CO2-Preis, Deutsche Bahn, Briefporto Das ändert sich 2022 für Verbraucher

Service | Bonn · Im neuen Jahr stehen einige Änderungen an: Nicht nur der CO2-Preis steigt, auch Briefporto und Zigaretten werden teurer. Doch es gibt 2022 auch Änderungen, die Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Geld und bessere Rechte bringen.

Die Deutsche Post erhöht zum 1. Januar 2022 die Preise für das Briefporto.

Die Deutsche Post erhöht zum 1. Januar 2022 die Preise für das Briefporto.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Neues Jahr, neue Regeln und Gesetze. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Änderungen, die 2022 anstehen.

Änderungen 2022: CO2-Preis steigt - und mit ihm Heizkosten und Spritpreise

Für Erdgas und Heizöl müssen Verbraucherinnen und Verbraucher 2022 tiefer ins Portemonnaie greifen - ebenso wie für Benzin und Diesel. Der Grund: Der CO2-Preis steigt zum 1. Januar 2022. Der Liter Heizöl wird um 9,5 Cent teurer, bei Erdgas werden 0,65 Cent pro Kilowattstunde (kWh) aufgeschlagen. Bei Benzin steigt der CO2-Zuschlag auf 8,5 Cent pro Liter, bei Diesel werden es 9,5 Cent pro Liter sein.

Der Aufschlag resultiert aus der im Januar 2021 eingeführten CO2-Bepreisung für fossile Brennstoffe, die jährlich angehoben wird. Der anfangs festgelegte CO2-Preis (Kohlenstoffdioxid-Abgabe) auf die Emission von Kohlendioxid in Höhe von 25 Euro pro Tonne steigt im Jahr 2022 wie angekündigt auf 30 Euro pro Tonne CO2. Ziel der CO2-Abgabe ist es, die klimaschädigenden Auswirkungen beim Ausstoß dieses Gases – wie die globale Erwärmung oder die Versauerung der Meere – mithilfe eines höheren Kohlenstoffpreises zu verringern.

 Übrigens: Als Ausgleich für die Mehrbelastungen durch den steigenden CO2-Preis wurde die Pendlerpauschale für die einfache Wegstrecke pro Arbeitstag zum 1. Januar 2021 von bisher 30 Cent auf 35 Cent pro Kilometer (ab dem 21. Kilometer) erhöht. Bei der Steuererklärung für 2021, die 2022 fällig wird, wird die erhöhte Pendlerpauschale also erstmals berücksichtigt.

Änderungen beim Strompreis: EEG-Umlage sinkt 2022

Die EEG-Umlage sinkt zum 1. Januar 2022 auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren - 3,72 Cent pro Kilowattstunde (netto). Zurzeit liegt sie noch bei 6,5 Cent pro Kilowattstunde. Grund für die Absenkung sind einerseits stark gestiegene Börsenstrompreise. Zudem wird die EEG-Umlage durch einen Bundeszuschuss um ca. 0,9 Cent pro kWh gesenkt.

Nun die schlechte Nachricht: Günstiger wird der Strom dadurch voraussichtlich nicht. Die EEG-Umlage ist nur ein Bestandteil des Strompreises. Da die Börsenstrompreise im Jahr 2021 deutlich angestiegen sind, ist insgesamt von höheren Strompreisen im Jahr 2022 auszugehen.

2022: Künftig gelten kürzere Kündigungsfristen bei Verträgen

In vielen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) stand bislang, dass Verträge spätestens drei Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt werden müssen. Ansonsten verlängern sie sich um ein Jahr. Ab dem 1. März 2022 gilt das nicht mehr: Verträge, die ab diesem Datum geschlossen werden, dürfen nur noch eine Kündigungsfrist von einem Monat haben. Verpassen Verbraucherinnen oder Verbraucher die Kündigungsfrist, so dürfen sich die Verträge künftig nur noch auf unbestimmte Zeit verlängern.

Konkret bedeutet das: Verbraucherinnen und Verbraucher können ihre Verträge dann jederzeit mit einer Frist von einem Monat kündigen.

