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Radfahren im Winter: So kommen Radfahrer sicher und warm durch den Winter

Auf zwei Rädern unterwegs : So kommen Radfahrer sicher und warm durch den Winter

Fahrradfahren im Winter? Kein Problem. Das Zweirad ist keineswegs nur ein Schönwetter-Fortbewegungsmittel. Doch es gibt ein paar Dinge, die in der kalten Jahreszeit beachtet werden sollten.

Auch im Winter wollen viele Menschen nicht auf ihr Fahrrad verzichten. Doch die Wetterbedingungen verändern sich, es wird schneller dunkel und das Fahren kann bei Frost und Schnee schnell gefährlich werden. Die folgenden Tipps sollen helfen, das Radfahren sicherer zu machen.

Die richtigen Reifen

Wer ganzjährig radeln will, sollte sein Rad und damit auch seine Reifen an den Winter anpassen. Eine Winterreifenpflicht wie beim Auto gibt es für Fahrräder nicht. Trotzdem gibt es dafür Lösungen, denn der Bereifung kommt eine ganz besondere Bedeutung zu.

"Wird der Radweg bedingt durch Nässe, Laub oder Schnee rutschig, ist es natürlich wichtig, mit Reifen unterwegs zu sein, die einen guten Grip bieten", sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Spezielle Winterreifen hätten hier durch ihre Lamellentechnik und die weicheren Gummimischungen Vorteile. Der normale Radler jedoch komme auch mit profilierten Ganzjahresreifen gut durch den Winter. "Bei uns ist es im Winter oftmals ja einfach nur kälter, während extreme Verhältnisse mit viel Schnee und Eis die Ausnahme bleiben", sagt Koßmann.

Auf den Winterbetrieb einstellen lassen sich die Reifen durch einen einfachen Trick: "Wird der Luftdruck abgesenkt, erhöht sich die Auflagefläche und damit lässt sich das Rad sicherer durch Schnee und über rutschige Bereiche steuern", weiß René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Als Untergrenze sollte hier die Luftdruckangabe auf den Flanken der Reifen gelten.

Spike-Reifen sind den Angaben der Deutschen Verkehrswacht nach nur bei extremen Witterungsbedingungen sinnvoll. Im Gegensatz zu Autos dürfen sie an Fahrrädern zwar montiert werden. Allerdings beeinflussen sie das Fahrverhalten. Das Radeln mit Spikes erfordere viel Übung.

Eine angepasste Fahrweise

Apropos Übung: Gerade im Winter sollte die Fahrweise an die Wetterbedingungen angepasst werden. Die größte Gefahr droht Radlern, wenn sie auf vereiste Flächen treffen. "Dann hilft nur eines: nicht lenken oder bremsen und das Rad geradeaus ausrollen lassen", rät Filippek. Hierbei sollten Radler bedenken, dass sich rutschige Flächen im Herbst und Winter auch unter Laub oder Schnee verbergen können. Vor allem über zugeschneite oder anderweitig verdeckte Flächen sollte man im Winter daher stets ruhig und mit gedrosseltem Tempo fahren.

Das Fahrrad regemäßig überprüfen, säubern und schmieren

Doch nicht nur die Reifen und die Fahrweise müssen im Winter angepasst werden. Auch der Rest des Fahrrads rückt mehr in den Fokus. "Die winterliche Mischung aus Schnee, Matsch und Salz setzt der Kette besonders zu, eine Kettenschaltung muss daher fast täglich neu geschmiert werden", sagt der ADFC-Experte. Daneben sollte ein Fahrrad im Winter deutlich öfter abgewaschen und vom Straßensalz befreit werden. Wer vorsorgen will, kann sein Rad zum Beispiel mit Spritzwachs oder Silikon zusätzlich schützen. Winterharte Radler sollten außerdem den Sattel ihres Fahrrads in der kalten Jahreszeit etwas absenken. Wenn sie auf glatter Fahrbahn mal ins Rutschen geraten, sind die Füße schneller auf dem Boden, erklärt die Deutsche Verkehrswacht (DVW). So lasse sich ein Sturz leichter verhindern. Zum winterlichen Vorab-Check gehören außerdem die Überprüfung der Bremsen und der Beleuchtung.

Die richtige Beleuchtung

Die Beleuchtung bekommt gerade im Winter eine besondere Bedeutung: "Bedingt durch die kurzen Tage, den oft bedeckten Himmel und die schlechtere Sicht sollte man in den Wintermonaten besser immer mit Licht fahren - auch wenn es hierzu keine Verpflichtung gibt", rät Koßmann vom pd-f. Batteriebetriebene Lampen oder Nabendynamos sorgten heute dafür, dass die Lichterzeugung keinen zusätzlichen Kraftaufwand bedeutet. Achten sollten Kunden bei batteriebetriebenen Leuchten jedoch darauf, dass das Modell für den Straßenverkehr zugelassen ist. Erkennbar sei dies an einer Zulassungsnummer, die mit "~K" beginnt.

Die richtige Kleidung

Um besser gesehen zu werden, empfiehlt Koßmann außerdem Kleidung mit Reflektoren, mindestens aber ein Reflektorband für die Hose. Dies betont auch Andreas Strack von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Aber auch das richtige Material der Kleidung ist wichtig um nicht Auszukühlen. Der Sportwissenschaftler empfiehlt atmungsaktive Funktionstextilien, mit denen der Radler weder friert noch schwitzt. Radjacke und -hose bestehen am besten aus Softshell-Material. Außerdem sollte sich der Radfahrer nach dem Zwiebelschalenprinzip kleiden, um Luft als Wärmeisolierung zwischen verschiedenen Kleidungsschichten zu haben. Je nach Witterung lässt sich durch An- oder Ausziehen einer Schicht schnell die Körpertemperatur regulieren.

Strack rät auch, unter dem Radhelm eine dünne Mütze aus einem Funktionsmaterial zu tragen, da sonst über den ungeschützten Kopf zu viel Wärme verloren geht. Kalte Füße auf dem Drahtesel lassen sich mit speziellen Winterradschuhen oder Überziehern vermeiden. Handschuhe sind selbstverständlich.

Was tun, wenn doch mal was passiert?

Ärgerlich wird es, wenn das Fahren unmöglich wird, weil der Radweg nicht geräumt ist. "Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs sind Städte und Gemeinden verpflichtet, "verkehrswichtige" innerörtliche Radwege im Winter regelmäßig von Schnee und Eis zu befreien", weiß Daniela Mielchen, Fachanwältin für Verkehrsrecht in Hamburg. Verunfallt ein Radfahrer, können ihm Haftungsansprüche gegen die Gemeinde zustehen. Allerdings sei der Radler, wie oben beschrieben, auch dazu verpflichtet, seine Fahrweise anzupassen.

In jedem Fall sei es ratsam, so Mielchen, nach einem Sturz die Polizei zu rufen, um den Unfall dokumentieren zu lassen. Ist der Radweg noch nicht geräumt, dürfen Radler die Straße nutzen, nicht jedoch auf den Fußweg. "Der Fußweg darf nur genutzt werden, wenn dies ausdrücklich durch das Zusatzzeichen "Radfahrer frei" gekennzeichnet ist", erklärt Mielchen. Die Alternative: Absteigen und schieben.

(ga (mit Material von dpa))