauverbände: Im Bereich ökologischem Landbau gibt es weitere zuverlässige Siegel, die von einzelnen Verbänden vergeben werden: biokreis, Bioland, demeter, Ecoland, Ecovin, Gäa e.V. und Naturland. Die Produkte der Anbauverbände tragen neben den eigenen Labels grundsätzlich auch das deutsche Bio-Siegel, bzw. das EU-Bio-Siegel.
  • GOTS: Der “Global Organic Textile Standard” erfasst kontrolliert biologischen Anbau von Produkten, Sozialstandards und Textilausrüstung.
  • Grüner Knopf: Ist das erste deutsche staatliche Siegel für nachhaltige Textilien.
  • Fairtrade: Das Fairtrade-Label setzt sich für fair gehandelte Produkte auf der Grundlage von Lizenzverträgen ein.
  • Fairtrade Cotton: Das Fairtrade-Cotton-Label steht für Rohbaumwolle, die fair angebaut und gehandelt wurde.
  • Fair Wear Foundation: Die „Organisation für faire Kleidung“ setzt sich weltweit für eine stetige Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der Menschenrechte und der Arbeitssicherheit in der Textilindustrie ein.
  • GEPA fair+: Ist Zeichen für die Förderung der Partnerschaft mit der dritten Welt
  • IVN: Verfolgt die Herstellung von Naturprodukten unter ökologischen, schadstofffreien, qualitativ hochwertigen und unter menschenwürdigen Bedingungen
  • NATRUE: Ist ein international tätiger, nicht gewinnorientierter Verband mit dem Ziel, eine natürliche Hautpflege zu fördern und zu schützen.
  • NCCO: Steht für Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau, zertifizierter Wildsammlung oder in Bioland-, Naturland- oder Demeter-Qualität
  • NCS: Steht für Naturkosmetik aus natürlichen Ursprungsmaterialien.
  • EU Ecolabel: Ist das in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, aber auch von Norwegen, Liechtenstein und Island anerkannte EU-Umweltzeichen.

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