Änderungen 2022: Das endgültige Aus für die Plastiktüte kommt

Ab Januar 2022 werden Einweg-Plastiktüten im Handel verboten. Die Kunststofftüten mit einer Wandstärke von 15 bis 50 Mikrometern dürfen dann nicht mehr in Umlauf gebracht werden. Weiterhin erlaubt sind hingegen die sogenannten Hemdchenbeutel, die es oft an Obst- und Gemüsetheken gibt. Sie haben eine Stärke von weniger als 15 Mikrometern. Ebenfalls weiterhin erlaubt sind Mehrwegtaschen, die aus dickerem Kunststoff bestehen, oder Einkaufstüten aus Papier.

Ab Januar 2022 werden Einweg-Plastiktüten im Handel verboten.

Ab Januar 2022 werden Einweg-Plastiktüten im Handel verboten.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Führerschein-Umtausch: 2022 werden die alten Führerscheine ungültig

Autofahrerinnen und Autofahrer, die noch mit dem alten grauen oder rosafarbenen Führerschein unterwegs sind, müssen ihre „Lappen“ umtauschen. Denn die Dokumente bekommen - wie bei nach 2013 ausgestellten Führerscheinen bereits praktiziert -ein Ablaufdatum: Grund dafür ist eine EU-Verordnung, die besagt, dass Führerscheine nur noch 15 Jahre gültig sein dürfen.

Die Frist dafür ist gestaffelt nach Geburtsjahrgängen: Bis zum 19. Januar 2022 muss vorstellig werden, wer zwischen 1953 und 1958 geboren ist. Für die Babyboomer-Jahrgänge zwischen 1959 und 1964 ist der 19. Januar 2023 der Umtausch-Stichtag. Betroffen sind nicht nur Auto-Führerscheine, sondern Fahrerlaubnisse aller Klassen.

Zum Umtausch brauchen Sie – neben einem Termin bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde – Ihren alten Führerschein, einen gültigen Personalausweis oder Reisepass sowie ein aktuelles biometrisches Lichtbild. Der Führerschein-Umtausch ist verpflichtend und kostet rund 25 Euro. Wer weiter mit seinem alten Pkw- oder Motorrad-Führerschein fährt, riskiert ein Verwarngeld in Höhe von 10 Euro.

Deutsche Bahn: Ab 2022 gibt es keine Tickets mehr beim Schaffner

Wer ohne Fahrkarte in den Zug einsteigt und beim Schaffner ein Ticket kaufen möchte, steht ab dem 1. Januar 2022 vor einem Problem: Das Zugpersonal verkauft dann keine Tickets mehr. Bisher können Fahrscheine im ICE oder Intercity auch noch nachträglich gelöst werden, gegen einen Aufpreis von 17 Euro. Dieser Service fällt ab 2022 weg.

Wer ab Januar 2022 ohne Fahrschein in einen Zug einsteigt, für den wird es richtig teuer: Laut Gesetz wird der doppelte Fahrpreis fällig, mindestens allerdings 60 Euro. „Im Extremfall kann die DB also den doppelten Flexpreis für die gesamte Zugverbindung in Rechnung stellen – mit 250 bis 300 Euro kann das erhöhte Beförderungsentgelt bisweilen doppelt oder dreifach so hoch sein wie ein vorab gekauftes Sparpreis-Ticket mit Zugbindung“; erklärt die nordrhein-westfälische Verbraucherzentrale.

Ausgenommen von der Regelung sind ab 2022 nur noch Schwerbehinderte. Sie können auch weiterhin einen Fahrschein beim Zugpersonal kaufen. Alle anderen Reisenden können nach der Abfahrt des Zuges weiterhin ein digitales Ticket über die DB-App oder die Webseite der Deutschen Bahn kaufen. Dabei gilt eine Frist von zehn Minuten nach Abfahrt des Zuges.

Ab 2022 verkauft das Zugpersonal keine Fahrscheine mehr.

Ab 2022 verkauft das Zugpersonal keine Fahrscheine mehr.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Änderungen ab 2022: Deutsche Post erhöht Briefporto

Die Deutsche Post erhöht zum 1. Januar 2022 die Preise für das Briefporto. Für Standard-, Kompakt-, Groß- und Maxibriefe werden ab 2022 jeweils fünf Cent mehr fällig. Der Standardbrief kostet ab Januar 2022 85 statt 80 Cent, die Postkarte 70 statt 60 Cent.

Gesetzlicher Mindestlohn steigt am 1. Januar 2022

Ab dem 1. Januar 2022 steigt der gesetzliche Mindestlohn von derzeit 9,60 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde. Ein halbes Jahr später, zum 1. Juli 2022, soll er dann noch einmal um weitere 63 Cent angehoben werden auf 10,45 Euro pro Stunde.

SPD, Grüne und FDP haben in ihrem Koalitionsvertrag allerdings vereinbart, den Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde anzuheben. Noch ist allerdings unklar, zu welchem Datum die Mindestlohn-Erhöhung auf den Weg gebracht werden soll.

Neue Regelungen 2022: Steuerfreier Corona-Bonus bis zum 31. März

Noch bis zum 31. März 2022 können Angestellte einen Corona-Bonus in Höhe von maximal 1500 Euro von ihrem Arbeitgeber erhalten - steuerfrei. Voraussetzung: Das Geld muss der Abmilderung der zusätzlichen Belastung durch die Corona-Krise dienen und zusätzlich zum Arbeitslohn ausgezahlt werden.

Hartz-IV-Satz steigt 2022

Wer auf Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder die Grundsicherung im Alter sowie bei Erwerbsminderung angewiesen ist, bekommt ab Januar 2022 mehr Geld. Der Satz für alleinstehende Erwachsene steigt dann auf 449 Euro im Monat – das sind drei Euro mehr als bisher. Auch die Regelsätze für Kinder und Jugendliche steigen.

Änderungen 2022: Nicht nur Zigaretten werden teurer

2022 werden Zigaretten teurer - und nicht nur die: Für eine Packung mit 20 Zigaretten soll die Tabaksteuer 2022 um durchschnittlich zehn Cent steigen. Erstmals sollen ab dem 1. Juli 2022 auch Substanzen für E-Zigaretten der Tabakbesteuerung unterliegen, unabhängig davon, ob die Flüssigkeiten Nikotin enthalten oder nicht. Auf ein Zehn-Milliliter-Liquid, das momentan etwa fünf Euro kostet, sollen ab 2022 zusätzlich 1,60 Euro Steuern anfallen.

Mehr als 4000 gesundheitsschädliche Substanzen in Tattoo-Farben ab 2022 verboten

Tattoo-Farben sollen ab 2022 sicherer werden: Ab dem 4. Januar 2022 wird die Nutzung von mehr als 4000 Chemikalien in Tattoo-Farben und Permanent Make-up innerhalb der EU beschränkt. Die Chemikaliengemische können Stoffe enthalten, die Allergien auslösen oder andere schwerwiegendere Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Ein Jahr später, zum 4. Januar 2023, folgt das Ende für zwei beliebte Farbstoffe für bunte Tattoos: Pigment Blau 15:3 und Pigment Grün 7. Für diese gibt es, im Gegensatz zu vielen anderen, noch keine gesundheitlich unbedenklichen Alternativen.

Organspende: Neues Register und mehr Informationen ab 2022

Patientinnen und Patienten sollen ab März 2022 in ihrer Hausarztpraxis mehr Informationen über Möglichkeiten zur Organspende erhalten. Außerdem wird ab März 2022 ein neues Onlineportal veröffentlicht, in dem Spendererklärungen auch elektronisch abgegeben oder widerrufen werden können. Erreichbar ist das Portal unter www.organspende-register.de.

Änderung ab 1. Januar 2022: Männliche Küken dürfen nicht mehr getötet werden

Weil männliche Hühner keine Eier legen und sich nicht für die Fleischproduktion eignen, werden allein in Deutschland Jahr für Jahr rund 45 Millionen männliche Küken getötet. Ab dem 1. Januar 2022 wird die Praxis verboten. Im deutschen Tierschutzgesetz steht nun der Satz: „Es ist verboten, Küken von Haushühnern der Art Gallus gallus zu töten.“ Deutschland ist das erste Land, dass das Töten männlicher Küken verbietet. Das Geschlecht soll ab 2022 entweder bereits im Ei bestimmt und Eier mit männlichen Embryonen aussortiert werden. Alternativ sollen die geschlüpften männlichen Küken als sogenannte Bruderhähne gemästet werden.

Ab dem 1. Januar 2022 ist es verboten, männliche Küken zu töten.

Ab dem 1. Januar 2022 ist es verboten, männliche Küken zu töten.

Foto: dpa/Peter Endig

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass die Börsenstrompreise im Jahr 2021 um drei bis vier Cent pro Kilowattstunde gestiegen sind. Diese Angabe war veraltet, der Anstieg liegt deutlich höher. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

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